Review Rome – Le Ceneri Di Heliodoro

(Chanson Noir/ Post-Folk) Wer dachte, dass Jerome Reuters Herzensprojekt ROME mit solchen grandiosen Tracks wie „Die Brandstifter“ („Masse Mensch Material“) oder „Querkraft“ („Confessions D’Un Voleur D’Ames“) seinen Höhepunkt erreicht hat, der irrt. Denn der Luxemburger legt seit 2006 stets so gute bis brillante Alben vor, dass ROME keinen Höhepunkt zu erreichen gedenkt, da es sich bereits auf diesem befindet – und auch völlig unbeirrt dort bleibt.

Mittlerweile im Chanson Noir/ Post-Folk angekommen, rasten ROME zuvor durch einige Haltestellen im Neofolk, Martial Industrial und Apocalyptic Folk, denn im Abstand von mitunter weniger als einem Jahr brachte das Luxemburger Projekt neue Alben auf den Markt.

Mag sich die musikalische Ausrichtung ab und ab geändert haben, so ist Reuters Anspruch an gehaltvolle Texte allerdings stets geblieben. Die Protagonisten von ROMEs Texten sind dabei zumeist vergessene Helden der Geschichte sowie Außenseiter des 20. Jahrhunderts. Neben anarchistischen Rebellen („Flowers From Exile“) und dem französischen Widerstand („Nos Chants Perdus“) widmete sich Reuters auch schon dem Freiheitsbestrebungen Südafrikas („A Passage To Rhodesia“).

Auf dem nunmehr 13. Album „Le Ceneri Di Heliodoro“ (Die Asche von Heliodoro“) beschäftigt sich ROME erneut mit einem politisch eher schwer im Magen liegenden Thema, nämlich der auflösende Einheit Europas sowie der zerbrechlichen Brüderlichkeit einer Nation. Was die Rolle dieses geheimnisvollen Heliodoros darin ist, ob dieser als Prophet oder Dämon, Retter oder Jäger auftritt, bleibt Reuter als Antwort allerdings schuldig.

Auf den elf Tracks tritt ROME dabei gewohnt souverän auf: Die Verschmelzung von historischen Liedaufnahmen, von Sprachsamples, dem Klavier sowie Reuters tiefer Bassstimme und seiner Akustikgitarre ergeben eine Dreiviertelstunde Klangkino pur. Das sich gemächlich erhebende „Sacra Entrata“ ist dabei der ideal Einstieg in „Le Ceneri Di Heliodoro“, mit dem sich ROME verstärkt dem Neofolk zuwenden.

Die starken Refrains blühen in der minimalen Instrumentierung auf („A New Unfolding“, „The West Knows Best“), Reuters Talent für beinah schon sexy Rhythmen suchen ihresgleichen („Feindberührungen“, „Black Crane“) und mit „Fliegen wie Vögel“ erinnert ROME an Death In June’s unterschätzten Apocalyptic-Folk-Meisterwerk „Operation Hummingbird“.

Überraschend ist es nicht, deutlich gesagt werden sollte es dennoch: Auch auf dem 13. Studioalbum bündelt Reuter sämtliche kreativen Kräfte, um mit ROME ein weiteres hervorragendes, modernes Neofolk-Album zu veröffentlichen!

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Wertung: 9 / 10

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