In den frühen 2010er-Jahren erlebte der Occult Rock eine neue Blüte. THE DEVIL’S BLOOD, GHOST und – zumindest stilistisch – auch WITCHCRAFT, brachten den rauen wie leidenschaftlichen Spirit der Siebziger zurück in die Boxen der heimischen Stereoanlagen. Ja, so was gab’s damals noch. Eine weitere Formation der kauzigen Teufelsanbetung sind YEAR OF THE GOAT.
Deren erste EP „Lucem Ferre“ erschien zur denkbar richtigen Zeit. Mit ihren schmissigen und dezent melancholischen Songs standen sie den genannten Größen in nichts nach – im Gegenteil. „Angel’s Necropolis“, das Debüt der Schweden, wurde sehr positiv aufgenommen, und so konnten YEAR OF THE GOAT mit jedem Folgerelease erneut von sich reden machen.
Nach dem Erfolgsalbum „Novis Orbis Terrarum Ordinis“ von 2019 melden sich YEAR OF THE GOAT nun mit ihrem vierten Langspieler „Trivia Goddess“ zurück. Das eröffnende „The Power Of Eve“ startet unglaublich stark. Ein düsteres, retrospektives Keyboard leitet einen Titel ein, der mit treibenden Gitarren, brillanten Lead-Harmonien und einem eingängigen Refrain sofort beeindruckt. Die wunderschönen Chöre unterstützen Thomas Erikssons Gitarrenspiel nebst Gesang auf so dezente wie opulente Weise, sodass der Opener die Gravitas eines hymnischen Rausschmeißers erhält, ohne dabei die Souveränität eines gelungenen Albumeinstiegs zu verlieren.
„Trivia Goddess“ lässt das Niveau nicht absinken. Noch nie wurde Hekate so unterhaltsam beschworen wie hier. Galoppierende Drums treiben groovendes Riffing an, begleitet von stimmigen Soli, die nichts von ihrer Dynamik einbüßen. Die Energie des Songs knüpft nahtlos an den Vorgänger an, während die düstere Aura von „Kiss Of A Serpent“ jede Menge Charme vergangener Zeiten auf den musikalischen Altar zurückholt – inklusive zitternder Keyboardmelodien und einem Gitarrensolo zum Niederknien.
Es ist bewundernswert, mit welcher Kraft YEAR OF THE GOAT durch ihr neues Album gehen. Von anfänglicher Melancholie über unverschämt tighten Groove wie auf „Mét Agwe“, die doomige Schwere von „The King Of Damnation“ bis zu epischen, mehrstimmigen Gitarrenläufen in „Alucarda“ – 2025 stehen YEAR OF THE GOAT vor allem für Authentizität und Leidenschaft. Wuchtige Doom-Arrangements schließen dabei beinahe tanzbare Rhythmen keineswegs aus. „Trivia Goddess“ vereint diese Gegensätze mit gelassener Selbstverständlichkeit.
Wenn das Album schließlich mit „The Witch Of The Woods“ seinem Ende entgegengeht, ist das so schön wie traurig. Denn einerseits bietet dieser Schlusstitel alles, was YEAR OF THE GOAT seit jeher ausmacht: hochmelodiöse Gitarren, variables Drumming und Sabbathis markante Stimme, während ein sanfter Streicherteppich die Hörer so tragisch wie passend aus dem Album entlässt. Vor dem Hintergrund, dass YEAR OF THE GOAT ihr neues Werk den 280 Frauen gewidmet haben, die in Schweden wegen Hexerei ermordet wurden, bleibt festzuhalten: Noch nie wurde der Toten – und vor allem der Weiblichkeit – schöner gedacht.
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Wertung: 9.5 / 10


