Das Schöne an echter Kunst ist ja, dass sie nur dem Künstler oder der Künstlerin zu gefallen hat. Nun steht öffentlich gemachte Kunst natürlich trotzdem im Fokus der Betrachtung durch andere – und spätestens an diesem Punkt fragt man sich bei TAAKE nun eben doch: Was soll das?
Neun Alben hat deren Mastermind Hoest mittlerweile aufgenommen – und während die ersten drei noch zu den ambitioniertesten, eigenwilligsten und zugleich packendsten Alben des norwegischen Black Metal zählen, wirken die neueren durch die Bank wie ein Experiment: Wie lieblos kann ich meine Alben noch zusammenpfuschen, ehe es auch dem letzten Trueheimer auffällt? Anscheinend lange, denn vom künstlerischen Anspruch, Herausragendes zu schaffen, scheint Hoest schon vor einer guten Dekade befreit zu haben.
Mit „En Skog Av Nidsang“ setzt der Norweger diese Serie ziemlich konsequent fort: Abermals von einem für das Produkt völlig unzureichend aufgelösten Schwarz-Weiß-Foto „verziert“, gibt es – wie schon auf dem Vorgänger „Et Hav Av Avstand“ – vier Songs einer Spieldauer von näherungsweise 40 Minuten zu hören. Diese vergleichsweise lange Laufzeit erreichen TAAKE auch diesmal nicht etwa durch elaborierte Kompositionen, spannende Stilwechsel oder auch nur atmosphärische Monotonie. Vielmehr klingt alles auf „En Skog Av Nidsang“ mehr wie etwas, das eine mittelklassige Garagen-Band verbrochen hat, nachdem der Gitarrist auf dem Weg zur Probe „Nattestid Ser Porten Vid“ und der Sänger „Over Bjoergvin Graater Himmerik“ gehört hat: Ja, irgendwo klingt es schon nach TAAKE, was hier aus den Boxen schallt – zugleich aber auch nach völlig willkürlich aneinandergereihten, unausgereiften Ideen, die bestenfalls vom Spirit der erwähnten Alben träumen können, während sie schon wieder in Vergessenheit geraten. Denn mag das erratische, chaotische Element im Songwriting in gewisser Weise noch zu TAAKE gehören – die Belanglosigkeit dieses Materials grenzt an eine Beleidigung. Beispiel gefällig? Wer es bis zum Ende von „Av Guds Ville Naade“ geschafft hat, wird dafür noch mit einer nervtötenden Fingerübung als Leadmelodie bestraft.
Auch am Thema Sound/Produktion scheint Hoest endgültig Freude und Interesse verloren zu haben. Klangen die ersten drei TAAKE-Alben zwar roh, aber durchweg stimmig und – spätestens bei „Hordalands Doedskvad“ dann auch kraftvoll, geht es seit „Kong Vinter“ (2017) konsequent in Richtung „mutwilliger Dilettantismus“. Mit dem direkten Vorgänger verglichen wirkt „En Skog Av Nidsang“ zwar alles in allem wieder etwas runder – trotzdem passen Performance und Klang eher zur unbedarft und frei von jeder Expertise vor sich hin recordenden Garagen-Band als zu einem Profimusiker mit 30 Jahren Berufserfahrung.
An dieser Stelle könnte man sich nun in Detail-Vergleichen ergehen und würde wohl feststellen, dass – wie beim Sound – auch in einzelnen Riffs vielleicht sogar wieder ein Scherflein mehr Ehrgeiz zu entdecken ist. Macht das irgendetwas fundamental besser, verdienen TAAKE dafür Anerkennung und „En Skog Av Nidstang“ wieder eine bessere Wertung, Stichwort „Trendwende“? Nicht wirklich. Denn mag das einzelne Album auch nur „gleichwertig belanglos“ sein wie seine Vorgänger, ist, angesichts der eh schon stark verwässerte Diskografie von TAAKE, jedes weitere schwache Album noch überflüssiger als sein Vorgänger.
Auch 2026 zehren TAAKE noch ausschließlich von ihrem Anfang der 2000er-Jahre mit viel Ehrgeiz aufgebauten Ruf und einer nach wie vor überzeugenden Live-Präsenz. Denn käme „En Skog Av Nidsang“ von einer Newcomer-Band – kein Hahn und auch kein Mensch, auch nicht der trveste Underground-Fetischist, würde danach krähen. Und irgendwie fällt es auch schwer zu glauben, dass der Musiker Hoest, wissend um die zeitlosen Klassiker, die er dereinst geschrieben hat, von diesen Machwerken überzeugt ist. Live zumindest spielen TAAKE derzeit mit „Einstoeingen Og Eg“ nur einen der Tracks – und ansonsten ausschließlich Material der Alben bis „Noregs Vaapen“ (2011). Keine weiteren Fragen, euer Ehren.
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