Interview mit Sonneillon von Blaze Of Perdition

Vor zwei Jahren hatten die Polen von BLAZE OF PERDITION mit ihrem Bandbus einen schweren Unfall – der Bassist, bekannt unter dem Pseudonym 23, starb, nahezu alle im Auto erlitten schwere Verletzungen, Sänger Sonneillon lag längere Zeit im Koma. Sein einziger Kommentar dazu: „So ist das Leben. Und das ist eben hart.“ Was der Pole über die schwere Zeit nach der Tragödie, den Fortbestand der Band und deren neues Album „Near Death Revelations“ zu berichten weiß, könnt ihr hier nachlesen:

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Wann habt ihr entschieden, wie es mit der Band weitergeht?
Wir waren uns nicht sicher, bis es mir wieder besser ging. Aber als ich mich wieder fit genug gefühlt habe, wollte ich das weiterbringen, was wir angefangen hatten. Ich hatte zwar noch Zweifel, dass ich das hinbekomme. Aber es sieht so aus, als hätte ich mir da selbst das Gegenteil bewiesen.Blaze Of Perdition 02

Was hat sich durch den Unfall alles verändert? Ihr habt euren Bassist beispielsweise nicht ersetzt …
Wir waren immer mehr auf Qualität denn auf Quantität aus. Wir wollten deshalb nicht irgendeinen beliebigen Kerl anheuern, um den Platz von 23 einzunehmen. Aber wir wissen, dass die Band einen Bass auf der Bühne braucht, wenn wir wieder live spielen wollen – also haben wir einen guten Freund gefragt, ob er für die Auftritte als Session-Musiker einspringt. Ich kann auch nicht mit den Jungs reisen, insofern wird es für mich ebenfalls einen Ersatz im Live-Lineup geben.

Wie geht ihr mit dieser Tragödie um und welchen Einfluss hatte dieses einschneidende Erlebnis auf euer neues Album, „Near Death Revelations“?
Ein großteil meiner Texte sind davon beeinflusst, was damals passiert ist, ja. Die Songs waren schon vor dem Unfall fast fertig, aber die Texte sind erst danach entstanden, als ich wieder nach Hause gekommen bin.

Gibt es einen direkten Bezug zwischen dem Titel und dem Erlebten?
Ja, er bezieht sich direkt auf den Unfall und meine Gedanken danach.

Blaze Of Perdition 04Worum geht es auf „Near Death Revelations“ dann ganz allgemein?
Um es so einfach zu halten wie möglich: Es geht um den Kampf, die Suche nach der inneren Kraft und das Überwinden der echten Hürden, um etwas und jemand zu werden.

Die Songs selbst sind merklich länger als noch auf dem letzten Album, „The Hierophant„. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Das kam ganz von alleine. Wir sind nicht so heikel, dass wir alles Sekunde für Sekunde planen und konzipieren würden, um irgendwelche eingebildeten Resultate zu erzielen – es kommt uns einfach in den Sinn und wir machen einfach, was sich richtig anfühlt.

Der Sound des Albums ist deutlich düsterer und dichter als auf dem Vorgänger. Was habt ihr hier geändert und was waren Bands, an denen ihr euch orientiert habt?
Da hast du recht, es klingt ist weniger melodisch und zugänglich, dafür ist es düsterer und fordert den Hörer mehr heraus. Wenn ich ein paar Namen nennen sollte, wären das wohl Ulcerate, Celtic Frost beziehungsweise Triptykon, Funeral Mist und ähnliche.

Blaze Of Perdition 03Werdet ihr in absehbarer Zeit wieder Konzerte in Deutschland spielen?
Ja, ein paar Shows sind sogar schon gebucht. Aber wie gesagt, aufgrund meines Gesundheitszustandes kann ich daran nicht teilnehmen.

Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Deutschland: Ich weiß nicht … Bier?
Black Metal: Sehr, sehr, SEHR wichtiger Teil meines Lebens.
Polen: Ein Drecksloch. Unser eigenes, aber ein Drecksloch.
BLAZE OF PERDITION in zehn Jahren: Hoffentlich immer noch voll dabei!
Dein bisheriges Lieblingsalbum 2015: „The Plague Within“ von Paradise Lost – ein beeindruckendes Album!

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir – gibt es etwas, das du unseren Lesern mit auf den Weg geben willst?
Ein absoluter Klischee-Spruch, aber: Gib niemals auf.

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