Review Witchery – In His Infernal Majesty’s Service

  • Label: Century Media
  • Veröffentlicht: 2016
  • Spielart: Thrash Metal

2016 war für den Thrash Metal ein durchaus besonderes Jahr. Es gab neue Alben von zahlreichen Klassiker-Bands wie Metallica, Anthrax, Megadeth, Testament oder Destruction. Dennoch, obgleich diese Platten allesamt von hoher Qualität waren, kann wohl bezweifelt werden, dass irgendeine der genannten Bands es geschafft hat, ein neues Werk zu kreieren, das in ihrer Diskografie besonders große Beachtung finden wird. Nun melden sich kurz vor Ladenschluss plötzlich die Schweden von WITCHERY zu Wort und verkünden, dass auch sie nach sechs Jahren Albumpause und einigen Besetzungswechseln zurückkehren werden.

„In His Infernal Majesty’s Service“ heißt die neue Veröffentlichung und ist ein wahres Biest von einem Album geworden. Schon die absichtlich rohe, leicht verwaschene und dennoch sehr kraftvolle Produktion schafft es problemlos, die zerstörerische Energie der Truppe zu vermitteln und sie auch tatsächlich wie eine richtige Band und nicht wie eine Computersimulation klingen zu lassen, so wie das leider inzwischen auch im Thrash Metal immer öfter der Fall ist. Dem Besetzungswechsel von ex-Marduk-Fronter Legion zu ex-Dark-Funeral-Legende Emperor Magus Caligula folgend darf nun dessen neuester Ersatz Angus Norder das Album mit einem fiesen Growl eröffnen, der sogleich in den Death-Metal-lastigen Opener „Lavey-athan“ übergeht, bevor das Black-‘n‘-Roll-Stück „Zoroast“ treffsicher die mitreißende Wirkung eines „Fuel For Hatred“ von Satyricon nachbuchstabiert. Bereits hier wird deutlich, dass sich WITCHERY auch auf ihrem sechsten Album nicht auf simplen Thrash Metal festnageln lassen. Geniale Blackened-Death-Metal-Bretter wie das unbarmherzig-brachiale „Guilded Fang“, das nicht minder rasante, mit Gastvocals von Jason Netherton und Nicholas Barker versehene „The Burning Of Salem“ oder das mit einem tiefschwarzen Anstrich verzierte „Empty Tombs“ festigen den für Thrash Metal ausgesprochen garstigen Sound der Band. Sie alle machen klar, dass hier nicht um langweilige Veteranen-Verehrung geht, sondern ein frischer, eigener Weg eingeschlagen wird, der Death-, Thrash- und Black-Metal-Fans gleichermaßen begeistern dürfte.

Auch wenn WITCHERY sicher nicht das Riffing revolutionieren, bringen sie auf „In His Infernal Majesty’s Service“ ihre groovenden und schiebenden Ideen zielgerichtet auf den Punkt und setzen vorrangig eher auf Effektivität als auf musikalische Raffinesse und Eingängigkeit. Ein Plan, der einwandfrei aufgeht. Neben den eingangs erwähnten, klassischen Thrash-Veröffentlichungen namhafter Szene-Bands dieses Jahr sind es gerade die aus dem Nichts kommenden Dampfwalzen-Songs von WITCHERY, die kurz vor Ende des Jahres noch mal sämtliche Konkurrenz mit ihrem Terroransatz von hinten überrollen. Dass ihr Sound wesentlich fieser und düsterer wirkt, ist auch den für Thrash Metal äußerst unüblich stark verzerrten Growls von Norder zu verdanken, der den ohnehin schon ständig mit Death Metal liebäugelnden Songs noch mal einen zusätzlichen Schub in diese Richtung versetzt.
Auch ihre neueste Platte ist jedoch nicht gänzlich von Filler-Songs befreit. „In Warm Blood“ etwa dümpelt ein wenig vor sich hin, ebenso klingt ein „Netherworld Emperor“ bei weitem nicht so inspiriert wie beispielsweise ein „Feed The Gun“ oder andere Songs auf dem Album. Angesichts der zahlreichen Arschtrittorgien, die die Truppe hier zelebriert, ist in mit 37 Minuten ohnehin angenehm überschaubarer Spielzeit jedoch mehr als genug geboten, als dass ein paar vereinzelte Durchhänger wirklich stören könnten.

WITCHERY sind also zurück – und mit was für einer Wucht! „In His Infernal Majesty’s Service“ ist ein wunderbares Vorzeigealbum für die Band geworden, das mustergültig demonstriert, wie man aus Thrash Metal die böseste, radikalste und erbarmungsloseste Essenz extrahiert. Perfekt ist zwar auch ihr sechstes Werk nicht geworden, aber kaum ein Album machte dieses Jahr solch großen Spaß wie diese wundervoll dreckige Highlight-Scheibe der fünf Schweden, die zweifellos auf jede anständige Top-Alben-Jahresliste gehört.

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Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von Simon Bodesheim

Ein Kommentar zu “Witchery – In His Infernal Majesty’s Service

  1. Hmhmhmh. Irgendwie schaffts die Band einfach nicht, mich zu begeistern. Die letzten drei Alben hab ich im Schrank, aber hör sie quasi nie, die ersten beiden hab ich eben mal auf Youtube angecheckt, fand ich recht fad, und eigentlich klingt das hier genauso wie irgendwas von alledem: Gut gemacht, aber auf die Dauer (hm, ne, eigentlich schon recht schnell) ziemlich langweilig.

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