Ghost: 2 Big To Rig

Auch wenn sich GHOST eigentlich gerade auf unbestimmte Zeit in einer Bandpause befinden, sind Tobias Forge (alias Papa V Perpetua) und seine Ghouls doch noch nicht so ganz weg. Denn gut sechs Monate nach Ende der „Skeletour“ erscheint nun mit „2 Big To Rig“ der zweite Kinofilm der Band. Aufgenommen an zwei ausverkauften Abenden im Palacio de los Deportes in Mexiko City im September vergangenen Jahres, soll der Film die Epik und energetische Stimmung der Tour auf die Leinwand bringen. Anders als beim ersten GHOST-Film „Rite Here Rite Now“ steht damit nicht die Lore der Band, sondern wirklich die Live-Show im Fokus, garniert mit ein paar Backstage-Einblicken.

Und tatsächlich gelingt es dem Regie-Duo Amir Chamdin und Jim Parsons ab der ersten Minute, ein immersives Erlebnis zu schaffen. Wenn man sieht, wie Papa V Perpetua die Musiker kurz vor der Show auf den Abend einschwört und über Funk an die Crew die Ansage „The Band is walking“ kommt, ist die Anspannung und Vorfreude richtig spürbar. Gab es im Vorfeld durch das Live-Video zu „Umbra“ noch Bedenken, ob der Soundmix gelungen ist, werden diese Bedenken ab den ersten Tönen des Openers „Peacefield“ hinweggefegt. Der Sound hat Druck, ist klar und knackig, und Papa V ist sehr gut bei Stimme, was bei der Lebensmittelvergiftung, an der der Sänger noch am Tag zuvor litt, keine Selbstverständlichkeit ist. Spätestens wenn nach dem ersten Drittel des Openers der riesige Vorhang fällt und Band und Bühne freigibt, fühlt man sich vollends so, als wäre man live dabei.

Grund dafür ist sicherlich auch, wie der Film geschnitten wurde. Die Regisseure vermeiden hektische Schnitte und wilde Kamerafahrten und geben der imposanten Bühne und den Musikern genug Raum. Immer wieder ruht die Kamera auf Papa V, den Ghoulettes, dem Saiten-Trio oder fängt die ekstatischen Fans ein. Rein optisch merkt man, dass „2 Big To Rig“ auf 16mm-Film gedreht wurde und damit eine gewisse Körnigkeit und stellenweise fehlende Schärfe aufweist. Dadurch erhält der Film einen Oldschool-Look, was gut zum Image der Band und Gestaltung der Show passt.

Denn für die „Skeletour“ haben GHOST so ziemlich alles an Showelementen aufgefahren, was aktuell möglich ist. Im ersten Drittel des Sets wird die Bühne von einem gigantischen Grucifix aus Scheinwerfern über der Band dominiert, das ganze 62 Tonnen wiegt. Dieses hebt sich bei „Devil Church“ und gibt zu den ersten Takten von „Cirice“ eine monumentale LED-Wand mit satanischen Kathedralen-Fenstern frei, was frenetischen Jubel bei den Fans auslöst. Diese Kathedrale wiederum bricht unter lautem Krachen nach „He Is“ endgültig zusammen und macht Platz für individuelle Animationen für jeden Song des dritten Akts.

Neben der Bühne steht aber natürlich vor allem Papa V Perpetua im Mittelpunkt der Show und damit auch des Films. Egal, ob er im Glitzer-Sakko über die Bühne tänzelt, als satanischer Papst bedrohlich „Year Zero“ zelebriert oder lockere Ansagen ans Publikum macht, die Fans fressen ihm aus der Hand. Stellenweise wird der Frontmann aber auch nachdenklich, etwa wenn es um die aktuelle Lage auf der Welt oder die krankheitsbedingte Absage der Show am Tag zuvor geht. Doch Papa V mag noch so charismatisch sein, ohne seine Band wäre er nichts. Die Ghouls und Ghoulettes sind schon lange nicht mehr nur im Hintergrund agierende Musiker, sondern elementarer Bestandteil der Show, dementsprechend viel Raum bekommen sie auch in „2 Big To Rig“. Die Freude und Energie der Band so aus der Nähe zu sehen, ist ansteckend, und es ist beeindruckend zu erleben, wie gut Showelemente und Band-Performance ineinander greifen.

Wenn der fulminante Zugaben-Block mit „Square Hammer“ endet, sich die Band nochmal ausgiebig feiern lässt und die Kamera ihnen dann von der Bühne ins Backstage folgt, mischt sich Begeisterung mit etwas Wehmut. Denn für GHOST schließt sich mit „2 Big To Rig“ endgültig das Kapitel „Skeleta“ und Pläne für ein weiteres Album und Co. gibt es bekanntlich erstmal nicht.

Egal, ob und wann GHOST aus ihrer Bandpause zurückkommen, mit der „Skeletour“ und „2 Big To Rig“ haben sie sich endgültig als eine der größten Stadion-Rock-Bands unserer Zeit etabliert. Der Film ist mitreißend, beeindruckend, stellenweise humorvoll und emotional und fängt GHOST auf dem Höhepunkt ihres Schaffens ein. Und gerade weil auf der Tour keine Smartphones erlaubt waren, ist es umso schöner, die Show noch einmal in Profi-Qualität erleben zu können.

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Juan Esteban

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