Review Uada – Crepuscule Natura

Will man als Musiker, dass der Hörer ein Album bis zum Schluss durchhört, so empfiehlt sich normalerweise, einen starken Opener zu platzieren, der viele Stärken des noch Kommenden ausdrucksstark zusammenfasst und eine Werkschau im Kleinen abliefert. Viele Pfade können darin angedeutet werden, verdichtet, aber noch nicht vollends einzeln entfaltet. Interesse muss erzeugt werden. Will man als Autor eines Reviews, dass die Leser bis zum Schluss dranbleiben, sollte man hingegen sein Fazit nicht an den Anfang stellen. Ein Interesse erweckender Einstiegssatz genügt. Angesichts des aktuellen UADA-Albums „Crepuscule Natura“ und seines Openers „The Abyss Gazing Back“ drehen wir diese Logik jedoch heute einfach um. Das Fazit lautet schlicht: Die neue UADA ist eine Enttäuschung, und eine ärgerliche noch dazu.

Das faszinierende an Alben der hochmelodischen Schwarzheimerschule wie DissectionsStorm Of The Lights Bane“ (auf die sich UADA auch gerne berufen), ist nicht nur der Kontrast zwischen brutaler Raserei und eigentlich „schönen“ Melodien. Die Kunst bestand darin, dass diese Melodien trotzdem niemals angenehm oder sanft klangen, sondern klagend und verzweifelnd den Hörer in eine andere Welt trugen, eine okkulte Welt, eine menschenfeindliche, eine äußerst kalte. An dieser Aufgabe scheitern UADA fundamental.

Wenn der Dissection-Vergleich schon unbedingt nötig ist – und er ist es qualitativ nicht – dann schöpft „Crepuscule Natura“ viel mehr aus Jon Nödtveidts hochumstrittenen Spätwerk „Reinkaos“ als aus dem ikonischen Vorgänger. Doch auch dieser Vergleich geht ins Leere, denn „Reinchaos“ hatte unbestreitbar Atmosphäre, die „Crepuscule Natura“ vollständig fehlt. Die so exzessiv wie repetitiv ausgewalzten Melodien zitieren vor allem die zweistimmige Göteborg-Schule von Anfang des Jahrtausends, enden aber in vergessen geglaubten Metalcore-Harmonien. Zwar gibt es glücklicherweise keine Breakdowns, aber Satan wirkt dennoch selten überzeugend, wenn er Baggyhosen trägt.

Leider kann dieser Befund austauschbar auch auf fast alle der fünf neuen Lieder angewandt werden. Die Melodien reißen nicht mit, sondern wirken unpassend fröhlich. Die viel zu dominanten Drums verleihen den Songs eine Hektik, die keine Stimmung aufkommen lässt. Die Komposition der Stücke wirkt lieblos und unerfahren, zudem kehrt allzu oft Bekanntes wieder. Der austauschbare und gleichförmige Gesang tut sein Übriges, um das Hörerinteresse schnell verebben zu lassen.

Erst im ersten Viertel des – viel zu langen – Schlusspunktes „Through The Wax And Through The Wane“ gelingt es UADA, die gehetzte Melodiejagd zu pausieren und sich endlich auf das Erschaffen einer spannenden Atmosphäre zu konzentrieren. Etwa drei Minuten lang. Dann verliert sich der Song in lieblos aneinandergesetzten und zu oft wiederholten Versatzstücken, die das sorgsam Aufgebaute wieder zunichtemachen. Schade, denn es begann eigentlich, endlich interessant zu werden.

Doch diese wenigen Minuten bringen nichts. „Crepuscule Natura“ ist eine Mogelpackung, deren bester Teil die Bilder des gleichnamigen Photographen sind. Es ist ein Lehrstück darin, wie man melodischen Black Metal missverstehen kann. Denn mit diesem Wort lassen sich die unterschiedlichen Erwartungen von Hörer und Musiker wohl am besten beschreiben: „Crepuscule Natura“ wirkt wie eine Auftragsarbeit, bei der ein dem Prüfling unbekanntes Genre erschlossen werden soll. Dass nach den Vorgängeralben und dem teilweise immensen Hype um UADA davon ausgegangen werden kann, dass die Beteiligten eigentlich wissen, wie man diese Musik spannend vorträgt, macht die Leistung auf „Crepuscule Natura“ noch unverständlicher.

 

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Wertung: 3 / 10

Redaktion Metal1.info

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