CD-Review: Witchery - I Am Legion

Besetzung

Angus Norder - Gesang
Rikard Rimfält - Lead-Gitarre
Jensen - Gitarre
Sharlee D’Angelo - Bass
Chris Barkensjö - Schlagzeug

Tracklist

01. Legion
02. True North
03. Welcome, Night
04. Of Blackened Wing
05. Dry Bones
06. Amun-Ra
07. Seraphic Terror
08. A Faustian Deal
09. An Unexpected Guest
10. Great Northern Plague
11. The Alchemist


Vom Erfolg ihres nach sechs Jahren Pause und zwei Besetzungswechseln Ende 2016 pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum veröffentlichten Comeback-Albums „In His Infernal Majesty’s Service“ angespornt, legten WITCHERY alles daran, ein Versprechen aus der Zeit um die 2000er-Wende herum einzulösen: Ihr eigener Anspruch, zwei Alben pro Jahr zu veröffentlichen, dürfte inzwischen für die Band zwar mehr eine naive Jugendsünde sein. Nichtsdestotrotz legen sie nun immerhin gerade einmal ein Jahr nach besagtem Vorgänger ihr nächstes Werk nach. „I Am Legion“ heißt der siebte Streich der schwedischen Blackened-Thrash-Metal-Formation. Kann ein so kurzer Zeitraum ausreichen, um eine qualitativ ebenbürtige Platte zum phänomenalen Vorgänger zu erschaffen?

Das lässt sich so leicht zunächst nicht beantworten. Obwohl WITCHERY absichtlich mit demselben Line-up erneut ins selbe Studio zum selben Produzenten (Danne Bergstrand) gingen, unterscheidet „I Am Legion“ sich grundlegend von „In His Infernal Majesty’s Service“. War letzteres noch in generell eher hohem Tempo angesiedelt und trotz Black-Metal-Anleihen grundlegen tief im Thrash Metal verwurzelt, kommen auf ihrer neuen, sehr Midtempo-lastigen Veröffentlichung die Black-Metal-Einflüsse deutlich mehr zur Geltung.

Songs wie „A Faustian Deal“ oder „An Unexpected Guest“ erinnern mit ihren fetten, stampfenden Beats und groovenden Riffs an den treibenden Black ’n‘ Roll der letzten paar Satyricon-Platten. Das auf interessante Art und Weise gewöhnungsbedürftige „Dry Bones“ wartet mit recht experimentellen Harmonien in seinen Riffs auf. Nicht minder ungewöhnlich geht das fast vollständig aus einem einzigen, langen Spannungsaufbau bestehende und sich erst kurz vor Schluss massiv entladende „Welcome, Night“ vor. Der Opener „True North“ schielt mit seinem Triolen-Rhythmus und seinen Chören dagegen sehr Richtung klassischer Viking Metal.

Den schnellen, fetzigen Thrash Metal haben WITCHERY auf „I Am Legion“ allerdings merklich zurückgefahren. Einzig das brachial-düstere „Amun-Ra“, das alles niederwalzende „Seraphic Terror“ und das abschließende, eingängige „The Alchemist“ dürfte Fans des letzten Albums das bieten, was sie eigentlich erwartet hätten.
Der musikalische Neuanstrich steht dem neuen Werk der Band sehr gut und kommt zur richtigen Zeit. Wäre ein weiteres Album im Stile von „In His Infernal Majesty’s Service“ zwangsläufig zum Vergleichsobjekt geworden, können die Norweger nun eine nächste Entwicklungsstufe im Sound der Band vorweisen.

Zwar sind WITCHERY in ihrem neuen, temporeduzierten, pechschwarzen Stil vielleicht noch nicht ganz so standsicher wie in ihrer lang erprobten Thrash-Heimat – für „I Am Legion“ macht das aber überhaupt nichts aus. Erneut beweist die Truppe, dass sie mit ihren kreativen, fiesen Riffs zur Oberklasse gehören, die sogar innerhalb eines Jahres ein wahnsinnig starkes Album komponieren, aufnehmen und veröffentlichen kann. Das ist äußerst beeindruckend und macht tatsächlich Lust darauf, dass die Black-/Thrash-Formation auch in Zukunft ihr altes Versprechen weiterhin einlösen.

Bewertung: 8 / 10

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