Interview mit John Åge Egholm von Hamferð (Färöer Inseln)

Rund 50.000 Einwohner zählen die Färöer Inseln, deren Name sich mit „Schafsinseln“ übersetzen lässt. Warum die autonome, zur dänischen Krone gehörende Inselgruppe im Nordatlantik auch Metalinseln sind, berichtet John Åge Egholm von HAMFERÐ.

Skandinavien ist bekannt für seine Metal-Szene – wie viel merkt man davon auf den Färöern?
Ich würde nicht behaupten, dass Metal hier jeden Tag in den Medien vorkommt, doch es gibt eine kleine, aber standhafte Gruppe von Enthusiasten.

Ihr habt also eine Metalszene?
Wir haben definitiv eine florierende Metalszene hier! Beispielsweise treten dieses Jahr zwölf Bands beim Wacken Metal Battle gegeneinander an. Ich glaube nicht, dass du irgendwo anders auf diesem Planeten als hier auf den Färöern zwölf Metalbands aus einer Gruppe von nur 50.000 Leuten zusammenbekommen würdest! Zu den besten Konzerten, bei denen ausschließlich Metal-Bands spielen, kommen ein paar hundert Besucher. Aber wir haben hier wohl mehr Metalfans, wenn man die, die sich eher selten bei Konzerten blicken lassen, mit einbezieht.

Wie bist du mit Metal in Berührung gekommen?
Ich glaube, ich war 14, als ich das erste Mal Hard Rock und Heavy Metal gehört habe. Mein Cousin hat mir Bands wie die Guano Apes und Pantera gezeigt. Ich erinnere mich noch, wie mich dieser hart Sound damals umgehauen hat – ich wusste, es gibt kein Zurück.

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Kennst du alle Metal-Bands von den Färöern persönlich?
Nachdem die Szene doch recht klein ist, habe ich vermutlich schon alle getroffen und mit ihnen geredet, ja.

Was war die beindruckendste Erfahrung in Sachen Metal, die du außerhalb der Inseln gemacht hast?
Das war definitiv, als ich 2006 das erste mal auf Wacken war. Ich glaube, das war wirklich ein prägendes Erlebnis für mich, so viele Metalfans aus Liebe zur Musik an einem Ort vereint zu sehen.

Du spielst selbst bei HAMFERÐ. Was heißt es, auf den Färöern eine Metalband zu gründen? Ist es leicht, andere Musiker, einen Proberaum oder ein Studio zu finden?
Wenn du selbst Musiker bist, ist es glaube ich kein Problem, Leute zu finden, mit denen du zusammenspielen kannst. Was die Proberäume angeht: Ich habe angefangen, in Garagen und in den Häusern von anderen Musikern zu proben, aber es gibt in Tórshavn auch eine Location, die Übungsräume an Bands vermietet. Sobald wir dort einen Raum bekommen haben, ging alles viel schneller voran. Studios gibt es hier genug, weil nicht nur Metal, sondern Musik generell auf den Färöern sehr wichtig genommen wird.

hamferd evest coverHabt ihr Konzertlocations und genügend Fans, dass es sich lohnt, live zu spielen?
Wir haben auf den Inseln zwar nicht viele richtige Musik-Clubs, aber es gibt zumindest Orte, die man entsprechend nutzen kann. Die Färinger sind ganz allgemein große Musikliebhaber – wenn eine Band also gut ist, bekommen sie die Leute auch dazu, zu den Shows zu gehen. Im Sommer haben wir hier große Festivals und fast jedes Wochenende Konzerte – zu manchen dieser Veranstaltungen kommen tausende Besucher!

Siehst du es als Vor- oder Nachteil, als Band von den Färöern zu stammen?
Es hat Vor- wie auch Nachteile. Einerseits hast du natürlich die hohen Reisekosten, aber andererseits gibt es hier auf den Inseln massenhaft beeindruckende Landschaften, eine spannende Geschichte und großartige Musik.

Du hast die Reisekosten gerade angesprochen: Während andere Bands einfach ihr Equipment ins Auto packen und zur Show fahren, seid ihr auf die Fähre oder gar das Flugzeug angewiesen ...
Lokale Shows sind kein Problem, weil die Distanzen so kurz sind. International machen wir es wie alle anderen Bands, wir laden unser Equipment in den Bus und fahren los. Das teuerste ist, von den Inseln herunter und auf’s Festland zu kommen. Aber bisher hatten wir das Glück, immer wieder mal Reisekostenzuschüsse von der Regierung oder anderen Institutionen zu bekommen. Dafür schickt man eine kurze Bewerbung mit einer Band-Historie, den bisherigen Erfolgen und den Details zum geplanten Konzert ab und an entsprechender Stelle entscheiden sie dann, ob sie einen unterstützen wollen.
Als wir angefangen haben zu touren, haben wir den Bus unseres Plattenlabels verwendet und sind damit auf die Fähre gefahren. Heute fliegen wir für gewöhnlich nach Kopenhagen, mieten dort einen Bus und fahren damit weiter. Die Fähre zwischen Dänemark und den Färöern verkehrt ein paar Mal die Woche, Flüge gehen mehrfach täglich. Die ganze Reise-Infrastruktur hier ist ziemlich gut, insofern ist hier niemand länger „gefangen“ als er hier bleiben will.

Wie früh in eurer Karriere habt ihr begonnen, Konzerte im Ausland zu geben?
Wir haben ungefähr sechs Jahre lang lokale Konzerte hier auf den Färöern gespielt, bevor wir die erste Show im Ausland spielen konnten.

Was sind deine ersten Gedanken, wenn du anschließend wieder auf deine Insel zurückkommst?
Ich freue mich darauf, zu meiner Familie zurückzukommen. Das Gefühl, von der Welt abgeschnitten zu sein, habe ich hier nicht, nur weil wir ein bisschen isoliert leben. Die Inseln sind in jeder erdenklichen Weise mein Zuhause: Wenn ich keine Konzerte spiele, lebe ich hier ein ganz normales, ruhiges Leben: Ich gehe meinem Job nach, kümmere mich um meine Familie und treffe mich mit Freunden.

Inwieweit ist eure Musik von eurer Herkunft beeinflusst? Würden HAMFERÐ anders klingen, wenn ihr aus Dänemark, Island oder Norwegen stammen würdet?
Ich denke, das Wetter, die Landschaft, die Einsamkeit und die Geschichte der Färöer haben HAMFERÐ auf einzigartige Weise beeinflusst. Es wäre nicht HAMFERÐ, wäre es nicht von hier.

Nehmt ihr eure Alben auch auf den Färöern auf?
Ja – wir haben das Glück, mit Theodor Kapnas einen gelernten Tontechniker in der Band zu haben, der in einem der besten Studios hier auf den Färöern arbeitet. Es versteht sich also von selbst, dass die Aufnahmen „in der Familie“ bleiben.

Ein Fakt über die Färöer, den nur Färinger kennen:
Wir sind keine Höhlenmenschen! (lacht)

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten! Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Dänemark:
Festland
Pagan: Spaß
Grindwale: Lecker
Hamferd: DOOM!
Färöisch: Meine Sprache
Europa: Autobahn.

Die letzten Worte gehören dir:
Vielen Dank für das Interesse an
HAMFERÐ, den Färöer Inseln und unserer hiesigen Metalszene! Ich verspreche euch, dass jeder, der nur ein bisschen im Internet sucht, eine Fülle von qualitativ hochwertigem färingischen Metal findet!

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