CD-Review: Whitesnake - The Purple Album

Besetzung

David Coverdale - Gesang
Reb Beach - Gitarre
Joel Hoekstra - Gitarre
Michael Devin - Bass
Tommy Aldridge - Schlagzeug

Tracklist

01. Burn
02. You Fool No One
03. Love Child
04. Sail Away
05. The Gypsy
06. Lady Double Dealer
07. Mistreated
08. Holy Man
09. Might Just Take Your Life
10. You Keep On Moving
11. Soldier Of Fortune
12. Lay Down Stay Down
13. Stormbringer


Wir schreiben das Jahr 1973. Ein gerade 21 Jahre junger Mann namens David Coverdale antwortet auf eine Anzeige in einem Musikmagazin. Deep Purple suchen einen neuen Sänger. „Genau der richtige Job für mich!“, denkt sich David und prompt bewirbt er sich bei einer der schon damals größten Rockbands des Planeten. Bekanntlich lag er mit seiner Selbsteinschätzung nicht ganz falsch, denn unter den drei Studioalben, die Deep Purple in ihrer nur dreijährigen Coverdale-Phase aufnehmen sollten, befinden sich mit „Burn“ und „Stormbringer“ mindestens zwei Klassiker, die aus der Ruhmeshalle des Hard Rock nicht mehr wegzudenken sind. Über 40 Jahre später nimmt sich Coverdale im Verbund mit seiner nicht minder bekannten Band WHITESNAKE ausgewählten Songs aus dieser Zeit erneut an. So kommt es, dass im Jahr 2015 nun ein WHITESNAKE-Album mit 13 Remakes alter Deep-Purple-Nummern in den Regalen steht. Eine Veröffentlichung, die wie so viele Neuaufnahmen die Frage aufwirft: Braucht man das?

Machen wir es an dieser Stelle also kurz und schmerzlos: Nein, das braucht man nicht. Denn die hier dargebotenen Neuaufnahmen bieten beinahe durch die Bank keinerlei Mehrwert bzw. sind den Originalaufnahmen weit unterlegen. Eine Erkenntnis, die kaum überrascht. Mal Hand aufs Herz: Wer erwartet denn allen Ernstes, dass ein gesättigter, vermutlich äußerst gutverdienender Rockstar in seinen Sechzigern noch einmal an die ungebändigte, rohe Energie seiner Jugendtage anknüpfen kann? Musik als Abfolge bestimmter Tonhöhen, Rhythmen etc. ist reproduzierbar, Spirit nicht. Und genau hier ist auch das große Problem von „The Purple Album“ zu verorten. Die Songs an sich sind heute natürlich noch genauso stark wie vor 40 Jahren. Zeitlose Nummern wie „Burn“, „Mistreated“ „Stormbringer“ oder „Lay Down Stay Down“ lassen noch immer das Herz eines jeden Hard-Rock-Fans höher schlagen. Dennoch greift man schnell wieder zu den Originalaufnahmen, was mehrere Gründe hat.

Zum einen beseitigt die aalglatte, gesichtslos auf modern getrimmte Produktion der Scheibe konsequent alle Dynamik und allen Dreck unter den Fingernägeln, den man als Anhänger handgemachter Gitarrenmusik so sehr liebt und der diese Art von Musik überhaupt erst von seelenlosen Radio-Pop-Produktionen abgrenzt. Zum anderen ist Coverdales Stimme auch nicht mehr das, was sie einmal war. Einem Sänger den natürlichen Alterungsprozess seines Organs zum Vorwurf zu machen mag ungerecht sein. Doch Neuaufnahmen alter Klassiker müssen sich eben zwangsläufig den Vergleich zu den Originalen gefallen lassen. Der Fairness halber sei zwar erwähnt, dass es die Zeit mit Coverdales Stimme noch relativ gut gemeint hat (zumindest im Vergleich zu der einiger Kollegen wie Rob Halford), dennoch wird man stellenweise den Eindruck, dass David die eine oder andere Nummer („Burn“, „Love Child“, „Might Just Take Your Life“) doch mehr durchquengelt und durchleidet als durchsingt, nicht los. Zudem tendiert die kreative Eigenleistung WHITESNAKES hier gen Null. Mit Ausnahme von „Sail Away“, das man auf „The Purple Album“ in ein nicht besonders originelles 08/15-Akustik-Gewand steckt, handelt es sich auf musikalischer Ebene weitestgehend um bloße Kopien der Deep-Purple-Songs. Wer es schon als Neuinterpretation versteht, mehr Gain auf die E-Gitarren zu legen, der hat wohl eindeutig etwas falsch verstanden.

Was man mit WHITESNAKES „The Purple Album“ schließlich in Händen hält, ist also nichts weiter als eine recht lieblos zusammengeschusterte Sammlung von Verschlimmbesserungen liebgewonnener Stücke. So hegt man als Hörer schnell den Verdacht, dass dieses Produkt letztlich nur den Zweck erfüllt, den treudoofen Fans ihr hart verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen bzw. eine Phase kreativer Einfallslosigkeit in der Gegenwart durch schamloses Vergreifen an der eigenen Vergangenheit zu überbrücken. Ein Eindruck, der einem den Spaß an den eigentlich hochklassigen Songs letztlich ziemlich verleidet. Manchmal stinkt Geld eben doch. Die-Hard-Fans können sich die Platte gerne ins Regal stellen, wo sie jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit lange bleiben wird. Wer allerdings sein Geld in gute Musik investieren möchte, der greift bitte zu den Deep-Purple-Originalen von „Burn“, „Stormbringer“ und „Come Taste The Band“.

Bewertung: 4 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: