Review Shining (Nor) – One One One

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass die Norweger SHINING (nicht zu verwechseln mit den Schweden um Niklas Kvarforth) mit ihrem experimentellen Extreme-Metal-Album „Blackjazz“ für Furore sorgten – wurde das Album doch international von der Metal-Presse (A.d.R: nicht zuletzt auch bei Metal1.info) für die so avantgardistische wie konsequent umgesetzte Fusion aus extremem Metal und Jazz in höchsten Tönen gelobt.

Mit „One One One“ steht nun der Nachfolger in den Startlöchern – allerdings ob der hohen Erwartungen, die naturgemäß an den Nachfolger eines Jahrhundertalbums gestellt werden, mit einer schweren Last auf den Schultern. So ist die erste Runde dann auch tatsächlich die erwartete Enttäuschung: SHINING liefern auf knapp 40 Minuten genau das ab, was man von ihnen erwartet – und genau deshalb von einer experimentierfreudigen Band wie dieser nicht erwartet hätte: ein ziemlich abgefahrenes Album, das vor Musikalität strotzt, grooved, jazzt und gelegentlich auch einfach nur direkt und ohne Umschweife auf die Zwölf gibt. Und das vom ersten Eindruck her eigentlich genau so klingt wie „Blackjazz“.
So weit, so gut – und hätte es „Blackjazz“ nicht gegeben, meine Begeisterung ließe sich vielleicht kaum zügeln. Mit besagtem Album im Ohr wirkt „One One One“ jedoch stellenweise einfach zu gleich, enttäuscht die musikalische Stagnation, die hier – zugegebenermaßen auf höchstem Niveau – Einzug gehalten hat, dann doch. Nicht, weil die Songs auf „One One One“ nicht gut wären. Sondern weil man von einem Über-Musiker wie Jørgen Munkeby wohl unterbewusst und mit absoluter Selbstverständlichkeit das Unmögliche erwartet hatte: Ein Album, das klingt wie „Blackjazz“, aber irgendwie auch nicht, die Stärken mitnimmt, überbietet, mit neuen Elementen überrascht und am Ende trotzdem noch nach SHINING klingt. Die eierlegende Jazz-Metal-Sau, quasi.
Dass diese Erwartungen nicht (direkt) erfüllt werden, sorgt nun für einen gewissen Unmut, eine an nichts Konkretem festzumachende Unzufriedenheit – und damit eine ins Negative verschobene Sicht der Dinge. Denn selbstverständlich ist „One One One“ großartig. Selbstverständlich haben sich SHINING weiterentwickelt – wirkt das Album doch in sich schlüssiger, logischer, weniger sprunghaft. Haben SHINING hier das, was „Blackjazz“ groß gemacht hat, in eine neue, rundere Form gegossen. Hat „One One One“ all das, was der Vorgänger auch hatte, strotzt vor Musikalität, grooved, jazzt und gibt gelegentlich auch einfach nur direkt und ohne Umschweife auf die Zwölf.
Allein: all das hört erst, wer sich von seiner Erwartungshaltung frei gemacht hat, und „One One One“ die faire Chance gegeben hat, die es verdient hat. Ganz so weit bin ich noch nicht.

„One One One“ wird für mich noch lange Zeit im Schatten seines Vorgängers stehen bleiben, „My Dying Drive“ (auch wenn der überdeutliche Querverweis gewiss beabsichtigt ist) noch lange der kleine, etwas schwächere Bruder des aggressiven, ungezügelten „Fisheye“ bleiben – und dennoch ist bereits jetzt unverkennbar, dass SHINING sich auch mit „One One One“ selbst übertroffen haben. Nur eben anders, als zumindest ich das erwartet hatte.
Vorerst, im Bewusstsein all dieser Subjektivitäten, „nur“ 9 Punkte – darüber, ob das dem Album Genüge tut, reden wir dann in einem Jahr nochmal. Vermutlich eher nicht.

Wertung: 9 / 10

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