Sieht man sich die Metal-Szene in Europa an, so leistet Schweden einen beachtlichen Beitrag zu ihrem Fortbestand. Neben Größen wie HAMMERFALL, GHOST oder IN FLAMES hat das skandinavische Land auch viel versprechende Newcomer wie ENFORCER, AMBUSH und BULLET hervorgebracht. Mit BLOODSTAIN schickt sich nun eine weitere Band an, von Norden her die Welt zu erobern und urteilt man nach ihrem gleichnamigen Debüt, stehen die Chancen für das Quartett aus Stockholm gar nicht so schlecht. Wir baten Frontmann Oskar Lindroos zum Gespräch, damit er uns erzählt. was genau der Plan der Truppe ist.
Hi, Oskar, und danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst! Wie geht es dir?
Es geht super! Wir hatten bisher einen großartigen Sommer mit ein paar Festival-Shows in Schweden und Hellfest in Frankreich. Wir sind gerade von einem Festival in Spanien, Zurbaran Rock in Burgos, nach Hause gekommen, und jetzt haben wir ein paar Wochen Pause, bevor wir wieder mit weiteren Shows in Schweden und Norwegen starten. Dann steht die kommende Albumveröffentlichung am 25. September an, zusammen mit allem, was dazu gehört.
BLOODSTAIN wurde vor nur drei Jahren gegründet, und bisher wissen wir nicht viel über euch. Erzählt uns ein bisschen über die Geschichte der Band!
Ich werde versuchen, mich so kurz wie möglich zu fassen. Wir haben die Band gegründet, als wir an einer Musikschule in Stockholm studierten. Wir haben ein paar Mal zusammen gejammt und dann in unserer Schule ein Konzert veranstaltet, das großartig ankam. Also dachten wir, wir geben dem Ganzen eine Chance. Wir haben einige Songs geschrieben und uns bei einem Musikwettbewerb beworben. Wir haben die Vorrunden bestanden und kamen ins Finale, wo wir den zweiten Platz machten. Dieser Wettbewerb brachte uns gute Publicity, also nahmen wir drei Monate später unsere EP „I Am Death“ auf und veröffentlichten sie. Sie wurde sofort in Schweden populär und erhielt gute Kritiken von der Presse. Danach ging alles einfach weiter. Im Jahr darauf begannen wir, das vollständige Album aufzunehmen. Unser vorheriger Sänger und Gitarrist Linus Lindin hatte früh angedeutet, dass das vielleicht nicht seine Sache ist, und nach einer Weile entschied er sich, die Band zu verlassen. Wir hatten viele Shows gebucht, also blieb Linus noch ein paar Monate in der Band. Da wir wussten, dass er gehen würde, nahm ich im selben Sommer Gesangsstunden, um vorbereitet zu sein, seine Stelle zu übernehmen. Linus verließ die Band im August 2025, und fragten Tobias Lindström von ETERNAL EVIL, ob er Interesse hätte, als Gitarrist einzusteigen und mit uns auf Tour zu gehen. Er stimmte zu. Es war nur ein Testlauf für uns alle, aber sofort fühlte jeder, dass das 100% perfekt für die Band ist, und ich denke, Tobias fühlte genauso, da er immer noch bei uns ist (lacht). Und egal, was manche Leute denken – es gibt kein böses Blut zwischen BLOODSTAIN und Linus. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Gründung der Band und wird immer eine Verbindung zu uns haben!

Euer erstes volles Album steht kurz vor der Veröffentlichung – wie würdest du die Platte beschreiben?
Ich denke, wir sind seit der EP viel gereift. Wenn „I Am Death“ klassischer Bay Area Thrash war, ist unser neues Album eher traditioneller Metal mit einigen Einflüssen aus dem Thrash-Genre. Wir sind unglaublich stolz darauf, ein so starkes Debüt-Album geschaffen zu haben, das widerspiegelt, wie wir jetzt klingen wollen. Der Name des Albums ist selbsterklärend: „Bloodstain“.
Eure erste Platte „I Am Death“ enthält sechs Songs, was für eine EP ziemlich viel ist. Warum habt ihr euch entschieden, diese Veröffentlichung nicht als euer Debütalbum zu vermarkten?
Zuerst muss ich euch ein bisschen korrigieren. Die EP enthält fünf Songs und eine Intro. „Homicidal Lunacy“ ist nur das Intro zum Song „Bloodstains“. Aber egal, normalerweise sind EPs in meiner Vorstellung vier bis sechs Songs lang. Die EP „I Am Death“ war unser Debüt, aber nicht unser Album-Debüt. Damals sollte „I Am Death“ ein Demo-Tape sein, damit die Leute anfangen konnten, unsere Musik zu hören. Vielleicht eine „teures“ Demo-Tape, da wir es von Anfang an auf Vinyl und CD gepresst haben.
Und warum ist der Titeltrack der EP der einzige Song, den ihr auch auf euer Debütalbum genommen habt?
Das ist einfach, weil „I Am Death“ die Hit-Single der EP ist. Ich schrieb den Song in meinem Kinderzimmer, als ich erst 17 Jahre alt war, und BLOODSTAIN wären ohne diesen Song heute nicht da, wo wir sind. Deshalb wollten wir ihn mit meiner Stimme und ein paar Extras neu aufnehmen, um dem Song das zu geben, was er verdient. Ich muss auch noch eine Sache sagen, sonst wird Benjamin (Schlagzeuger) mich umbringen: Er spielt auch eine wichtige Rolle in diesem Song. Nachdem ich ihn geschrieben hatte, hat er den Pre-Chorus umgeschrieben, was den Song auf ein anderes Level gehoben hat. Wir haben also tatsächlich beide „I Am Death“ geschrieben.
Wenn man eure Musik hört, hat man das Gefühl, dass METALLICA einer eurer größten Einflüsse sind. Aber einige eurer Songs erinnern auch an den skandinavischen Glam Metal, was für eine interessante Mischung sorgt. Was inspiriert eure Musik?
METALLICA sind natürlich einer unserer Einflüsse. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Leute denken, ich sehe aus wie ein junger James Hetfield, wenn sie mich sehen, oder Steven Adler, oder jeder blonde Rockstar … Aber alle vier von uns sind musikalisch in unterschiedliche Richtungen innerhalb des ‚Rock and Roll‘ gezogen, wie es von Anfang an genannt wurde. Ich bin ein Blues-Typ, aber einer meiner größten Gitarren-Einflüsse ist auch Schwedens größter Gitarren-Held aller Zeiten: Mr. YNGWIE MALMSTEEN. Ich bin irgendwo zwischen Angus und Malcolm Young und Yngwie! Tobias ist klassisch im Heavy Metal ausgebildet, hat aber auch mehr Thrash/Death gespielt als ich, und sein größter Gitarren-Einfluss ist STEVE VAI. Ich denke, man kann unsere Unterschiede hören, wenn wir unsere Duelle spielen. Tobias spielt klinischer als ich, und ich spiele in einer bluesigen Art, also ergänzen wir uns gut. Ich denke, man kann hören, wer von uns die Soli in unseren Songs spielt. Dann haben wir den Schlagzeuger, der auf Progressive Metal steht. Benjamin bringt coole Sachen in unsere Songs ein, die „normale“ Metal-Drummer nicht machen. Und schließlich haben wir noch Jonathan am Bass. Er ist eine Mischung aus Cliff Burton und Lemmy, wenn es um den Bass geht, und spielt die hämmernden Noten, die wir brauchen. Zusammen sind wir BLOODSTAIN!
Wie funktioniert der Songwriting-Prozess bei BLOODSTAIN?
Es beginnt fast immer mit einem Gitarrenriff – so sollte es auch sein. Dann bauen wir darauf auf. Wir sind alle auf unterschiedliche Weise am Prozess beteiligt. Benjamin ist mehr bei den Texten involviert als wir alle. Ja, so entstehen bei uns im Grunde die Songs. Ich denke, ein großer Unterschied zwischen uns und anderen Metal-Bands in unserem Alter ist, dass wir mehr auf Hooks und starke Refrains setzen. Das höre ich, wenn ich unsere Musik mit anderen Bands vergleiche.
Für euer Debütalbum habt ihr einen Deal mit dem schwedischen Label Threeman Records bekommen. Wie kam es dazu?
Es gibt keinen unterschriebenen Plattenvertrag mit Threeman. Alx Hell (ENTOMBED) ist unser geliebter Manager, und deshalb veröffentlichen wir unser Album über sein Label – Threeman Recordings. Wir sind in dieser Hinsicht immer noch eine Band ohne Label, wenn das überhaupt eine Rolle spielt. Wir versuchen, alles so viel wie möglich in der „Familie“ zu halten und nichts unnötig an Dritte abzugeben. Vielleicht gründen wir in Zukunft unser eigenes Plattenlabel. Wer weiß, was passiert?!
Schweden ist nicht so weit entfernt, aber die Tourkosten sind heutzutage hoch. Gibt es eine Chance, BLOODSTAIN bald in Deutschland zu sehen?
Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir in Deutschland spielen. Wir hätten dort schon längst spielen sollen, wenn ihr mich fragt. Am liebsten eine große Tour durch Deutschland!

Schweden gilt allgemein als sehr fruchtbarer Boden für Rock- und Metalbands. Was ist deine Einschätzung zur Szene in deinem Heimatland?
Wir haben eine starke Szene in Schweden, aber die meisten bekannten Bands und ihre Mitglieder sind 50-60 Jahre alt, also denke ich, wird es in vielleicht zehn bis 15 Jahren eine große Lücke geben. Dann gibt es diese „New Wave of Swedish Thrash Metal“-Bands in unserem Alter, die miteinander konkurrieren/unterstützen, sowie die Extreme-Metal-Bands. In unserer Altersgruppe würde ich sagen, dass wir momentan die populärste Band in Schweden sind und die größten Erfolge in unserem Genre bisher erzielt haben. Aber das kann in Sekundenschnelle ändern, deshalb ist es wichtig, dass wir weiterhin die härteste arbeitende Band Schwedens bleiben. Ich möchte auch die Gelegenheit nutzen, zwei andere schwedische Bands hervorzuheben: VELVETEEN QUEEN und XION. Wir haben beide Bands kennengelernt, und sie sind alles nette Jungs, die die Szene unterstützen. Hoffentlich kreuzen sich unsere Wege bald, und vielleicht touren wir in Zukunft zusammen – das wäre cool!
Welchen Rat würdest du jungen Bands geben, die gerade erst anfangen?
Der wichtigste Rat, den ich geben kann, ist: Lass die Leute dich nie vergessen. Bleib sichtbar. Bleib präsent. Du musst konsequent vor deinem Publikum auftreten, und das bedeutet, bereit zu sein, jeden Tag Arbeit zu investieren. Musik zu veröffentlichen oder live zu spielen reicht allein nicht aus. Wenn du wachsen willst, musst du immer wieder auftauchen, Inhalte erstellen, mit Fans interagieren und den Leuten einen Grund geben, dich zwischen den Veröffentlichungen im Gedächtnis zu behalten.
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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