CD-Review: Hamferð - Evst

November 2013

Besetzung

Jón Aldará – Gesang
John Egholm – Gitarre
Theodor Kapnas – Gitarre
Jenus í Trøðini – Bass
Esmar Joensen – Keyboard
Remi Johannesen – Schlagzeug

Tracklist

01. Evst
02. Deyðir varðar
03. Við teimum kvirru gráu
04. At jarða tey elskaðu
05. Sinnisloysi
06. Ytst


HAMFERÐ gibt es seit 2008 und seitdem hat sich rund um die Band schon so einiges getan. Nach der Veröffentlichung einer sehr guten EP tourte man mit Moonsorrow und Tyr, gewann das Wacken Metal Battle und lehnte einen Vertrag mit Nuclear Blast ab. Man merkt es gleich: Gewöhnlich ist an den sechs Herren von den Färöer nichts, spannend dafür umso mehr. Nun liegt mit „Evst“ das sehnsüchtig erwartetet Debüt-Album vor.

Mit einem brachialen Riff beginnt der Opener und Titelsong, ohne dabei jedoch zu hart zu werden, sondern konsequent düster-melancholisch bleibend. Diese Stimmung wird durch die massiven Growls von Sänger Jón intensiviert, ehe er nach ca. anderthalb Minuten zum ersten Mal seinen markanten Falsettgesang zum Einsatz bringt und einem damit förmlich die Schädeldecke wegbläst. HAMFERÐ gelingt es innerhalb von nur zwei Minuten eine Gefühls- und Stimmungsachterbahn zu zelebrieren, wie es andere Bands auf tausend Alben nicht hinbekommen – was für ein Start in „Evst“!

Diese Verknüpfung von langsam-schleppenden, melancholischen Rhythmen, brachialen Riffs, Growls und Klargesang bildet auch im weiteren Verlauf von „Evst“ den Kern des HAMFERÐschen Sounds. Dabei gelingt es den Mannen in jedem Moment, die erzeugten Emotionen authentisch rüberzubringen, sodass man die Wut und Verzweiflung der Growls ebenso mitfühlt, wie die Sehnsucht, Trauer und den Schmerz im Klargesang.
Auch textlich haben sich HAMFERÐ etwas eher Unkonventionelles einfallen lassen: Zum einen sind die Lyrics komplett in färöischer Sprache abgefasst, zum anderen sind sie tief in der Kultur dieses Landes verwurzelt. „Hamferd“ bezeichnet in der Landessprache das Erscheinen der Geister verstorbener Seefahrer vor ihren Liebsten – ein passenderes Thema gibt es für diese Band und Stilrichtung wohl nicht.

Doch zurück zur Musik. „Deyðir varðar“ beginnt sehr ruhig, nur mit gezupften Gitarren, steigert sich im Verlauf dann aber in eine Spirale aus Verzweiflung und massiven Riffs hinein, der der Hörer ebenso wenig entkommen kann, wie den grandiosen Gitarrenmelodien des Songs.
Ganz ähnlich gestaltet sich „Við teimum kvirru gráu“, das ebenfalls mit herbstlich-depressiven Melodieläufen überzeugt, wobei die Aggressivität hier von Anfang an einen Grad höher ist. Mit „At jarða tey elskaðu” folgt ein Stück, das von größter Ruhe geprägt ist und ausschließlich aus gezupften Gitarren und gehauchten Worten besteht, bis kurz vor der Drei-Minuten-Marke einzelne Schläge des Schlagzeugs wie Hämmer niedersausen und der Schönheit des Songs einen derartig bedrohlichen Anstrich verleihen, dass man die folgende Minute nur andächtig und ehrfürchtig lauschen kann.

Moment, ein Vier-Minuten-Song? Was ist das denn bitte für ein komischer Doom? Keine Angst, man könnte „At jarða tey elskaðu” durchaus als Intro für das folgende „Sinnisloysi“ werten, würde dem Song damit aber nicht gerecht werden. Wie auch immer, „Sinnisloysi“ kommt mit beinahe neun Minuten Spielzeit als brachialster Track des Albums daher, ohne die für HAMFERÐ auf „Evst“ typischen Trademarks zu vernachlässigen. Auch wenn hier die Wut und Verzweiflung im Vordergrund stehen, ist die Trauer doch in jeder Melodie spürbar. Dabei erinnert die Band stark an Warnings „Watching From A Distance“, was ja nun wahrlich nicht die schlechteste Referenz ist.
Den Abschluss von „Evst“ bildet das beinahe zehnminütige „Ytst“, welches das absolute Highlight der Scheibe ist, da HAMFERÐ auf diesem Track noch einmal alle ihre Stärken zeigen und voll ausspielen.

Auf „Evst“ spielen HAMFERÐ emotionalen Doom, der von zerbrechlichen Melodien spontan zu zerstörerischen Riffs umschwenkt, dabei jedoch immer beim Hörer Gänsehaut verursacht, sei es nun durch die Growls oder den Falsettgesang, die monströsen Riffs oder wunderschönen Melodien. Im Promo-Zettel wird die Band als “Sigur Rós des Metals“ beworben – eine steile Behauptung, doch gelingt es der Band diese zu rechtfertigen. Wer mit Doom, Post-Rock oder auch nur emotionaler Musik etwas anfangen kann, wird HAMFERÐ lieben.


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Bewertung: 10 / 10

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