Review Tauthr – Krybl

  • Label: Eigenproduktion, Nordisch Stahlwerke
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Black Metal

In einer Welt, in der immer mehr Bands um Beachtung buhlen, gibt es sie immer seltener: Bands, die ganz ohne große Ziele vor sich hin musizieren und gerade dabei und darum besonders hörenswerte Musik kreieren. TAUTHR aus dem schönen Norden Deutschlands sind eine solche Formation.

Bereits in den 1990er-Jahren gegründet, wurde die Band nach ein paar Demos lange auf Eis gelegt, als einige der Mitglieder mit ENDSTILLE eine Vorzeigekarriere im Black Metal durchliefen. Gute zehn Jahre später brachten TAUTHR dann mit „Life-Losing“ (2010) doch noch ein Album heraus, und zwar aus Spaß an der Freude, wie man so schön sagt. Die Band verschwand im Anschluss direkt wieder in der Versenkung. 15 Jahre sind seitdem vergangen, und vielleicht noch überraschender als das Debüt seinerzeit erscheint nun ein zweites Album – ohne PR, ohne Label, ohne „Ambitionen“. Aber eben auch: ziemlich gut.

Über knapp eine Stunde hinweg schraddelt sich Lars Wachtfels alias „der Rote“ einen ab, während sein ENDSTILLE-Kollege Mayhemic Destructor alias M.D. mit extremer Lässigkeit sein Schlagzeug bearbeitet. In den Riffs sind dabei durchaus gewisse Parallelen zu ENDSTILLE zu erkennen, jedoch gehen TAUTHR einerseits deutlich „punkiger“ (simpler), aber auch getragener (atmosphärischer) zu Werke. Wäre da nicht auch die eine oder andere Disharmonie und natürlich das furchtbar gequälte Geschrei, man könnte fast von „Easy Listening Black Metal“ sprechen – wobei TAUTHR mit dem Genre im Ganzen fremdeln. Zu dem Eindruck könnte man jedenfalls beim Titel des Abschlussstücks kommen: „There Is No Black Metal“.

Ironischerweise klingt das Album noch deutlich mehr nach Black Metal als sein Vorgänger. Neben dem im direkten Vergleich deutlich fieseren Gesang des neuen Sängers Grølman liegt das am Sound: Obwohl das Album (wie schon der Vorgänger und die ENDSTILLE-Alben) im Jaks Hell Studio produziert wurde, transportiert der diesmal viel höhenlastigere Mix (insbesondere der Gitarren) im besten Sinne DIY-Black-Metal-Projekt-Vibes und unterstreicht damit perfekt die rohe Atmosphäre des Albums. Dass es am Ende aber doch eine professionelle Produktion ist, hört man neben dem angenehm abgemischten Schlagzeug am erfreulich präsenten Bass, der den Stücken sowohl eine gewisse Melodik als auch den nötigen Schub verleiht.

Auf dieses Album hat wirklich niemand gewartet. Das wissen TAUTHR selbst am allerbesten. Gerade das aber ist die Stärke dieses Werkes: „Krybl“ klingt nicht, als wollten die Norddeutschen damit irgendwelche Erwartungen erfüllen oder gar „etwas erreichen“, außer ihre Musik für sich und alle, die es interessiert, hörbar zu machen. Sicherlich, mit einer renommierten „Zweitband“ wie ENDSTILLE in der Hinterhand fällt einem das sicherlich leichter als ohne. Trotzdem könnten sich von der Unverkrampftheit, mit der TAUTHR musizieren, viele (junge wie alte) Bands noch eine Scheibe abschneiden. Und das Ergebnis? Sicher nicht das Album des Jahres – aber ein erfreulich kurzweiliges Album mit viel Charme und einer objektiv nur schwer erklärlichen Anziehungskraft. Der klassische Underground-Geheimtipp also.

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Wertung: 7.5 / 10

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