Die „Alben des Jahres“ von Metal1.info im Rückblick

20 Jahre Metal1 - Slider ADJ Rückblick 2009-2021Nicht ganz seit unserer Gründung 2002, aber immerhin schon seit 2009 kührt die Redaktion von METAL1.info Monat für Monat ein „Album des Monats“ – und aus den zwölf Gewinnern am Ende des Jahres das „Album des Jahres“. Unser Jubiläum wollen wir zum Anlass nehmen, die Gewinneralben Revue passieren zu lassen. Über die Grafik gelangt ihr zum jeweiligen Review – dazu gibt es eine Einschätzung des Albums aus heutiger Sicht von unserer Redaktion.

Sólstafir – Köld

„Aus heutiger Sicht mag ‚Köld‘ mit seiner gelungen als Lässigkeit getarnten Schludrigkeit vielleicht kein spektakuläres Album sein. Doch es hat nicht nur für SÓLSTAFIR die Tür weit aufgestoßen, sondern maßgeblich dazu beigetragen, Psychedelic Rock im Metal (wieder) salonfähig zu machen.“ – Moritz Grütz

„‚Köld‘ ist beileibe kein perfektes Album. Es ist ausschweifend, nicht besonders fokussiert und alles andere als elegant eingespielt. Dennoch war es für SÓLSTAFIR zweifellos ein wichtiger Schritt auf ihrem Weg von einer unscheinbaren Viking-Metal-Gruppe hin zu der unverwechselbaren Post-Metal-Band, die sie heute sind. Ich schätze die Platte für das, was sie ist, und verliere mich gerne hin und wieder in ihrer schwermütigen Atmosphäre.“ – Stephan Rajchl

Blind Guardian – At The Edge Of Time

„Mit diesem Album haben sich BLIND GUARDIAN Guardian im Streben nach Perfektion selbst übertroffen und ein durchkomponiertes Opus erschaffen, dessen Opener alleine schon durch seine Filigranität bis heute seines gleichen sucht.“ – Andi Brückner

„Ein progressives Power-Metal-Album nahe der Perfektion. BLIND GUARDIAN spielen in ihrer eigenen Liga und bestichen dabei durch so unglaubliche viele Details, Bombast und Abwechslung. Mehr geht nicht, ‚At The Edge Of Time‘ ist ein Meisterwerk und hat über all die Jahre nichts von seiner Faszination eingebüßt.“ – Stefan Popp

Insomnium – One For Sorrow

„Das ‚Cheese-O-Meter‘ schlägt bei ‚One For Sorrow‘ (wie schon beim Vorgänger) zwar weit aus – auf der anderen Seite haben INSOMNIUM bis heute kein so in sich stimmiges Album mehr geschrieben. ‚One For Sorrow‘ funktionert – bis heute!“ – Moritz Grütz

„INSOMNIUM habe ich seit dem Debütalbum verfolgt, seitdem haben sie sich mit jeder Veröffentlichung weiter gesteigert. ‚One For Sorrow‘ ist mit all seinen Emotionen, seiner Atmosphäre und den durchweg starken, hochmelodischen Songs vielleicht bis heute das beste und vollständigste Album der Band.“ – Stefan Popp

„Leider viel zu spät von mir entdeckt, ist ‚One For Sorrow‘ ein beeindruckend vielschichtiges Album, das für mich alle Stärken des Melodic Death Metal ausspielt und in dem viel Herzblut steckt.“ – Andi Brückner

Alcest – Les Voyages De L’âme

„Wenngleich mir der Vorgänger ‚Écailles De Lune‘ (2010) bis heute eine Nuance besser gefällt, haben ALCEST doch auch mit ‚Les Voyages De L’âme‘ beeindruckend selbstsicher gezeigt, wie viel Liebe und Zärtlichkeit in Musik stecken kann, die aus Black Metal hervorgegangen ist.“ – Moritz Grütz

„‚Écailles De Lune‘ mag in den Augen vieler Fans unübertroffen bleiben, auf ‚Les Voyages De L’âme‘ haben ALCEST ihren einzigartigen Sound jedoch perfektioniert. In kaum einem ihrer Songs lässt es sich so schön schwelgen wie im Titeltrack, nie hörte man von der Band davor oder danach ein so triumphales Riff wie das in „Faiseurs De Mondes“ und mit „Autre Temps“ haben ALCEST ihren größten Hit kreiert.“ – Stephan Rajchl

„ALCEST und ich werden aus unerfindlichen Gründen keine Freunde: Musikalisch und in Sachen Songwriting (objektiv betrachtet) über jeden Zweifel erhaben, berührt mich beim Hören jeglicher ALCEST-Alben (subjektiv betrachtet) überhaupt nichts. Und das, obwohl alle Zutaten, die ich an atmosphärischer, härterer Musik mag, in hoher Qualität vorhanden sind. Ironie des Schicksals, dass ich dafür viele andere Projekte (Amesoeurs, Lantlôs), in die Neige involviert war, wirklich schätze.“ – Stephan Gossen

Ihsahn – Das Seelenbrechen

„Irgendwo zwischen ‚Arktis.‘ und ‚Telemark‘ hat mich IHSAHN leider verloren – ‚Das Seelenbrechen‘ hingegen erachte ich auch heute noch als eines der vollendetsten Prog-/Avantgarde-(Black-)Metal-Alben überhaupt. Visionäre Musik, technisch brillant und dabei catchy as f**k.“ – Moritz Grütz

„IHSAHN spielt Metal für Denker:innen – technisch komplex und genial, wenn auch emotional ein wenig unterkühlt. Auf ‚Das Seelenbrechen‘ hat der ehemalige Emperor-Kopf den Gipfel seiner berechnenden Kreativität erklommen. Was IHSAHN an diesem penetrant kitschigen Keyboardsound findet, wird sich mir aber wohl nie erschließen.“ – Stephan Rajchl

Sólstafir – Ótta

„Fünf Jahre nach ‚Köld‘ waren SÓLSTAFIR soweit: ‚Ótta‘ ist jenes ‚komplette‘ Album, das man den Isländern nach ihrem Durchbruch schnell zugetraut hat. Wenn ich jemandem SÓLSTAFIR zeige, dann nach wie vor mit diesem Album.“ – Moritz Grütz

„Es gibt kein Album von SÓLSTAFIR, das den Titel ‚Album des Jahres‘ mehr verdient hat als ‚Ótta‘. Der Vorgänger ‚Svartir Sandar‘ mag der Band als erster Release über Season Of Mist zum Durchbruch verholfen und mit ‚Fjara‘ ihren größten Hit hervorgebracht haben. Auf ‚Ótta‘ haben die Isländer ihren einzigartigen Post-Metal-Stil jedoch zur Vollendung gebracht und ihn zugleich mit einer wundervollen Streicherbegleitung weiterentwickelt.“ – Stephan Rajchl

Amorphis – Under The Red Cloud

„Die Rückkehr in etwas härtere Gefilde, kombiniert mit der subtilen Pagan-Note in Form der Flöten war lange überfällige ‚große Schritt‘ dieser immer guten, aber doch auch oft sehr ähnlich klingenden Band. Aus meiner Sicht das vielleicht kompletteste AMORPHIS-Album überhaupt.“ – Moritz Grütz

„AMORPHIS sind in ihrem Sound absolut einzigartig – entsprechend schwer fällt es mir, ein aus der Diskografie herausragendes Album zu benennen. ‚Under The Red Cloud‘ ist aber natürlich eine großartige, abwechslungsreiche Platte, die von vorne bis hinten stimmig und überzeugend ist.“ – Stefan Popp

“Under The Red Cloud“ ist ein so kraftvolles und in allen Facetten abwechslungsreiches Album, dass es mich seinerzeit zurück zu AMORPHIS gebracht hat und bis heute immer mal wieder bei mir läuft.“ – Andi Brückner

Rotting Christ – Rituals

„Dass sich eine Band nach fast 30 Jahren nochmal komplett neu erfindet – und das auch noch erfolgreich – ist allein schon bemerkenswert genug. Nach „Kata Ton Daimona Eautou“ haben ROTTING CHRIST diesen neuen Stil mit „Rituals“ perfektioniert. Für mich bis heute ihr stärkstes Werk und ein absolutes Gänsehautalbum.“ – Moritz Grütz

„Nach 30 Jahren Bandbestehens und dem bärenstarlken Vorgänger ‚Kata Ton Daimona Eautou‘ nicht einfach so weiterzumachen, sonden sich weiterzuentwickeln verlangt einem allein  schon Respekt ab. Die Art und Weise, wie ROTTING CHRIST mit ‚Rituals‘ diese Weiterenticklung gelungen ist, ist schlicht atemberaubend und macht die Platte zu einer der besten der Bandgeschichte.“ – Christoph Emmrich

Heaven In Her Arms – White Halo

„Ich verfolge die japanische Post-Hardcore-Szene über Envy hinaus nicht aktiv, aber als Fan ebendieser Band hat mich ‚White Halo‘ damals direkt begeistert. Leider ist das Album bei mir dann schnell auf nimmerwiedersehen im Regal verschwunden – warum eigentlich?“ – Moritz Grütz

„HEAVEN IN HER ARMS mögen sich bislang nicht in dem gleichen Maß wie Mono oder Envy etabliert haben – die Japaner verstehen sich jedoch ebenso gut darauf, filigranen, trostspendenden Post-Rock mit überwältigenden Klanggewaltausbrüchen zu kontrastieren. ‚White Halo‘ ist ein Album für die Momente im Leben, in denen man seinen ganzen Frust aus sich herausschreien möchte – um danach wieder Hoffnung schöpfen zu können.“ – Stephan Rajchl

„’White Halo‘ hat mich damals kalt erwischt und beim ersten Hören dermaßen begeistert und emotional berührt, dass ich mich noch heute an die Gänsehaut erinnern kann. Mit all seiner Wucht, Aggressivität, Sanftheit und schwermütiger Melancholie erzeugen HEAVEN IN HER ARMS eine ganz besondere Atmosphäre und geht bei jedem Hören ganz tief unter die Haut.“ – Stefan Popp

The Ocean Collective – Phanerozoic I: Palaeozoic

„Die Wucht, die Melodik, die musikalische Finesse, das Layout – alles an diesem Album hat mich als damaligen THE-OCEAN-Ignoranten so begeistert, dass bald alle Alben im Schrank standen.“ – Moritz Grütz

„Die Beziehung zwischen THE OCEAN und mir war immer schwierig. „Precambrian“ fand ich richtig gut, jedoch fand ich danach nie mehr richtig Zugang zur doch recht schweren, anstrengenden Musik. Zweifellos sind das herausragende Komponisten und Instrumentalisten, die großartige Musik machen – nur leider nicht für mich.“ – Stefan Popp

„Über dieses Album war so viel zu lesen – gefühlt war es in aller Munde und Ohren – und ich wollte es wirklich mögen. Leider hat es sich mir, genau wie später sein Nachfolger, nie wirklich erschlossen.“ – Andi Brückner

„Ich verfolge THE OCEAN seit ihrem 2004er Output „Fluxion“ und kann der Band nur eine konsequente und beeindruckende Entwicklung bescheinigen. Nach „Precambrian“ habe ich ein wenig die räudige Hardcore-Attitüde vermisst, die ihre Platten davor ausgezeichnet hat – und habe mich dann mit der Veröffentlichung vom ersten Teil des aktuellen Albumzyklus extrem gefreut, einige der alten Trademarks wieder auf die Ohren zu bekommen.“ – Stephan Gossen

Downfall Of Gaia – Ethic Of Radical Finitude

„Auf ‚Ethic Of Radical Finitude‘ haben DOWNFALL OF GAIA ihr bis dahin stets sehr ausladendes Songwriting ein wenig gestrafft und darin doch zahlreiche spannende Details untergebracht. Das Resultat ist auch aus heutiger Sicht noch eines der überwältigendsten Post-Black-Metal-Alben der letzten Jahre.“ – Stephan Rajchl

The Ocean Collective – Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic

„Der Schritt zurück zu mehr Härte und weg vom Klargesang mag viele Fans der ersten Stunde begeistert haben – mir persönlich fehlt es dem Album an ebenjenen Kontrasten, die den Vorgänger so stark machen“ – Moritz Grütz

„Für mich ist „Phanerozoic II“ das vorläufige Highlight in der sowieso schon beeindruckenden Diskografie von THE OCEAN. Quasi alles, was die Band in beinahe zwei Jahrzehnten ausgezeichnet hat, findet sich hier in perfekter Form wieder, egal ob beinahe poppige Prog-Strukturen oder drückende Sludge-Riff-Monster. Die Platte könnte es in meine Top-10-Ever-Liste schaffen.“ – Stephan Gossen

Gojira – Fortitude

„Wenn ich ehrlich bin, habe ich den Hype um GOJIRA nie ganz verstanden. Wenngleich ich vor ihren musikalischen Fertigkeiten großen Respekt habe, finde ich nicht, dass dieses Album den Metal neu definiert, wie es vielerorts zu lesen war.“ – Moritz Grütz

„GOJIRA zeigen auf ‚Fortitude‘, dass sich eine spielfreudige Band überhaupt nicht auf ein Genre reduzieren muss. Die in erster Linie wohltätige Amazonas-Spendenaktion führte nicht zuletzt auch dazu, dass ‚Fortitude‘ nicht nur ein sehr gutes, sondern im Jahr 2021 auch eines der am stärksten beachteten Alben war.“ – Andreas Althoff

„Dass GOJIRA die große Band der Stunde, die Retter des Heavy Metal oder die bedeutendste Metal-Band unserer Zeit sein sollen, hat sich mir bislang nicht erschlossen. Auch „Fortitude“ ist wieder ein objektiv gesehen starkes Album, das mich aber weder musikalisch abholt noch besonders berührt.“ – Stefan Popp

„Man kann den musikalischen Weg, den GOJIRA auf ‚Fortitude‘ beschritten haben, mögen oder nicht. Allein schon dass die Franzosen ihre Plattform breitenwirksam genutzt haben, um die indigenen Bevölkerung Brasiliens im Kampf gegen die Ausschlachtung des Amazonas zu unterstützen, macht es jedoch zum vielleicht wichtigsten Metal-Album des Jahres 2021. Außerdem hat ‚Amazonia‘ einen fetten Groove!“ – Stephan Rajchl

„Ich finde „Fortitude“ keinesfalls schlecht, muss aber zugeben, dass sich der anfängliche positive Eindruck aufgrund der Eingängigkeit der kompakten Songs schnell verflüchtigt hat. Die inhaltliche Message der Band und die musikalischen Fertigkeiten der Musiker sind sicher großartig, trotzdem blieben die Alben davor inklusive „Magma“ wesentlich mehr im Ohr hängen, während „Fortitude“ keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen hat.“ – Stephan Gossen

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