Review Tarja – The Brightest Void

Was ist besser als einmal Tarja Turunen? Richtig, zweimal Tarja Turunen! Da die finnische Ex-Nightwish-Sängerin, im Zusammenhang mit der Musik kurz und gut TARJA genannt, abseits ihres im August erscheinenden neuen Albums „The Shadow Self“ genügend Material hatte, packte man dieses auf eine weitere Platte, stellte ein paar Coverversionen dazu und fertig war ein neues Werk namens „The Brightest Void“, das zwei Monate eher das Licht der Welt erblickt. Bei Fans sorgte dies für Verwirrung dahingehend, ob die Scheibe nun als EP oder was auch immer verstanden werden solle, tatsächlich handelt es sich aber schlichtweg um ein weiteres Album, das einfach vorangestellt wird. Geht das Konzept auf, oder wäre es besser gewesen, sich der Arbeit an nur einer Platte zu widmen?

Das Schöne an der Sache ist: Man merkt es „The Brightest Void“ in der Tat nicht an, dass es sich im Grunde um Resteverwertung handelt. Im Gegenteil geht TARJA durchaus ambitioniert und mit hörbarer Hingabe an die Sache heran, um das Album einer eigenen Veröffentlichung würdig zu machen. Dabei benötigt „The Brightest Void“ zunächst aber Zeit, denn nach dem ersten Hördurchgang wirkt Vieles zu Beginn etwas sehr einfach. „No Bitter End“ als Opener macht dies deutlich: Es handelt sich um sehr leichte Kost, dem ersten Anschein nach vielleicht etwas zu leicht, und doch stellt sich bei mehrmaligem Hören heraus, dass gerade diese Unbeschwertheit und der Gute-Laune-Grundton dem Song eine gewisse sympathische Note geben. Mit dem schweren Nightwish-Bombast vergangener Zeiten hat das Album durchaus noch ein paar Berührpunkte, dass die Sängerin den Stil ihrer alten Band jedoch nicht einfach kopiert, sollte niemanden überraschen. Letztendlich steht ja auch TARJA auf dem Cover und einmal mehr ist der Name ein Garant für eingängige, metallisch-rockige Gitarrenriffs und natürlich den tollen, variablen Gesang. Diese Elemente schaffen gelungene, abwechslungsreiche Nummern verschiedener Stimmungslagen und mit Songs wie dem wundervollen „An Empty Dream“ beweist TARJA einmal mehr, dass sie auch ein gutes Gespür für einfühlsame Balladen hat.
Gesangliche Unterstützung holt man sich ebenfalls an Bord, wobei das im Fall des Hanoi-Rocks-Fronters Michael Monroe, der auf „Your Heaven And Your Hell“ mitmischen darf, weniger gut geht, da die Stimmen nicht wirklich miteinander harmonieren wollen. Da sieht es mit „Eagle Eye“, auf dem sich Toni Turunen, TARJAs Bruder, ein Stelldichein gibt, schon ganz anders aus. Zusammen intonieren die Geschwister Turunen hier einen melancholischen und kraftvollen Song, der definitiv einen der Höhepunkte auf „The Brightest Void“ darstellt.

Bei all dem Zuspruch lässt sich die Thematik des Vorab-Albums nicht ganz unter den Tisch kehren. Mit neun Songs wartet „The Brightest Void“ mit einer annehmbaren Stückzahl auf, allerdings stehen Nummern wie die beiden Coverversionen „House Of Wax“, „Goldfinger“ und eine etwas anders abgemixte Version der TARJA-Within-Temptation-Kollaboration „Paradise (What About Us?)“, die auf anderen Alben wohl in der Bonus-Sparte gelandet wären, ganz selbstverständlich in der regulären Tracklist, wenngleich sie das Abschlusstripel bilden. Gerade letztgenannte Nummer wirkt obsolet, da sie im Vergleich zum fabelhaften Original kaum eigene Akzente setzt. Die Cover sind, wenngleich man sich statt ihnen noch zwei neue Songs mehr hätte wünschen können, aber gelungen, insbesondere „Goldfinger“, der ikonische James-Bond-Titelsong, weiß in der Version à la TARJA mehr als zu gefallen.

Zwei Alben im Abstand von zwei Monaten zu veröffentlichen, ist ein gewagtes Spiel. TARJA kann sich diesen mutigen Schritt aber durchaus leisten, denn auch, wenn es hie und da seine Schwächen hat und die Hitdichte beispielsweise auf dem zweiten Solo „What Lies Beneath“ höher war, ist „The Brightest Void“ ein guter Output mit größtenteils leicht bekömmlichen, sehr gelungenen Songs. Damit steht dem Release von „The Shadow Self“ im August nichts mehr im Weg und bis dahin sei dieses überzeugende Vorab-Album jedem TARJA-Fan ans Herz gelegt.

Wertung: 7.5 / 10

Publiziert am von Pascal Weber

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