CD-Review: Parkway Drive - IRE

Besetzung

Winston McCall - Gesang
Luke Kilpatrick - Gitarre
Jeff Ling - Gitarre
Jia O' Connor - Bass
Ben Gordon - Schlagzeug

Tracklist

01. Destroyer
02. Dying To Believe
03. Vice Grip
04. Crushed
05. Fractures
06. Writings On The Wall
07. Bottom Feeder
08. The Sound Of Violence
09.Vicious
10. Dedicated
11. A Deathless Song .


Als PARKWAY DRIVE vor gut zehn Jahren zum ersten Mal in Europa auf den Plan traten und das erste Album „Killing With A Smile“ erschien, war die Marschrichtung noch klar: Konzerte der Band waren mehr noch als alle anderen Metal- oder Hardcore-Konzerte eine einmalige Gelegenheit, 45 Minuten lang den Verstand abzuschalten, sich waghalsig in den Moshpit zu stürzen und Punchlines wie „Don’t Cry Me A Fucking River, Bitch“ oder „Yippiyayeah, Motherfucker“ mitzugrölen. Auch das Album selbst vereinte in einer für ein Debüt-Release aus dem Genre selten bis nie gesehenen Art und Weise Spielwitz, Kreativität und pure Freude an brachialer Musik. Songs wie „Gimme A D“, „Anasasis/Xenophontis“ und „Guns For Show, Knives For A Pro“ sind heute noch Gassenhauer auf den Konzerten der Band.

Die Zeiten haben sich aber geändert: Heute spielen die Australier regelmäßig vor einem Publikum, das zehn- bis 20-mal größer ist als noch vor Jahren und älter geworden sind die Bandmitglieder auch. Das bedeutet: Die Entwicklung, die sich über die Jahre andeutete und schon auf dem letzten Album leicht angedeutet hat – eine Entwicklung hin zu gemächlicheren Songs, Stadion-tauglichen Hymnen, Heavy Metal statt Metalcore und Chorussen statt Breakdowns – nimmt hier überhand. Denn wo PARKWAY DRIVE auf „Atlas“ noch mitunter hymnenhafte Metalcore-Brecher ablieferten, gibt es hier auch gewollt hymnenhafte Rohrkrepierer zu hören. Wer ein Album wie „Deep Blue“ erwartet, wird also enttäuscht werden.

So startet „Destroyer“ zwar mit einem epischen Intro, das sehr an „Samsara“ von „Deep Blue“ erinnert, jedoch wird danach nicht – wie in Letzterem – die Abrissbirne ausgepackt, sondern vielmehr in sehr gemäßigtem Tempo und zu recht banalen Riffs gerockt. Alles zu dem Zweck, zum mitsingtauglichen (denn darum geht es) Ein-Wort-Refrain („Destroy“) überzuleiten. Danach leiten die Australier dennoch in einen epischen Part über, der tatsächlich richtig fesselt, eine Marschroute, die man auf „IRE“ öfter beobachten kann.

Ebenso zu beobachten sind allerdings Peinlichkeiten größeren Ausmaßes, die weniger zu erwarten waren: Da wären „Vice Grip“ mit seinem hirnlosen („Yeah-Yeah-Yeah“) Refrain und der Tatsache, dass man sich nicht zu schade war, das Geräusch eines Stadionpublikums zu sampeln sowie das von vorne bis hinten ereignisarme und im Großen und Ganzen stinklangweilige „Crushed“, das mit den Chören im Hintergrund an einen missratenen Ex-Deo-Song erinnert. Auch irgendwie traurig. Nicht weniger bemitleidenswert wirken die Bemühungen von PARKWAY DRIVE in „Fractures“, einem noch einigermaßen vielversprechend beginnenden Lied, das sich aber im weiteren Verlauf größtenteils darin erschöpft, ein bisschen Gebimmel um die „Woo-hoo-hoo“-Chöre herum anzubieten. Belanglos ist dafür gar kein Ausdruck. Der ultimative Facepalm-Moment des Albums ist aber „Writings On The Wall“: Zu einem Beat, der sehr an „We Will Rock You“ erinnert, performt Sänger McCall einen merkwürdigen Storyteller-Gesang, nur um dann allen Ernstes ein „Put Your Hands Up, Put Your Hands Up“ anzustimmen. Zuhause singt man dann halt „Hang Your Head, Hang Your Head“.

Umso ratloser macht einen dieses belanglose Quartett der schlechten Songs, als direkt darauf mit „Bottom Feeder“ ein mächtig groovender Gassenhauer folgt. Er erinnert in positiver Weise an „Deliver Me“ und weist insbesondere einige unerwartete Stimmungswechsel auf, die das Gesamtbild perfekt abrunden. Derart positiv geht es auch in „The Sound Of Violence“ weiter, während „Vicious“ die gesamte Schizophrenie von „IRE“ auf den Punkt bringt: Bis Minute 2:45 könnte das Ganze ein belangloser Heavy-Metal-Song einer noch belangloseren Band sein, bis sich die Stimmung ändert und die Australier über einen stimmungsvollen Beat auf einen fantastischen Moshpart inklusive Ohrwurmriff überleiten.

Warum man das nicht einfach die ganze Zeit so gemacht hat, wird das Geheimnis der Band bleiben. Letzten Endes hält man nämlich mit „IRE“ ein Album in den Händen, das zwar einige coole Lieder beinhaltet, aber bei Weitem nicht an die früheren Alben herankommt und durch die erwähnten Peinlichkeiten ordentlich Abschreckungspotenzial hat.

Bewertung: 5.5 / 10

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