Interview mit Dryad’s Tree

 

Hier stellen sich DRYADS TREE für den Metal1.info Underground Contest vor.
Stil: Progressive Rock / Metal
Zur CD-Review „Comfort In Silence“
Für Dryads Tree abstimmen!

Hi! Da ihr als Underground-Band wohl dem Großteil der Leser noch unbekannt seid, wäre es fein, wenn ihr euch zu Beginn kurz vorstellen würdet.
Hi Metal1.Info Leser, wir sind Dryad’s Tree aus München im schönen Oberbayern. Seit Herbst 2005 sind wir jetzt fast 2 Jahre hauptsächlich im Münchner Underground unterwegs und haben vor kurzem die Release-Show zu unserem Debüt-Konzeptalbum „Comfort In Silence“ gespielt. Nach Aussagen der Magazine, spielen wir auf unserem Erstlingswerk Metal, der sich in die progressive Schiene einordnen lässt. Diese Auszeichnung nehmen wir gerne an, denn unsere Musik charakterisiert sich durch Spannungsbögen und Dynamik!

Wie steht es um die Underground-Szene in euerer Umgebung und Region?
Der Müncher Underground ist nicht besonders stark. Es gibt jedoch eine eingeschworene Death Metal und Grindcore-Szene, zu der wir uns nicht hingezogen fühlen. In der heutigen Zeit spielen jedes Wochenende die verschiedensten Bands in mehreren kleinen Clubs, bei denen auch einige Perlen dabei sind, jedoch vom Publikum hauptsächlich unbeachtet bleiben, da der Großteil nur auf die bekannten Acts abfährt und keinen Zugang zu Underground-Bands findet. Treu sind uns die eingeschworenen Fans, die wir nicht missen wollen!

Pflegt ihr viele Freundschaften zu anderen Underground-Bands? Wie wichtig schätzt ihr die Kontakte zu anderen Bands ein?
Ja klar, wir sind mit mehreren Underground-Bands befreundet, das ist sehr schön, wie man sich gegenseitig unterstützen kann, mehr Leute vor die Bühnen bringt und einfach mehr Spaß hat, wenn man weiß, da unten stehen Kollegen, die sich die Haare aus dem Kopf bangen und denen unser Sound gefällt! Hier sind vor allem die Jungs von Stigmatizer zu erwähnen!

Wird der Underground in der heutigen Zeit von den Hörern und Medien noch entsprechend gewürdigt und akzeptiert?
Es heißt ja immer in den alternativen Radiosendern werden Undergroundbands promotet, aber ich kenne jetzt keinen anständigen Underground-Metal Radiosender, auf dem Bands wie wir mal gespielt werden. Die paar Internetradios haben’s auch nicht einfach viele Leute zu ziehen. Was bleibt, sind die kommerziellen Sender, die jeden Tag dieselben Lieder spielen, deren Produzent ordentlich an Asche von den Major-Labels bekommt, die ihrerseits das Radio „bestechen“. Underground ist und bleibt Underground. Schade, dass gute Musik daher oft nicht bekannt wird.

Ist es schwierig für euch, Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen? Labels kaufen ihre Bands ja gerne mal in Touren oder Supportslots rein, wäre es überhaupt möglich für eine Underground-Band, vor „größeren“ Bands zu spielen?
Als Undergroundband hat man’s nicht leicht, aber wenn man den ersten kleinen Sprung schafft und durch Qualität überzeugen kann, bekommt man doch das ein oder andere Angebot. Wir haben z.B. schon vor Disillusion, Korpiklaani und Vital Remains spielen können, als Münchner Support sozusagen und da kann man schon guten Gewissens auf die Bühne steigen!

Habt ihr mit der ein oder anderen „größeren“ Band besondere Erfahrungen (positiv oder negativ) gemacht?
Äußerst positiv haben uns Disillusion angenommen, mit deren – leider jetzt ehemaligem – Drummer Jens Maluschka wir uns bei mehreren Bierchen die ganze Nacht über die damaligen Größen der 90er unterhalten haben! Diese Band hat weit mehr verdient als jetzt immer noch in Jugendzentren rumzulungern…

Mit welcher „großen“ Band würdet ihr gerne auf Tour gehen?
Gewaltig wäre natürlich im Vorprogramm von Nevermore, Opeth oder Katatonia aufzutreten. Wir könnten eigentlich mit so vielen Bands spielen, da wir je nach Band andere Songs aus unserem Repertoir auspacken können. Es wäre sehr interessant, die Reaktionen der unterschiedlichen Fans zu sehen!

Ihr werdet häufig mit Bands wie Disillusion, Tool oder Porcupine Tree verglichen. Wie steht ihr zu den Vergleichen?
Ja, in den Reviews schreiben die Leute, wir klingen wie eine Mixtur aus den genannten Bands. Finden wir nicht schlimm, wir sind selbst Fans der Bands und natürlich beeinflusst das unsere Stimmung und die Herangehensweise an die Songs. Auch wollen die Fans vorgelegt bekommen, mit was sie rechnen können. Wir haben auch schon die verrücktesten Vergleiche gehört, Bands, die wir noch nie gehört haben! Jedesmal wieder interessant!

Vor allem bekannte Bands predigen ja gerne, dass es völlig egal ist, ob man nun vor 10 oder 1000 Leuten spielt. Wie seht ihr das?
Es kommt immer ganz auf’s Publikum drauf an und wie wir gerade drauf sind. Wenn nur 10 Leute dastehen, aber die unsere Songs aus dem FF können und lauter von unten gröhlen als wir, dann bringt das weit mehr Energie auf die Bühne, als wenn 500 gelangweilte Leute unten stehen. Als Band ist man ja Darsteller und will gesehen werden. Da passt man sich automatisch den Leuten an. Wir glauben nicht, dass das anderen Bands egal sein kann.

Ist der „Underground“ an sich noch ehrlich? Kann man noch vom viel gepriesenen Zusammenhalt der Szene reden oder schleicht sich auch hier schon mehr und mehr Kommerz- und Konkurrenzdenken ein?
Naja, wie vorher schon geschrieben, es gibt hier in München eigentlich mehrere Undergrounds, die selbst aus Underground-Bands und ihren Freundeskreisen bestehen. Dieser Zusammenhalt liegt dann mehr in der Freundschaft als speziell unter den Bands. Wir unterstützen schon die anderen Bands und kaufen ihre Alben, doch das macht nicht jede Band so. Konkurrenzdenken gibt es unserer Meinung nach nicht, da es ja bei den Auftritten um nichts geht, sondern nur um den eigenen Spaß und den Spaß der Leute, wegen denen man sich den Arsch aufreißt!

Das absolute Gegenteil zum Underground dürften die populären Casting Shows sein. Meist nur mäßig talentierte Musiker werden schnell berühmt und müssen sich nicht erst jahrelang einen Status erarbeiten. Wie steht ihr zu diesen Shows und den daran teilnehmenden Leuten?
Also die Leute, die dort teilnehmen, können schon singen, haben nur oft keinen eigenen Charakter, geschweige denn von echten Gefühlen in ihren Songs, die sie ja nicht selbst schreiben, sondern ein Produzent denen vorlegt. Die nächste Zeit stellt sich der neue Superstar auf die Bühne und macht Grimassen zum Playbacktrack. Das ist unserer Meinung nach einfach Massenverblödung, weil die Zuschauer das gar nicht merken. Die meisten jungen Leute werden von den Medien durch die ganzen tollen Charts-Bands geblendet und der echte Geist der Musik wird ihnen vorenthalten…

Würde es eine Metal-Casting-Show geben (für komplette Bands, nicht Einzelmusiker) – würdet ihr euch eine Teilnahme überlegen?
Nein. Lieber 100 Jahre Underground, als 1-Hit Wonder und Marionette eines Produzenten…

Ein leidiges Thema – Labels. Welche Erfahrungen habt ihr bisher damit gemacht und versucht ihr aktuell, ein Label zu finden oder macht ihr lieber erstmal auf eigene Faust weiter?
Ganz klar, wir suchen ein gutes Label, das entweder unseren Longplayer „Comfort In Silence“ vermarktet oder das wir für unser nächstes Album gewinnen können. Bisher gingen die Promos nur an Magazine, aber noch nicht an Labels. Wir sind sehr gespannt darauf, was da auf uns zu kommt!

Die Reaktionen auf euer Debütalbum „Comfort In Silence“ sind durchgehend gut bis sehr gut ausgefallen. Hättet ihr euch das erwartet oder erhofft?
Das haben wir uns erwartet und erhofft, da jeder einzelne von uns ein begeisterter Musiker ist und wir die letzten 2 Jahre enorm viel Zeit in das Konzept und die Songs von „Comfort In Silence“ gesteckt haben. Natürlich sind wir auch erleichtert, dass wir trotz der vielen unterschiedlichen Stimmungen, die solch ein Album mit sich bringt, ein so gutes Gesamtbild abliefern konnten.

Warum endet „Captured In Perplexity“ so abrupt?
Da müssen wir weiter ausholen und in das Konzept von “Comfort In Silence” einsteigen. Im Grunde geht es um Gefühlszustände, die eine Person im Laufe seines Lebens durchlebt. „Captured In Perplexity“ ist der Punkt, wo dieser die Heucheleien und Lügen in unserer Welt und die damit verbundene Feigheit der Menschen klar wird. Einziger Ausweg ist der Traum. Eine Flucht vor der Realität, die diesen letztendlich einholt.

Dann steigt doch bitte noch etwas mehr in das Konzept ein. Worum geht es im Gesamtkontext des Albums, welche Stationen beschreiben die einzelnen Lieder und wie kamt ihr dazu, es direkt auf dem ersten Album mit einem scheinbar recht komplexen Konzept zu riskieren?
Wie vorhin schon erwähnt bezieht sich die Thematik von „Comfort In Silence“ auf die Gefühlswelt einer sehr intesiv nachdenklichen Person. Dabei wird die anfängliche Lebenslust („Life“) im Laufe der Zeit durch die starke Beschäftigung der erfahrenen Gefühle getrübt. Nur in deren Interpretation („In These Moments“) erlebt die Person Halt und kann sich dabei von den Missständen und der Unmenschlichkeit der Welt („Captured In Perplexity“) entziehen. Dies beeinflusst jedoch zunehmend das Leben der Person. Dabei gelangt sie immer weiter in die Gedankenwelt und erfährt eine Art Traumzustand. Dieser Halt ist jedoch nur zeitweise und die Realität drückt sichimmer wieder ins Blickfeld der Person („Disdream“). Schließlich weichen nach und nach die positiven Eindrücke („A Glimpse Of Light“, „Clouded Emotions“) und die nun sehr intensiven Gedanken gewinnen die Oberhand („Touched By Temptation“). Die letzte Hoffnung nach einem Ausweg muss schließlich der Sehnsucht nach vollkommener Stille weichen („Stay!?“). Da wir sehr große Fans von Konzeptalben sind, in denen man meist in die Rolle einer Person schlüpfen kann, war klar, dass nichts anderes in Frage kommt. Wir wollen tiefgehende Musik machen und diese lässt sich nur durch einen starken textlichen Inhalt ausdrücken. Auf „Comfort In Silence“ befindet sich die im Konzept behandelte Person in der heutigen Welt und wir gehen speziell auf dessen Gefühlswelt ein. Wir haben nicht versucht direkt menschliche Gefühle in Musik zu formen, sondern ein Beispiel genommen, wie es mit den Gefühlen einer Person aussehen kann. Roter Faden in der Umsetzung sind sicherlich die Natureindrücke und die Stimmen, die symbolisch für die Gefühle und Gedanken der Person stehen. Jeder hat sicherlich desöfteren mit seinen eigenen Gefühlen zu kämpfen, daher bezieht sich die Thematik von „Comfort In Silence“ auf jeden von uns. Wie weit sich der Hörer nun damit beschäftigt und was er für sich selbst daraus gewinnt, ist ihm freigestellt.

Wie verdient ihr euch das Geld zum Musikmachen, was macht ihr neben der Musik im „normalen Leben“?
Reinhard und Leopold studieren. Florian und Ludwig sind in ihrer Ausbildung. Unser Hobby ist zwar nicht das günstigste, aber keiner von uns hat seine Prioritäten woanders. Daher wird für die Band gespart und Dank der Unterstützung unserer Familien können wir uns dieses schöne Hobby leisten.

Das Internet ist für jede junge Band ein unverzichtbares Medium geworden. Welchen Stellenwert haben für euch Plattformen wie MySpace?
MySpace ist die Plattform um international bekannt zu werden. Es gibt eigentlich keine Alternative dazu. Wenn Du eine Band kennenlernen willst, geh auf MySpace und höre dir Songs an. So hoffen wir auch, dass bei uns viele ausländische Leute auf die Seite schauen und sich ein Bild von uns machen können. Wir finden den Gedanken gut, dass sich jede Underground-Band selbst im Internet vermarkten kann. Natürlich besteht die Gefahr der Übersättigung, sodass der Hörer nicht mehr weiß, was er kaufen soll und die Plattenfirmen beklagen sich.

Onlinemagazine haben in der heutigen Zeit einen eigenen Status erlangt, wo seht ihr die Vor- und Nachteile gegenüber den herkömmlichen Printmagazinen?
Der Vorteil ist die absolute Aktualität der Onlinemagazine und die Vielzahl an Underground-Reviews. Nachteil ist jedoch, dass man vor dem flackernden Monitor nicht so gemütlich schmökern kann wie in einem Printmagazin. Was natürlich problematisch ist, dass sich so viele Onlinemagazine im Internet tümmeln und man erst mal genau schauen muss, ob das Magazin selbst recherchiert oder einfach von anderen Seiten Beiträge übernimmt. Große Printmagazine haben natürlich durch die jahrelange Erfahrung die besseren Beziehungen zu den Bands. Was uns sehr gut gefällt, dass sich manche Onlinemagazine dann eher auf Bands aus der Region oder Underground-Bands beziehen und dadurch vielleicht einen eigenen Leserkreis erreichen können.

Lass uns zum Schluss noch ein kleines Wortspiel machen, wenns beliebt. Was fällt euch ein zu folgenden Begriffen…
Politik in Musik : Hat bei uns nichts zu suchen.
Klassische Musik: Entspannt, majestätisch bei Kinofilmen.
Klimawandel : Problematisch, hat sich langsam eingeschlichen und kann daher nicht wirklich bekämpft werden.
Grillen : Zirpen.., nein Steak grillen und dazu ein gutes Helles! Lecker!
Bücher : Wenn man sich mit den Perlen beschäftigt, wird man schwer belohnt. Leider nicht mehr Gang und Gebe.
Fußball : Weltmeister 2006 wär’s gewesen, sonst eher uninteressant.
Festivals : Kommerz-Festivals adé, Underground-Festivals juché!
Metal1.info : Ansprechendes Layout, schöne Reviews und fix in der Abwicklung. Vielen Dank für die Teilnahme am Contest!

Damit wären wir am Ende, vielen Dank!
Wir bedanken uns auch für das Interview!

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