Devin Townsend Project w/ Shining (Nor)

  • Berlin, BiNuu
  • 07. August 2014

dtpWenn sich zwei profilierte Ausnahme-Bands wie die Jazz Metaller von SHINING und das DEVIN TOWNSEND PROJECT die Bühne teilen, bedeutet das vor allem eines: Es wird eng. Im Rahmen der „Summer In The City“-Tour haben beide Gruppen dem Berliner BiNuu einen Besuch abgestattet und eine Show geliefert, die aufgrund ihres interessanten Billings als solches, aber auch durch die keine Wünsche offen lassende Songauswahl jeden Besucher glücklich ins Berliner Nachtleben entlassen haben dürfte.

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Die typisch schlicht in schwarz gekleideten SHINING spielen in 45 Minuten eine Handvoll Songs, deren Auswahl das preschende „I Won’t Forget“ („One One One„, 2013) als Opener und das King-Crimson-Cover „21th Century Schizoid Man“ („Blackjazz„, 2010) als Abschluss beinhaltet. Jørgen Munkeby unterhält das etwa zur Hälfte gefüllte BiNuu zwischen den Songs mit seiner authentischen und erfrischenden Art, die den gesamten Auftritt der Norweger prägt. Die wenigen unangenehmen Momente mit einem zu dominant hervorgehobenen Keyboard ziehen sich durch die komplette Show, treten aber durch die schlichtweg geniale stimmliche Performance von Munkeby in den Schatten.

Shining_17031_white_V2_50prc1Wohingegen der Opener einen idealen Einstieg darstellt, raubt der letzte Song dem Publikum die Energie – zu experimentell gestaltet sich der lange Track, dessen Saxophon-Einlagen für einen Großteil der Zuhörerschaft augenscheinlich nicht zum Mitgehen einlädt. Das Publikum, welches sich zuvor noch auf jeden Song wie „Fisheye“ („Blackjazz“) und „The One Inside“ („One One One“) einlässt, verhält sich im Vergleich zu den vorherigen Tracks beinahe regungslos, was im Kontrast zur ausgelassenen und schweißtreibenden Bühnen- Performance von SHINING steht – schade, dass die Norweger so von der Stage gehen.

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Bereits vor dem Beginn seines Auftrittes weiß das DEVIN TOWNSEND PROJECT um Mastermind und Namensgeber Devin Townsend mit einer kreativen Ablenkung in der Umbauphase für Stimmung zu sorgen: Anstatt eines Banners im Hintergrund werden auf die Wand irrwitzige Bilder und Videos von einem Grimassen ziehenden Townsend oder sich im Takt bewegten Waschbären projiziert – sein besonderer Sinn für Humor ist das Markenzeichen des Kanadiers. So überrascht es nicht, dass er einige der folgenden Songs mit einem „Ziltoid„-Cappy spielt, welches es am Merch-Stand neben einer Handpuppe käuflich zu erwerben gibt.

largeSpürbare Höhepunkte der etwa 90 Minuten währenden Show sind definitiv der Opener „Seventh Wave“ („Ocean Machine: Biomech“, 1997), der bereits aus einigen Ecken des Publikums mitgesungen wird, gefolgt von „War“ („Infinity“, 1998) sowie die wahre Begeisterungsschübe auslösenden Stücke „Supercrush!“ („Addicted„, 2009) und „Kingdom“ („Physicist“, 2000). Aufforderungen ans Publikum, es solle seine Arme in die Höhe bewegen, kommen die geschätzt 300 Zuschauer bereits im zweiten Song nach, denn einem mitgerissenen Publikum stand das DEVIN TOWNSEND PROJECT schon im Opener gegenüber. Die Akustik ist hervorragend und im Gegensatz zu SHININGs Auftritt frei von Makeln. Sogar die für die Kombo typische Wall Of Sound zieht sich spürbar durch jeden Song. Nachdem die Zugabe „Bad Devil“ („Infinity“) vorüber ist und Townsend sowie sein Schlagzeuger Ryan van Poederooyen Handshakes in der ersten Reihe verteilen, blickt man in durchweg erheiterte und zufriedene Gesichter.

Tracklist DEVIN TOWNSEND PROJECT:
01. Seventh Wave
02. War
03. Regulator
04. By Your Command
05. Deadhead
06. Planet Of The Apes
07. Numbered!
08. Supercrush!
09. Kingdom
10. Juular
11. Grace
12. Bad Devil

Die Spielfreude beider Bands zeigt sich in jedem Lied, denn mit den strahlenden Gesichtern von Munkeby und Townsend sowie der durchweg aktiven Performance eines jeden Musikers gelingt es ihnen, ihre Begeisterung für die eigenen Tracks bereits nach wenigen Minuten auf die Zuschauer zu übertragen. Erhobene Hände, Mitsingen und frenetischer Jubel am Ende beider Sets bestätigen dies. Die Stimmung im BiNuu ist mit dem Erklingen des erstes Tons von SHINING ausgelassen, die Zuschauer unterstützen die Bands mit ihrem Mitmachen und wollten nach der Zugabe vom DEVIN TOWNSEND PROJECT spürbar noch mehr hören. Ein rundum gelungenes Konzert mit hochgradig professionellen Musikern, die ihre Musik noch immer live so gerne präsentieren, wie die Fans diese hören.

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