Interview mit Andi, Delia, Geka, Jessy und Stefanía von Adas


Die fünf Musikerinnen von ADAS erzählen mit Geige, irischer Harfe, Lauten, Percussion, Flöten und mehrstimmigem Gesang auf ihre lyrische Weise Märchen und Legenden aus alter Zeit. Elfengleich betören sie alle Sinne und ziehen die Seelen für immer in ihren Bann. Besonders für Männer ein echter Hingucker und Hinhörer!

Beschreibt kurz euren musikalischen Werdegang: In welchen Bereichen liegen die Wurzeln der einzelnen Bandmitglieder?
Stefanía : Geka und ich machen schon Musik seit wir ganz klein waren. Über musikalische Früherziehung und Holzflöten kamen wir zum Klavierunterricht. Mit 14 bekamen wir unsere ersten spanischen Gitarren und nehmen seitdem Unterricht. Wir sind ja als Halbspanierinnen zweisprachig aufgewachsen und haben zu Hause sehr viel spanische Musik gehört. Wir lieben Flamenco und darin spielen Gitarren bekanntlich eine sehr große Rolle.
Nach einem ‚Schlüsselerlebnis‘ in einem Pub kam in der Schulzeit dann die Liebe zur keltischen Musik, v.a. Irish Folk auf. Es folgten Jahre voller Jamsessions mit Delia, die aus der klassischen Gitarrenausbildung kam, Besuche bei Mittelaltermärkten, Gesangsunterricht und immer mehr Instrumente bis wir drei im Jahr 2000 beschlossen, dass es an der Zeit wäre, ein paar von unseren liebsten Eigenkompositionen, irischen und spanischen Folksongs und 60er Songs in Konzertform zum Besten zu geben. Durch unser Percussion-Ensemble kam Andi als ebenfalls langjährige Flötistin und Trommlerin dazu. Dann musste – ganz klar – ein Name her. Den müssen uns die Elfen eingeflüstert haben, denn „Adas“ (spanisch ‚hadas‘ mit stummem h) bedeutet „Feen“ oder „Elfen“ und beschreibt heute nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Musik und die Texte. Jessy kam dann 2004 dazu. Und damit waren ADAS geboren so wie ihr uns jetzt kennt.
Jessy : Ich habe mit 6 Jahren angefangen, Geige zu spielen, danach die übliche klassische Ausbildung, musisches Gymnasium, habe auch ein bisschen Bratsche und Kontrabass gelernt. Zu Adas kam ich erst 2004, da hatten die anderen ja schon einige Jahre Vorlauf.

Wie würdet Ihr „Neulingen“ mittelalterliche Musik erklären?
Geka : Eigentlich ist mittelalterliche überlieferte Musik vor allem Kirchenmusik (Gregorianik). Sie baut auf Bordunen auf, verwendet mehr Kirchentonarten, als wir es heute tun, und entwickelt erste Mehrstimmigkeiten in Quinten.
Delia : Was heute als mittelalterliche Musik bezeichnet wird, umfasst ein enorm großes Spektrum an Musik und Stilrichtungen. Dabei erfindet eigentlich jede Band ihre eigene Mittelaltermusik, mit der sie versucht, das, was so an dieser Epoche fasziniert, mit der heutigen Welt in Einklang zu bringen. Wir legen dabei einen sehr großen Wert auf die Geschichten und Legenden, die wir mit unserer Musik erzählen.
Stefanía : Ich würde ihnen klarmachen, dass sie gar keine „Neulinge“ sind. Jeder kennt diese Art von Musik aus Filmen, z.B. der wunderschöne Soundtrack zum Film ‚Braveheart‘ oder ‚Troja‘, ja sogar ‚Titanic‘ und ‚Herr der Ringe‘ benutzen mittelalterliche und ‚keltische‘ Einflüsse in der Filmmusik. Mittelaltermusik oder die ihr nachempfundenen Interpretationen sind so gesehen ziemlich „en vouge“.

Wie kann man ihnen diese Art von Musik zugänglich machen außer durch moderne Einflüsse?
Andi : Hm…vielleicht Wurfzettel! (lacht)
Geka : Durch sich selbst und durch witzige, spannende oder rührende Ansagen, die noch mehr von der Einzigartigkeit des Textes oder des Liedes im Ganzen erahnen lassen. Und durch eine stimmige, zur Musik passende Bühnenshow, die es zusammen mit den Liedern schafft, jedes Konzert zu einem unvergesslichen Ereignis für Band und Publikum werden zu lassen.

Wo liegen die Unterschiede von Euch zu anderen Mittelalterbands und was sorgt für Widererkennungswert bei eurer Musik?
Stefanía : Wir sind ausschließlich Frauen in der Band und das macht sich in unseren Liedern und der Instrumentierung der Band durchaus bemerkbar. Außerdem sind wir durch Gekas und meine Herkunft zur Hälfte spanisch geprägt und innerhalb dessen nicht wie andere deutsche Bands auf die Cantigas und sephardische Musik konzentriert, sondern bemühen uns, dem in der Flamencotradition sehr verbreiteten Konzept der Fusión (die harmonische Vereinigung mit anderen Musikstilen) gerecht zu werden. Wir vereinen also unsere Welten beim Songwriting: den arabisch beeinflussten südlichen Flamenco mit dem keltischen Norden Spaniens, nämlich der Musik Galiziens, und die nordische Bordun-Musik, also den deutschen Mittelaltersound und Elemente aus dem Irish Folk, zu einem harmonischen Ganzen.
Andi : Unser ganz eigener Charme und unsere große Vielseitigkeit.

Wodurch wird eure Musik am meisten beeinflusst (Vorbilder, Stilrichtungen, Kulturen, Religionen, usw.)?
Delia : Durch unsere zwei Halbspanierinnen haben wir natürlich die besten Vorraussetzungen für Verbindungen nach Spanien, was unsere Musik vor allem in Richtung Galizien, mit seinen keltischen Elementen, dem stark arabisch geprägten Andalusien und natürlich Flamenco geprägt hat. Außerdem faszinieren mich als Archäologin die alten europäischen Kulturen. Daneben spielt auch Irland eine große Rolle. Uns begeistern diese Länder durch ihre Musik und ihre Geschichte und in unseren Liedern versuchen wir etwas von diesem Gefühl zu vermitteln. Wir versuchen auch, möglichst akustisch zu bleiben. Natürlich ist es bei einigen Veranstaltungen notwendig zu verstärken, um auch alle Leute zu erreichen, aber E-Gitarren oder Schlagzeug wirst du bei uns nicht finden.
Stefanía : Stimmt, der Kulturenmix ist eine große Quelle der Inspiration. Aber auch das Studium. Darin konzentriere ich mich vor allem auf deutsche und englische Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Musik ist so etwas wie ein künstlerisches Ventil in der Auseinandersetzung mit Shakespeares Werken oder mittelhochdeutschen Heldensagen. Ich möchte mit meiner Musik auf anderer Ebene diese Geschichten erzählen.

Wie erklärt ihr euch die wachsende Akzeptanz eurer Musik in Deutschland auf der einen Seite und die ablehnende Haltung der Radiostationen, TV Sender, etc. auf der anderen?
Geka : Ich finde es schade, dass sich die üblichen Radiostationen und Musikfernsehsender auf Pop, Rock und Hiphop beschränken. Erklärlich ist es ja, sie bedienen damit eben eine bestimmte Zielgruppe. Allerdings: Es ist ja nicht so, dass wir nicht unsere eigenen Medien in der Szene hätten: Allein wenn ich daran denke, wie viele Musikzeitschriften Mittelalterspecials einbauen, wie viele reine Mittelalterzeitschriften Gekauft werden, wie viele Foren und Internetplattformen (wie diese) es zu diesem Thema gibt, und nicht zu vergessen Internetradiosender wie Radio AENA, etc., hält sich mein „Medienmangelmitleid“ für unsere Szene noch ziemlich in Grenzen. Nicht alles, was gut ist, muss direkt an der Oberfläche ablaufen.

Wie kann man allgemein und wie könnt ihr selbst Vorurteile wie z.B. Eintönigkeit und mangelnde Abwechslung gegenüber mittelalterlicher Musik widerlegen?
Delia : Mittelaltermusik ist, glaub ich, die letzte Musikrichtung, der man Eintönigkeit vorwerfen könnte. Es geht von Bands mit wissenschaftlichem Anspruch, die auf Nachbauten historisch überlieferter Musikinstrumente spielen, bis zu Mischungen mit E-Gitarren und Schlagzeug auf der Bühne, die sich alle unter dem Überbegriff Mittelalter vereinen. Gerade diese Vielfältigkeit ist eigentlich ein Kennzeichen der mittelalterlichen Musik.
Geka : Wir selbst sind kaum abhängig von immer den gleichen tonartgebundenen Instrumenten, variieren da also wie es uns gefällt. Während eines einzigen Konzerts wechseln wir so oft die Instrumente, dass sich bei uns auf der Bühne eben nicht jedes Lied gleich anhören kann. Außerdem haben wir mehrere Songschreiber in der Band, was natürlich jedes Lied individuell prägt. Wir singen in vielen verschiedenen Sprachen (Spanisch, Galizisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Deutsch, Latein, Englisch, Mittelenglisch, Altnordisch und Gälisch) und wir verstehen, was wir da singen!

Welche Zielgruppen sind eurer Meinung nach besonders geeignet für Drehleiern, Dudelsäcke, Geigen, Flöten, usw.?
Jessy : Das ist das schöne an der Mittelaltermusik, dass sich die Zielgruppe nicht auf eine Altersklasse beschränken lässt. Bei der Popmusik ist es ja meistens so, dass sich jeder für die Musik interessiert, mit der er großgeworden ist, oder die in seiner Jugend entstanden ist, mit der er einfach gewisse Erlebnisse verbinden kann. Ein 60-Jähriger wird sich schwer für Techno begeistern lassen können, einfach weil er damit nichts verbindet, weil er diese Musik nie kennengelernt hat. Unsere Musik basiert ja auf verschiedenen Folk-Einflüssen und die sind zeitlos, sie waren auch schon immer da. Deswegen besteht unser Publikum auch oft aus drei Generationen, bei welcher Art von Pop-Musik kommt das schon mal vor? Besonders bezaubernd sind aber natürlich immer die ganz Kleinen, im Übrigen auch die fleißigsten Tänzer und zu-CD-Käufen-Überreder. :)

Welches sind die größten Irrtümer, die man leichtfertig in Verbindung mit Mittelaltermusik bringt?
Jessy : Dass alle Herr der Ringe gesehen haben. Ich nicht, tut mir leid. Aber ich hab’s probiert!
Delia : Das Mittelalter war nicht dunkel und die Musik dieser Zeit erst recht nicht UND Wikinger hatten keine Hörner.
Andi : Es gäbe nur Dudelsäcke und Trommeln und Verrückte auf einem Haufen.

Eure Meinung zu Mittelaltermärkten und Konzerten dort?
Jessy : Immer wieder eine sehr angenehme Atmosphäre und nette Menschen. Macht einfach Spaß.
Andi : Wundervolle Erlebnisse, aufregende Fahrten, versteckte Gegenden, außergewöhnliche Menschen.
Delia : Die meisten Mittelaltermärkte schaffen eine wunderbare Romantik. Man lernt auf jedem Markt neue, sehr nette Menschen (Besucher, Fans, die Veranstalter und natürlich Kollegen!) kennen, oder trifft alte Bekannte. Es ist immer wieder sehr schön auf Märkte zu fahren, auch wenn es natürlich um einiges anstrengender ist ein ganzes Wochenende lang mehrmals am Tag zu spielen als ein einzelnes Konzert in einer Halle zu geben, aber es lohnt sich immer wieder.

Ihr veröffentlicht, nach eurer EP „Cuentos de Adas“ in 2005, demnächst euer erstes Album. Eure Einflüsse scheinen mehr im spanischen Raum zu liegen, während andere Bands eher nordisch orientiert sind. Worin liegen die Unterschiede zwischen diesen beiden Kulturkreisen beim Liedgut und schließlich auch beim Endergebnis?
Delia : Die Unterschiede könnten eigentlich größer nicht sein, wobei jede Kultur ihren Reiz hat. Deshalb verbinden wir beide Einflüsse in unserer Musik. Die nordischen Sagas und auch die umfangreichen spanischen Legenden bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, diese Geschichten zu erzählen und akustisch wiederzugeben.
Geka : Unser Spektrum umfasst eigene Kompositionen und Vertonungen von galizischen Gedichten und nordischen Sagen in phrygischen und dorischen Tonarten, mit Einflüssen aus dem Flamenco, dem irischen Folk und historischen Überlieferungen.

Ist mittelalterliche Musik zu sehr eine Männerdomäne oder seht ihr das völlig ohne Zusammenhang? Es gibt ja eher wenige rein weibliche Kapellen.
Jessy : Ich sehe es gar nicht so, dass die Männer die Szene dominieren. Auch Schandmaul, Poeta Magica oder Faun zum Beispiel haben weibliche Mitglieder /Sängerinnen. Sicher gibt es einige rein männliche Bands, die gerne mit derben Worten das raue Mittelalterleben beschreiben, von Wein, Weib und Gesang erzählen. Bei uns würde es wohl eher seltsam wirken, wenn wir nun mit mittelalterlichen Trinkliedern auftreten würden. Wir versuchen ja eher die mystische und mythische Seite des Mittelalters einzufangen und die hat auch eher einen weiblichen Charakter, für die reale, raue Seite sind dann eben die Männer zuständig. Moderne Arbeitsteilung. J Und beide Seiten, die Realität und das Mystische, sollten meiner Meinung nach unbedingt beleuchtet werden.

Eröffnet euch euer Aussehen ab und an neue Möglichkeiten, da ihr deswegen vielleicht bevorzugt behandelt werdet, oder wollt ihr davon nichts wissen und belasst ihr einzig und allein eure Musik im Vordergrund?
Jessy: Mittelaltermenschen sind doch alle überdurchschnittlich gutaussehend J . Und die Männer verhalten sich grundsätzlich sehr ritterlich. Ansonsten glaube ich nicht, dass man sich auf den Märkten groß um sein Aussehen kümmert, im Sommer ist es zu heiß unter der Gewandung, da verläuft die Schminke sowieso, und im Winter gibt’s rote Nasen und Ohren. Wer da besonders eitel ist und für wen nicht die Musik im Vordergrund steht, der hat daran wohl keinen großen Spaß.

Im Münchner Raum sind neben euch viele weitere Bands zugange, wie z.B. Schandmaul, Qntal und Faun. Welche davon würdet ihr persönlich davon besonders hervorheben, sowohl positiv als auch negativ?
Geka : Stimmt, wir Mittelaltermusiker scheinen in München ganz gut zu gedeihen. Ich würde alle drei Bands positiv hervorheben.
Schandmaul sind schon seit Jahren hier in unserer Gegend im Westen Münchens eine Legende, nicht nur als Band, die einzelnen Musiker waren zum Großteil ein paar Jahrgänge über uns auf unseren jeweiligen Schulen. Damals haben vor allem Steffi, Delia und ich mit ihrer Musik angefangen, Mittelalter zu hören und selbst zu spielen, wir waren auf vielen ihrer Konzerte. Bei einem unserer ersten eigenen Konzerte haben wir damals sogar den „Spielmann“ gecovert, und sie sind uns anfeuern gekommen. Schandmaul sind noch heute für mich Vorbilder.
Kurz zu Faun: Wir sind privat befreundet. Am liebsten höre ich Oli Harfe spielen. Er hat übrigens unsere EP „Cuentos de Adas“ aufgenommen. Und wir freuen uns schon auf gemeinsame Veranstaltungen im Sommer.
Qntal und Estampie kennen wir nur vom Sehen , z.B. wenn wir auf den gleichen Veranstaltungen spielen. Konzerte habe ich allerdings einige gesehen. Ich finde sie in beiden Besetzungen musikalisch absolut nacheifernswert.

Wortspiel (das erste, was euch zu folgenden Begriffen in den Sinn kommt):

Corvus Corax:
Geka : lecker!
Andi : Designergewandung.
Delia
: Raben und Dudelsäcke.
Stefanía : die Urväter!

 Schandmaul:
Stefanía : Wahre Helden!
Delia
: mag ich.
Andi
: mein erster Kontakt zu dieser Musikrichtung.

In Extremo:
Alle : Bundesvision Songcontest!

Faun:
Jessy: machen schöne Musik, vor allem deswegen, weil sie ihren eigenen Stil haben und sich auch nicht davon beeinflussen lassen, dass sie von hartnäckigen Mittelalterfans auch oft für den Einsatz elektronischer Elemente kritisiert werden. Ob authentisch oder nicht – sie haben Ihren eigenen Reiz und der Erfolg gibt ihnen Recht. Ich höre sie sehr gerne.
Andi : Nebelschwaden/ Nebelmaschinen.

Filia Irata:
Stefanía : die holde Weiblichkeit.

Spielmänner und Spielmannsleben:
Stefanía : beides meistens zuckersüß!
Delia
: Spielfrauen.

Tradition oder Fortschritt:
Jessy : Ich denke, das ist keine bewusste Entscheidung. Unsere Musik basiert auf traditionellen Einflüssen, der Fortschritt kommt automatisch dadurch, dass jede von uns ihren Teil zur Musik beisteuert, so wie sie es empfindet – jetzt, im 21. Jahrhundert. Ich denke, das macht auch den Reiz aus, den mittelalterliche Musik heute noch hat.
Geka
: Tradition. Was wäre Folk denn ohne?
Andi
: Ich stehe auf Fortschritt, ich liebe Reissverschlüsse und Jeans.

Plugged oder unplugged:
Jessy : Unplugged zu spielen ist natürlich authentischer und hat auch für uns Musiker einen Reiz. Wir haben aber auch viele leise Stücke und leise Instrumente mit Harfe, Flöten, etc. Da haben verstärkte Konzerte auch ihre Vorteile. Eine Band mit drei Dudelsäcken hats da leichter.
Stefanía : Plugged, ich liebe meinen Marshallverstärker!

Tokio Hotel:
Jessy: bräuchten nen Dudelsack…