John Ricci ist seinen Fans vor allem als Gitarrist und Gründungsmitglied der kanadischen Speed-Metal-Pioniere EXCITER bekannt. In dieser Funktion spielte er mit „Heavy Metal Maniac“, „Violence And Force“ sowie „Long Live The Loud“ mindestens drei unverzichtbare Alben ein und schrieb seinen Namen schon Mitte der 80er unauslöschlich in die Annalen des Heavy Metal. 2014 trennten sich EXCITER das zweite und bis dato letzte Mal von Herrn Ricci, woraufhin beide Parteien für lange Zeit aus dem Rampenlicht verschwanden. Zumindest der Gitarrist scheint inzwischen wieder Blut geleckt zu haben, formierte er doch unlängst eine neue Band namens POWERRAGE, die nun mit „Beast“ ihr erstes Album präsentiert.
Bandgründer John Ricci hat im Vorfeld zwar behauptet, er wolle mit POWERRAGE musikalisch etwas Neues wagen, doch schon in „Dark Wings“ ist das Erbe von EXCITER kaum zu überhören. Schrammeliger Speed Metal mit rotzigen Vocals befördert die Nummer genauso wie „Dragon Man“ und „The Devil Is Screaming“ in unmittelbare Nähe der Ex-Band des Gitarristen. Auch das zäh stampfende „Cremation Damnation“ ist nicht weit vom vorherigen Schaffen des Mannes entfernt, wenngleich man hier auch BLACK-SABBATH– und CANDLEMASS-Anleihen heraushören kann. Es wird also schnell klar, dass POWERRAGE weniger ein Neuanfang als die Fortführung dessen sind, was Mr. Ricci am Besten kann – verkehrt ist das sicher nicht, denn schließlich ist es um EXCITER schon sehr lange sehr still.
Entgegen des recht gradlinigen ersten Eindrucks bietet „Beast“ sogar die ein oder andere Überraschung. Ja, natürlich, solch tief im Underground verwurzelter Proto-Speed-Metal kann schon mal reichlich monoton und auch ein kleines bisschen stumpf sein. Dennoch: POWERRAGE präsentieren sich nicht nur im vergleichsweise epischen „Haunted Hell“ als überraschend vielschichtig und bringen in manchem Song sogar den ein oder anderen versteckten Melodiebogen unter. Leadgitarren gibt es hier ebenfalls und wer Mr. Riccis Spiel kennt, weiß, dass der Mann noch nie der technischste aller Gitarristen war und seine Soli vor allem deshalb funktionieren, weil sie fast bis zur Unkenntlichkeit verhallt sind.
Insgesamt fällt auf, dass POWERRAGE auf „Beast“ ziemlich klischeebeladen agieren, allerdings scheinen sie sich dessen auch voll und ganz bewusst zu sein und das einigermaßen augenzwinkernd vor sich her zu tragen. Die Energie dieser Platte stimmt jedenfalls und hier und da versprühen die enthaltenen Songs sogar den ungeschliffenen Charme einschlägiger VENOM-Nummern. Dafür ist nicht zuletzt Sänger Jacques Bélanger verantwortlich, dessen bösartiges Fauchen bestens zu den rotzigen Titeln passt und der gleichzeitig zum reichlich beeindruckenden Screams in der Lage ist – man höre hierzu vor allem „Damned And Cursed“.
Wie angesichts der beteiligten Musiker wohl kaum anders zu erwarten spielen POWERRAGE auf ihrem Debüt sehr basisnahen, ungeschliffenen Speed Metal, der vor allem die musikalische Herkunft des Bandkopfs nicht verbergen kann. Wenngleich die Songs der Truppe oft mit dem Nötigsten auskommen, offenbaren sich bei genauerem Hinhören aber auch versteckte Eingängikeit und unerwartete Gänsehautmomente. Somit ist „Beast“ kein wahnsinnig innovatives Album, präsentiert sich innerhalb seiner selbst gesteckten Grenzen aber ziemlich abwechslungsreich, ohne dabei je den roten Faden vermissen zu lassen. EXCITER haben seit 16 Jahren keine neue Musik mehr veröffentlicht und dank POWERRAGE gibt es nun eine wirksame Ersatzdroge.
Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 7 / 10


