Review Blaze Of Perdition – Conscious Darkness

  • Label: Agonia
  • Veröffentlicht: 2017
  • Spielart: Black Metal

Eine tragische Zäsur in der Geschichte der polnischen Black-Metaller BLAZE OF PERDITION war schwerer Autounfall im Jahr 2013: Bassist Wojciech Janus verstarb noch am Unfallort, Sänger Paweł Marzec alias Sonneillon lag nach einer Wirbelsäulenoperation zunächst im Koma und auch die anderen Musiker erlitten teils schwere Verletzungen. Anstatt die Band aufzulösen, trotzten die Polen dem Schicksal und veröffentlichten kaum zwei Jahre nach dem Unglück „Near Death Revelations“. Wieder nur zwei Jahre später erscheint nun „Conscious Darkness“.

Mit bloß vier Stücken kommt „Conscious Darkness“ auf immerhin knapp 45 Minuten. Die durchschnittliche Songlänge liegt somit bei über zehn Minuten. Waren schon die Tracks auf dem Vorgänger von 2015 teilweise überdurchschnittlich lang, stellt das nochmals eine deutliche Steigerung dar. Langatmigkeit muss jedoch niemand fürchten. Denn BLAZE OF PERDITION haben ihre Songs nicht nur verlängert, sondern auch ihr Songwriting entsprechend weiterentwickelt.

Gerade der mit 15:16 Minuten längste Song „Ashes Remain“ überzeugt mit erfreulich unterhaltsamer Vielfalt, ohne zerfahren zu klingen: Auf einen flotten, vergleichsweise traditionellen Black-Metal-Part am Anfang folgt ein Mittelteil, der nicht zuletzt im Schlagzeugspiel einige überraschende Ideen vorbringt. Von dort steuern BLAZE OF PERDITION das Stück weiter in sanftere, fast sphärische Gefilde, ehe majestätisch und bedeutungsschwer der Black Metal wiederkehrt und den Song zum Abschluss bringt.

Während das Riffing gerade da, wo es sich vom Black-Metal-Standard entfernt, an die BLAZE-OF-PERDITION-Landsmänner Furia erinnert, weckt der nicht übertrieben fiese Gesang mit viel emotionaler Tiefe Erinnerungen an die österreichischen Szene-Aufsteiger Anomalie. Auch in Sachen Sound herrscht bei BLAZE OF PERDITION nie Stillstand: Zwar fällt die Weiterentwicklung diesmal nicht ganz so drastisch aus wie zwischen den letzten beiden Alben, ist jedoch nicht zu überhören: Merklich klarer abgemischt als der Vorgänger klingt „Conscious Darkness“ zwar zunächst weniger fett als „Near Death Revelations“, lässt durch die deutlich gesteigerte Transparenz dafür aber viel tiefer blicken und gibt Details preis, die in einem dichteren Sound definitiv verschütt gegangen wären.

Mit „Conscious Darkness“ gehen BLAZE OF PERDITION ihren Weg konsequent weiter. Ihre Wurzeln im typisch polnischen, schnellen Black Metal verleugnet die Band dabei nicht. Trotzdem bieten die vier Songs zwischen traditionellen Passagen mit rasender Doublebass und geshreddeten Gitarren viel Raum für melodische Leadgitarren, Rhythmusspielereien und abwechslungsreiches Schlagzeugspiel. Atmosphärischer, unterhaltsamer und packender hat man BLAZE OF PERDITION noch nicht musizieren hören: Mit „Conscious Darkness“ avancieren BLAZE OF PERDITION endgültig vom soliden Underground-Act zum spannenden Geheimtipp.

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Wertung: 8 / 10

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