Interview mit M.D. von Tauthr

TAUTHR sind immer für eine Überraschung gut – oder zumindest so alle zehn bis 15 Jahre. So lange nämlich haben sich die Nordlichter bis zu ihrem ersten Album „Life Losing“, beziehungsweise seitdem Zeit gelassen. Untätig waren zumindest Teile der Band in der Zwischenzeit freilich nicht, schließlich haben Wachfels und M.D. in der Zwischenzeit eine bemerkenswerte Karriere mit ihrer „Zweitband“ ENDSTILLE hingelegt. Nun aber ist mit „Krybl“ wie aus dem nichts ein zweites Album erschienen. Wieso die Band diesmal alles selbst in die Hand genommen hat, in welcher Besetzung TAUTHR mittlerweile aktiv sind und wie es überhaupt zu dieser Wiederbelebung kam, berichtet M.D. im Interview.

 

TAUTHR gibt es seit 1991, trotzdem kam erstmal bis auf ein paar Demos wenig bei herum. Was hat euch in den Anfangsjahren aufgehalten?
Das Leben. Ich bin ja erst 1994 dazugekommen. 1996 gab es das erste Demo, 1997 dann das zweite. Es fand, wie damals üblich, Tapetrading statt. Es gab auch ne Anfrage und ein gewisses Interesse eines holländischen Labels. War es Hammerheart? Ich meine … Aber dann ging es Richtung Süden. Ich zog nach Kiel zum Studieren. Wachtfels kommt aus Husum, der Sänger – Sator – zog nach Hamburg, unsere Gitarristen kamen aus Schleswig … TAUTHR war immer mit Menschen bestückt, die quer durch Schleswig-Holstein eiern mussten, um zum Proben zu gelangen. Und damals hatte man kein Geld und musste irgendwie auch arbeiten und proben. Das war echt aufwendig. Na ja und dann kam halt Ende 2000 das erste Treffen mit Iblis und Cruor von OCTORIA und eine Band namens ENDSTILLE entstand.

Was hat euch damals dazu gebracht, eine neue Band zu gründen und statt mit TAUTHR dann da Vollgas zu geben?
Ich wollte eigentlich nicht weiterhin Black Metal machen. Das Genre war für mich schon damals erschöpft. Aber nachdem Wachtfels dann bei OCTORIA zur Probe war, kam er zu mir und meinte, dass da alles ganz schlimm ist. Keyboard und ein Schlagzeuger, der nix kann. Ich solle bitte da einsteigen. Freundschaft verpflichtet – also bin ich da rein. Na ja, und dann ging das ab. Und später auch durch die Decke. Da mussten wir gar nicht so viel für tun. Unser Lebensalter hat es uns damals ermöglicht, uns auf die Band zu fokussieren. Als Student arbeitete ich nur nachmittags. FH war schon durch, ich musste nur noch ’ne Diplomarbeit schreiben … da nutzte ich die Zeit um viel, sehr viel, zu telefonieren, zu managen.

Es hat dann in der Folge zehn Jahre bis zum TAUTHR-Debüt „Life-Losing“ gedauert – was war ausschlaggebend dafür, dass ihr TAUTHR dann doch noch ernsthaft angegangen seid und ein Album gemacht habt?
Das, was TAUTHR ausmacht, fehlte uns bei ENDSTILLE. Und da haben wir die alten Kontakte wieder aufleben lassen und uns dann an eine neue Scheibe gemacht. TAUTHR ist viel Herzblut.

Danach sind TAUTHR allerdings wieder in der Versenkung verschwunden. War das nur der äußere Eindruck, also wart ihr „im Privaten“ weiter aktiv und habt einfach nichts veröffentlicht, oder lag die Band wirklich ganz auf Eis?
Wenn du ’ne Band wie ENDSTILLE und Privatleben mit Familie und Arbeit hast, kannst du den Fokus nur auf eine Band legen. Und die Zeiten waren nach dem Ausstieg von Iblis ja auch wieder sehr turbulent. Das hat viel Zeit gebunden. Aber nach der „Kapitulation 2013“-Scheibe haben wir uns wieder um TAUTHR gekümmert.

Wie sehr hat TAUTHR unter der Karriere von ENDSTILLE „gelitten“ – und tut es dir manchmal leid, dass ihr die Prioritäten so gesetzt habt?
TAUTHR hat natürlich gelitten, aber das ist so. Ich hätte manchmal schon gern lieber den ENDSTILLE-Status mit TAUTHR, weil ich mich bei TAUTHR viel mehr an den Drums entfalten kann. Das ist vielschichtiger. Aber beides macht tierisch Laune und das ist von meiner Seite quaken auf hohem Niveau.

ENDSTILLE auf dem DARK EASTER METAL MEETING 2024
M.D. mit ENDSTILLE auf dem DARK EASTER METAL MEETING 2024; © Afra Gethöffer-Grütz/Metal1.info

Wann ist die Entscheidung gefallen, noch ein zweites TAUTHR-Album zu machen, und wie lief das ab – vom ersten Riff bis zum Release?
Ich glaube, so richtig ernsthaft angegangen sind wir die Sache 2016 oder so. Also hat der ganze Bums wieder neun Jahre gedauert. Aber man muss sagen, dass die Corona-Zeit hier auch einiges abgebremst hat. Auch die Erkrankung und der Tod meines Sohnes hatten einen mächtigen Impact auf mich und somit auf die Verzögerung. Zudem ist unser Bassist Mine, der auf dem aktuellen Album spielt, jetzt schon nicht mehr dabei. Der ist beruflich nach Rheinland-Pfalz gezogen … oder irgendwo da. Ich weiß gar nicht mehr, wann wir das Album aufgenommen haben. Was es 2022? Keinen Plan. Na ja und jetzt ist es halt draußen. Jetzt war der Zeitpunkt, an dem wir gesagt haben: Los!

Nicht nur am Bass hat sich die Besetzung geändert. Wie kam es dazu, und könntest du die Neuen kurz vorstellen?
Unser Wunsch ist es, eine Band zu haben. Alle Mann am Start bei einer Probe. Das haben wir ja bei ENDSTILLE schon nicht: Wir sehen Zingultus ja auch nur zu den Konzerten. Sator ist irgendwann nach Stuttgart gezogen, der Kontakt brach dann ab. Grølmann ist ein Kollege, der eigentlich auch Schlagzeuger bei einer Punkband in Kiel ist. Mit seiner ehemaligen Band MOMENT OF SALVATION hatte er damals zu unserem 15-Jährigen gespielt. Feiner Dude und im positiven Sinne verrückt. Mine ist auch weggezogen, aber wir konnten HxN für uns gewinnen. Er ist Kopf der Band FLAGRAS aus Kiel, die auch zu unserem 25-jährigen ENDSTILLE-Jubiläum gespielt haben. HxN ist menschlich und musikalisch ’ne glatte 1! Eigentlich ist er Gitarrist, aber für uns nimmt er den Bass in die Hand.

Das Album trägt den Titel „Krybl“ – was darf man sich darunter vorstellen?
Was immer du möchtest. Feel free.

In welchem Kontext steht das Cover zu dem Titel?
In den Texten geht es oft um die Geister, die Dämonen, die uns und unseren Beziehungen innewohnen.

Unter den Songtiteln sticht besonders der letzte heraus: „There Is No Black Metal“ – kannst du diese These etwas genauer erläutern?
HERE and there is no Black Metal …

Euer letztes Album kam bei Ván Records raus – für „Krybl“ habt ihr euch zu einer DIY-Herangehensweise entschieden. Warum habt ihr darin den für euch besten Weg gesehen, die Musik zu veröffentlichen?
Ehrlich gesagt hatten wir nicht so viel Bock, wieder mit Leuten was zu bequatschen. Ich mag niemanden davon überzeugen, uns zu „signen“. Die nehmen dann Geld in die Hand und erwarten dafür natürlich auch was. Mit Recht. Aber wir wollen einfach nur die Musik an die Leute bringen. Wir werden nicht die nächsten Megarockstars. Hat keiner Bock drauf. Wenn jemand meint, er möchte mit uns n Album machen, gern. Wir kümmern uns nun um Konzerte. Vielleicht wird es ja das eine oder andere Konzert geben … keine Ahnung. Du merkst, wir haben keinen Druck.

Lässt sich bereits abschätzen, ob ihr bei dem Turnus bleibt – also das nächste Album erst in 15 Jahren veröffentlicht – oder habt ihr da jetzt etwas ambitioniertere Ziele?
Ich hoffe nicht. Jetzt sind gerade ein ziemlich gutes Bandgefüge und Bandgefühl da. Alle haben Bock. Wir haben mit neuen Songs angefangen und werden das auch konsequent weiterverfolgen.

Apropos Aktivität: Werden wir TAUTHR jetzt auch wieder öfter live erleben?
Das liegt ja nicht nur an uns. Wir haben einige Anfragen laufen. Mal sehen, ob da was kommt. Aber Bock haben wir schon.

TAUTHR 2025; © Promofoto

Generell ist es recht still aus eurer Ecke geworden – von der Jubiläumsshow zum 25. Jubiläum einmal abgesehen, gibt es auch bei ENDSTILLE nicht so viele (Live-)Aktivitäten zu verzeichnen. Woran liegt es, und wie sind hier die Pläne für die nähere Zukunft?
Wir suchen uns bei Anfragen das raus, was uns am besten gefällt.

An dieser Stelle noch Gratulation zum Jubiläum. Wir hatten ja schon zum 20. ein wunderschönes Jubiläums-Interview, darum an dieser Stelle nur eine (Doppel-)Frage dazu: Ihr habt jetzt alles durch, vom Underground über einen Hype bis zurück zur Selfmade-Band, Auftritte in kleinen Clubs und auf dem Wacken Open Air. Was war die schwierigste Zeit für ENDSTILLE?
Die Zeit nach der „Kapitulation 2013“ empfand ich als die schwierigste. Die Luft war ganz schön raus.

… und was ist das Beste an ENDSTILLE, was hält euch als Band auch nach einem viertel Jahrhundert am Leben?
Die Lust, mit ausgestrecktem Mittelfinger durch die Musiklandschaft zu gehen und einen Scheiß auf das alles zu geben.

Auch heute lasse ich dich natürlich nicht ohne das obligatorische Brainstorming gehen:
Spotify: Deezer?
Die Weltlage: ja ja …
GAEREA: Kenn ich nix.
Black Metal 2025: Here and there is no Black Metal
Punk Rock 2025: ääääh …. ja. nö.
Friedrich Merz: Wenn man Trump bei Temu bestellt.
TAUTHR in zehn Jahren: Old, but not dead.

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