Mittelalter-Special

Mittelalterliche Musik – ein Begriff, der an sich dem gar nicht gerecht wird, worum es hier geht. Natürlich gibt es auch heutzutage noch viele Anhänger des Mittelalters, die in Rollenspielen, auf Märkten und bei anderen Anlässen versuchen, diese längst vergangene Zeit wieder aufleben zu lassen. Doch sind diese Mittelaltermärkte mit ihren traditionellen Bands nur ein Bestandteil und damit eins von vielen Gesichtern einer „Szene“, die bei genauerer Betrachtung sowieso nur auf dem Papier als eine Einheit existiert. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Charaktere, die individuellen Hintergründe und die zugrunde liegende Motivation, die die Bands, die alle zum Mittelalterrock oder zu Mittelaltermusik gezählt werden, angeblich verbindet. Zu schnell werden viel zu viele Gruppen wie Gemüse wahllos in eine riesige Salatschüssel geworfen und zusammengefasst, obwohl ein Salat bestehend aus diesen grundverschiedenen Zutaten niemandem schmecken dürfte. Denn ebenso wie das Mittelalter in Zentraleuropa und vielen anderen Ländern komplett anders definiert und mit anderen Ereignissen verbunden wird, so ist auch diese Musik Interpretationssache.

Wie in jeder anderen Musikrichtung auch, so gibt es im Mittelalterbereich im erweiterten Sinne auf der einen Seite Traditionalisten und auf der anderen fortschrittliche Denker, die traditionelle Elemente mit Einflüssen aus diversen anderen Bereichen wie z.B. Metal, Rock, Gothic, Techno und teilweise sogar Hip Hop bereichern. Nicht immer und überall drehen sich die Texte um eher dröge geschichtliche Ereignisse, sondern behandeln viel mehr zeitgemäße Themen und Probleme. Diese werden allerdings nicht in nüchtern und sachlich aufbereitet, sondern mit Elementen aus dem Fantasybereich oder auch aus Märchen kombiniert und als Geschichten erzählt.

Der Freiheit sind keine Grenzen gesetzt und so entdeckt man z.B. allein am Palästinalied eine ungeheure Vielfalt an Interpretationen von den unterschiedlichsten Bands, die diese Vorgabe nach ihrem besten Wissen und Gewissen interpretiert und ausgearbeitet haben. Im Volksmund würde man dies heutzutage „Covern“ nennen, doch zählt hier bei den meisten eher die persönliche Entfaltung als der finanzielle Reichtum. Schließlich war das Palästinalied noch nie auf Platz 1 der Charts.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind es, die in diesem Spezial besonders zum Tragen kommen sollen – allerdings nicht durch Berichterstattung von außen, sondern dadurch, dass die Künstler selbst zu Wort kommen und ihre Musik beschreiben, so dass jeder Interessierte seine Nische finden kann, die er vielleicht bis dato gar nicht kannte. Von den etablierten Größen der Szene bis hin zu den aufstrebenden Newcomern und den manchmal rein instrumentalen markterfahrenen Mittelalterkapellen wird sich jeder zu Wort melden und sich dabei größtenteils den gleichen Fragen stellen. Am Ende kann sich auf dieser Basis jeder seine eigene Meinung bilden, was in seine Vorstellung von guter Musik passt. Warum und wieso die großen Musiksender diese Masse der Musikanten immer noch verschmäht, ist nur eine Frage von vielen, die auf die ein oder andere Antwort treffen wird. Allerdings sollen in erster Linie die Musik und die Menschen dahinter im Vordergrund stehen. Welche Absichten verfolgen sie und wo liegen ihre ganz besonderen Eigenheiten? Wie schaffen sie alle ihren ganz persönlichen Widererkennungswert?

Musik in Worte zu fassen zählt zu den größten Herausforderungen, denen man sich stellen kann, besonders wenn man sie keiner Schublade zuordnen kann, sondern es sich um etwas komplett Eigenständiges und Lebendiges handelt.

Hier an dieser Stelle geht es darum mit Vorurteilen aufzuräumen und Dudelsäcke, Flöten, Geigen und Schalmeien jedermann zugänglich zu machen – selbst wenn sie neben E-Gitarren, Bässen und Schlagzeug „nur“ eine mehr oder minder große Rolle spielen. Nicht alles, was auf den ersten Blick gleich erscheint, ist es auch. Manchmal lohnt sicht ein genaueres Hinsehen bzw. Hinhören – wie so oft im Leben.

Interviews:

01 – Dunkelschön
02 – Capella Antiqua Bambergensis
03 – Letzte Instanz
04 – Saltatio Mortis
05 – The Sandsacks
06 – Wolkenstayn
07 – Nimmersêlich
08 – Galahad
09 – Neun Welten
10 – Qntal
11 – Schelmish
12 – Varius Coloribus Experience
13 – Spectaculatius
14 – Van Langen
15 – Potentia Animi
16 – Triskilian
17 – Veitstanz
18 – Minotaurus
19 – Nachtwindheim
20 – Liederlicher Unfug
21 – Cumulo Nimbus
22 – Die Streuner
23 – Wolfenmond
24 – Thetis
25 – Tanzwut
26 – Filia Irata
27 – Elster Silberflug
28 – Estampie
29 – Corvus Corax
30 – Wargsang
31 – Adas
32 –
Schandmaul
33- Feuerschwanz

CD-Reviews aus dem Mittelalter- / Folk Bereich…


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