Als Frontmann der legendären MURDERDOLLS sowie bis heute erfolgreicher Solokünstler brachte WEDNESDAY 13 Anfang der 2000er einer neuen Generation den Shock Rock nahe und wurde damit zu so etwas wie dem ALICE COOPER des 21. Jahrhunderts. Zwar ist sowohl das Verhältnis zu seinen ehemaligen Musikern bei FRANKENSTEIN DRAG QUEENS FROM PLANET 13 als auch den MURDERDOLLS vom öffentlichen Waschen schmutziger Wäsche geprägt, seine Solokarriere entfaltet sich dessen ungeachtet jedoch äußerst erfolgreich. So erfolgreich, dass WEDNESDAY 13 im vergangenen Jahr vor bis zu 750.000 Zuschauern auf dem „Pol’And’Rock“ im polnischen Broczyno auftreten konnten – ein denkwürdiges Konzert, das die Truppe nun unter dem Titel „Un-Alive At Pol’And’Rock“ auf CD veröffentlicht.
Dass der Backkatalog von WEDNESDAY 13 bisher nur ein einziges Live-Album umfasst, ist kaum verständlich, zumal seine Musik doch vor allem für die Bühne gemacht wurde. Während der tiefschwarze, morbide und vermeintlich anstößige Humor des Shock Rockers auf seinen Studioalben mitunter ein bisschen aufgesetzt wirken mag, ist das Mitgrölen jener Obszönitäten im Rausche einer lautstarken Live-Darbietung ganz unironisch ein ekstatischer Befreiungsschlag von den Zwängen des Alltags – echter Rock ’n‘ Roll eben. Von ebendieser Dynamik lebt auch der auf „Un-Alive At Pol’And’Rock“ festgehaltene Auftritt, denn der Duke Of Spook hat genau die richtigen Songs auf die Setlist geschrieben, wobei der obligatorische Abschluss „I Love To Say Fuck“ das eindeutigste, aber nicht einmal das beste Beispiel ist.
Seinen Spaß am Düster-Punk seiner Anfangstage hatte der gute Mittwoch ja spätestens mit der Jubiläumstour zum WEDNESDAY-13-Debüt wieder entdeckt, was man auch seiner nach wie vor aktuellen Platte „Mid-Death Crisis“ deutlich anhört. Die wurde auch auf dem Pol’And’Rock Festival bespielt, weshalb es kaum verwundert, dass hier ausnahmslos ihre rockigen Gassenhauer ausgepackt werden – und Industrial-lastige Werke wie „Necrophaze“ sowie der Großteil von „Horrifier“ geflissentlich ignoriert. Neben unverzichtbaren MURDERDOLLS-Nummern wie „197666“ oder „Summertime Suicide“ machen Titel wie „I Walked With A Zombie“ oder „Bad Things“ aber auch einfach den größten Spaß und sorgen für genau die enthemmte Partystimmung, die eingangs angesprochen wurde.
Auf „Un-Alive At Pol’And’Rock“ wird diese Stimmung weitgehend glaubwürdig abgebildet. Während die Musik für ungetrübtes Live-Feeling ein bisschen zu trocken aus den Boxen kommt, wurde das Publikum derart gut eingefangen, dass es nicht nur zwischen sondern an entsprechender Stelle auch während der Songs gut zu hören ist. Die Performance der Band selbst ist dem Anlass angemessen, man merkt sowohl WEDNESDAY 13 in seinen Ansagen als auch dem energetischen Spiel seiner Musiker an, wie sehr sie sich über eine der größten Publikumszahlen ihrer bisherigen Karriere freuen und das ist durchweg sympathisch. Und während es leider kein Video gibt, kommt „Un-Alive At Pol’And’Rock“ doch wenigstens mit einem umfangreichen Booklet, das mit wirklich tollen Fotos wenigstens einen knappen visuellen Eindruck der Show vermittelt.
Das zweite Live-Album im Katalog von WEDNESDAY 13 bietet alles, was man sich davon erhoffen könnte. Klar, eine DVD oder Bluray wäre schön gewesen, andererseits fand der Auftritt aber bei Tageslicht auf kunterbunter Bühne statt, und das geht dem Image des Shock Rockers ein wenig entgegen. Der Stimmung tat das aber weder auf Seite der Band noch des Publikums nennenswerten Abbruch und so lassen Setlist, Sound und Atmosphäre kaum Wünsche offen. Obendrein entfalten die Songs des Duke Of Spook ohnehin erst live ihre volle Wirkung, weshalb „Un-Alive At Pol’And’Rock“ WEDNESDAY 13 in Bestform präsentiert.
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Wertung: 8 / 10


