Interview mit Sonneillon von Blaze Of Perdition

Mit ihrem neuen Album „The Harrowing Of Hearts“ haben sich die polnischen Black-Metaller BLAZE OF PERDITION einmal mehr weiterentwickelt. Bandkopf Soneillon erklärt, warum das Werk melodischer klingt als seine Vorgänger, wofür das Artwork steht und warum ihn Post-Black-Metal langweilt.

Euer neues Album ist viel eingängiger und melodischer ausgefallen als die Vorgänger – siehst du das auch so und wenn ja: Wie kommt das?
Ja, das ist es. Wir wollten, dass es dynamischer wird, wobei wir unser Gefühl von – sagen wir – emotionaler Verstörung und Melancholie beibehalten haben. Jedes Mal wollen wir verschiedene Ausdrucksformen ausprobieren, solange wir können, und wir hoffen, dass wir dies auch weiterhin so beibehalten werden. Wir erfinden unseren Sound nicht wirklich von Album zu Album neu, aber jedes Mal wird dem Ganzen etwas Neues hinzugefügt und auch etwas anderes weggeworfen.

Man könnte fast eine Entwicklung in Richtung Post-(Black-)Metal „unterstellen“, was denkst du?
Nein, das finde ich nicht. Wir sind von Post inspiriert, aber Post-Punk, Post-Gothic-Rock und so weiter. Aber von Post-Black-Metal? Nicht so sehr.

Wie denkst du generell über Post-Black-Metal – ist er eine „Verwässerung“ des Black Metal oder eine Weiterentwicklung?
Ich höre mir kaum etwas aus diesem Genre an, um ehrlich zu sein, also habe ich keine wirklich aussagekräftige Meinung. Ich finde die meisten Post-Black-Metal-Bands zu langweilig und zu sehr auf Wiederholungen angewiesen, deshalb ist das nicht ganz mein Ding. Nicht, dass die Wiederholung an sich unbedingt etwas Schlechtes ist, ich liebe ja auch „Filosofem“.

Auf jeden Fall kann man eine musikalische Entwicklung nicht überhören. Wie kam es dazu, was hatte Einfluss auf das Songwriting hier?
Unser eigener Drang, etwas Neues zu verfolgen, nehme ich an. Es war kein Zwang, wir hatten nur das Gefühl, dass wir die Dinge diesmal ein wenig anders machen wollten, und da sind wir nun. Wir könnten leicht eine Kopie von „Conscious Darkness“ aufnehmen, aber wir wollen so lange wie möglich Neues ausprobieren.

Habt ihr diesmal auch als Band anders (zusammen-)gearbeitet?
Der neue Schlagzeuger und Gitarrist machten einige Änderungen bei der Planung der Proben und der Aufnahme des Albums erforderlich, also ja, wir haben dies und das anders gemacht. Aber der Kern unseres kreativen Prozesses bleibt, glaube ich, bestehen.

Wie hängt der Albumtitel „The Harrowing Of Hearts“ mit dem Thema des Albums zusammen?
Er basiert auf dem christlichen Konzept des „Harrowing Of Hell“, das den Abstieg Christi in die Unterwelt zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung darstellt. Es ist eine Metapher unserer Reise nach innen und unserer Selbstfindung durch die Erforschung unserer inneren Dunkelheit, inspiriert durch die Werke von Herrn Carl Gustav Jung [Begründer der analytischen Psychologie, A. d. Red.]

Das Cover kombiniert sehr elegant klassische Black-Metal-Elemente mit einem surrealen Stil. Was ist die Idee dahinter, wie interpretierst du das Bild?
Ja, ich wollte, dass es klassische Malerei mit etwas surreal Makabrem verbindet, ähnlich etwa Guillermo del Toros Film „Pans Labyrinth“. Unser Cover zeigt eine Figur, inspiriert von der Darstellung Christi als Fons Vitae, die zwischen den Gegensätzen hin- und hergerissen ist und nach innerem Gleichgewicht strebt.

Mit welchen oder wie vielen Vorgaben wurde es geschaffen?
Ich hatte eine mehr oder weniger klare Vorstellung davon, was ich hier erreichen wollte, und habe Izabela einige Skizzen vorgelegt, aber es gab auf dem Weg auch einige Änderungen und ein Brainstorming über die Details.

Wird die Band das Album auch auf Tournee präsentieren, sind Konzerte in Deutschland geplant?
Es gibt ziemlich große Live-Pläne, aber noch nichts bestätigt, also gib uns etwas Zeit, um es offiziell zu machen. Bei Deutschland bin ich mir nicht sicher, da BLAZE OF PERDITION dort schon viele Male gespielt haben, aber bleibt dran, man weiß ja nie!

Hast du zum Abschluss einen Musiktipp für uns? Welche Band findest du persönlich im Moment gut oder empfehlenswert?
Von denjenigen, die nicht schon super beliebt sind, denke ich, dass Chapel Of Disease sicherlich die Aufmerksamkeit der Leute verdient haben.

Vielen Dank für das Interview! Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Corona-Virus:
Eine weitere Erinnerung daran, wie zerbrechlich und bedeutungslos wir alle sind.
Donald Trump: Ich halte mich so weit wie möglich von der Politik fern.
Satan: Freedom. Ein Klassiker, ich weiß.
Brexit: Auch hier: Politik ist nicht mein Ding.
„Live-Rituale“: Ein dummer Ausdruck, den ich schon lange nicht mehr benutze.
BLAZE OF PERDITION in zehn Jahren: Ich ziehe es vor, es nicht zu wissen und überrascht zu werden.

Nochmals vielen Dank für deine Zeit. Die letzten Worte gehören dir:
Vielen Dank für das Interview!

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