Interview mit Marcus E. Norman von Naglfar

Kurz vor dem Release von „Harvest“ am 23. Februar 2007 durften wir uns mit dem sympathischen NAGLFAR-Gitarrist Marcus E. Norman über banale wie Dinge das neue Album und Kuriositäten wie NAGLFAR-Songs bei Castingshows unterhalten.

„Harvest“ wird am 23. Februar erscheinen. Bist du mit dem Album zufrieden oder gibt es schon Dinge, die ihr gerne viel besser oder anders gemacht hättet?
Nein, ich bin mit allem ziemlich zufrieden. Ja klar, es gibt immer Sachen, die man hätte anders machen können, wenn man mehr Zeit gehabt hätte und so. Aber insgesamt bin ich mehr als zufrieden und das wird sich auch nicht ändern.

In vielen Magazinen ist die Scheibe sogar Album des Monats geworden. Hättet ihr einen solchen Erfolg erwaret und denkt ihr, dass es bei allen anderen auch so gut ankommen wird?
Hm, weißt du, man weiß nie wirklich, was man erwarten soll. Das einzig wirklich wichtige für uns ist, mit dem Album selbst zufrieden zu sein, denn als wir mit der Band anfingen, haben wir das hauptsächlich gemacht, um uns selber zufriedenzustellen. Und so war es über die ganzen Jahre hinweg, wir machen das Ganze immer noch für uns selbst. Eigentlich denkt man gar nicht so viel über die Resonanz nach, aber natürlich war sie bisher sehr positiv… Also sind wir mehr als erfreut. (lacht)

Natürlich sagt jede Band, dass ihr neues Album das beste der Bandgeschichte darstellt. Würdest du persönlich auch meinen, dass „Harvest“ euer bisher bestes Album ist?
Ja, definitiv! (lacht) Ich weiß, das ist die langweiligste Antwort, aber es ist einfach so, weil es so „frisch“ ist und uns noch immer nicht langweilt, wie es oft der Fall ist, wenn man die Songs zu lange spielt. Es fühlt sich einfach noch toll an. Das ganze Album live zu spielen ist nun eine Herausforderung und ich bin sehr gespannt darauf.

In deinen Worten, worin sollte sich „Harvest“ von „Pariah“ und allen anderen NAGLFAR-Alben unterscheiden?
Hm, naja, was wir hauptsächlich mit diesem Album – und natürlich auch allen vorigen Alben – erreichen wollten, ist alles ein Stück weiterzutragen und nicht zu wiederholen, was wir schon in der Vergangenheit gemacht haben. Wir wollen einfach die ganze Zeit dazwischen einbringen, ohne die Grundessenzen der Band zu vergessen. Der traditionelle NAGLFAR-Sound ist immer noch da, die Gitarrenharmonien und das ganze Zeugs. Wir haben aber zum Beispiel mehr mit verschiedenen Tempi gearbeitet und nun Songs, die ein wenig langsamer sind als das, was wir früher gemacht haben. Und noch etwas, das wir unbedingt ändern wollten, war die gesamte Produktion. „Pariah“ war ein sehr scharf klingendes Album, das einen sehr aggressiven Sound hatte, mit „Harvest“ wollten wir wieder einen organischeren und kräftigeren Klang hinbekommen, und ich denke auch, dass wir das geschafft haben.

Ja, viele haben „Pariah“ wegen der so mechanischen Produktion kritisiert. Denkst du, dass das wirklich ein Problem war oder war es notwendig, um das Album so klingen zu lassen, wie es das jetzt tut?
Damals war unsere Absicht, ein sehr aggressives Album aufzunehmen, nicht zur einzelne Songs, also musste auch die gesamte Produktion sehr aggressiv wirken. Ja, und das kam dann am Ende dabei raus … Wir haben das einfach so gemacht, um mal was anderes auszuprobieren. (lacht)

Findest du auch, dass „Pariah“ deswegen wesentlich technischer klingt als das neue?
Naja, ich weiß nicht. Ich würde das nicht sagen, ich finde, die Songs selbst sind technisch ziemlich auf dem selben Level … Aber ehrlichgesagt habe ich darüber noch gar nicht wirklich nachgedacht.

Ihr werdet das wahrscheinlich ständig gefragt, aber viele sehen euch als eine Art „Crossover-Act zwischen Black und Death Metal“. Wenn du müsstest – wie würdest du euren Stil umschreiben?
Hm, schwer zu sagen, vielleicht eine Mischung aus melodischem Death- und Black Metal. Wir wollten uns nie in irgendeine Kategorie einordnen und das überlasse ich lieber anderen. Es ist mir eigentlich egal. (lacht)

Verständlich! Ich finde, dass ihr mehr Synthesizer verwendet habt, als jemals zuvor. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschieden?
Hmm, ich finde gar nicht, dass wir dieses mal mehr benutzt haben.

Aber sie stehen etwas mehr im Vordergrund.
Ja, weißt du, vor allem bei den langsameren Songs, besonders beim Titelsong, wollten wir einfach eine spezielle Atmosphäre hinzufügen, die Chöre und so weiter. Naja, wir wollten was neues probieren und einen Schritt nach vorne machen.

Ihr habt „The Darkest Road“ ausgesucht, um es auf eurer MySpace-Seite hochzuladen, was meiner Meinung nach eine sehr gute Wahl ist, da er definitiv einer der besten Songs des Album ist. Denkst du, dass dieser Song das Album am besten repräsentiert oder warum habt ihr ihn genommen?
Der Hauptgrund, warum wir ihn ausgewählt haben, war einfach der, dass er ein etwas anderer NAGLFAR-Song ist. Ich glaube nicht, dass es so ganz das ist, was die Leute erwarten würden. Der Refrain und alles ist grooviger als alles andere. Wir wollten damit einfach eine etwas andere Seite der Band aufzeigen.

Wie man lesen kann, werdet ihr auch ein Video drehen. Vielleicht kannst du mir sagen, zu welchem Song und wie es am Ende aussehen könnte?
Das ist auch einer der Gründe, warum wir „The Darkest Road“ für die MySpace-Seite gewählt haben, denn wir haben schon angekündigt, dass wir ein Video zu diesem Song machen werden. Aber leider mussten wir den Videodreh verschieben, weil es einfach unmöglich mit allen Terminkalendern zu vereinbaren war. Wir wollten es zusammen mit dem Typen machen, der schon das Video zu „The Perpetual Horrors“ gedreht hat, aber er lebt in Südschweden und war sehr beschäftigt, genauso wie wir. Also haben wir es aus Zeitgründen nicht hingekriegt und ich weiß auch nicht, wann wir es nachholen werden. Aber es wird definitiv ein Video geben, unklar ist nur, wann genau. Aber es ist sicher, dass es eines zu „The Darkest Road“ sein wird.

Das mal wieder sehr gute Artwork wurde von Travis Smith, der schon Artworks für Bands wie Opeth, Amorphis und ich glaube Riverside gemacht hat, kreiert. Warum habt ihr ihn ausgewählt und was wolltet ihr von Anfang an damit ausdrücken?
Als wir anfingen, das Artwork mit dem Label zu diskutieren, schickten sie uns eine ganze Menge Samples von Künstlern, mit denen sie schon in der Vergangenarbeit zusammengearbeitet hatten und als wir Travis‘ Samples gesehen und uns auch älteres Material von ihm angesehen haben, fanden wir seinen Stil ziemlich gut und dachten, dass seine Methode, die Artworks zu zeichnen sehr gut in das Konzept unseres Albums passen würde. Der Titel und das Artwork passen sehr gut zusammen, die gesamte menschliche Rasse ist nicht viel mehr als Ernte (engl. „Harvest“) für den Tod, denn wir werden alle sterben. Und ich finde, dass das Cover das ziemlich gut zeigt.

Was ist das Konzept hinter den Texten?
Es geht generell um Dinge wie Selbsthass, Betrug, generell die Abneigung gegen jeden und alles. (lacht)

Also „same procedure as every time“.
Ja, so könnte man das sagen.

Der Titel „Plutonium Reveries“ und der Geigerzähler am Ende lässt bestimmt viele an Atomwaffen und die derzeit damit verbundenen Konflikte denken. Gibt es da wirklich eine Verbindung?
Nein, nicht wirklich. Trotzdem interessant, denn viele haben das in Interviews gefragt. (lacht) Aber nein, es gibt keine Verbindungen, denn NAGLFAR waren nie eine politische Band und das werden wir auch nie sein. Es stellt einfach nur das absolute Ende auf eine andere Weise dar und hat nichts mit derzeitigen politischen Geschehnissen zu tun.

Letztes Jahr habt ihr erneut das Party.San Open Air in Bad Berka besucht. Mochtest du das Festival trotz der Soundprobleme, die ihr zusammen mit Six Feet Under hattet?
Ja, das Party.San war toll, denn wir waren schon oft dort, ich glaube, das war schon das vierte Mal. Ich persönlich finde, dass es eines der besten Festivals in Europa ist, es ist nicht zu groß und die Crew die dort arbeitet ist sehr nett, wir kennen alle und hatten eine tolle Zeit dort.

Welche Liveaktivitäten sind in nächster Zeit und während der Festivalsaison 2007 zu erwarten?
Die einzigen Festivals, die bisher gebucht sind, ist das With Full Force und noch ein Festival hier in Schweden. Sonst ist noch nichts zu 100% bestätigt, wir haben ein paar verschiedene Touroptionen und Verhandlungen finden statt. Wir werden versuchen, so viel wie möglich zu touren, um das neue Album zu promoten, aber im Moment ist noch nichts fest.

Schmiedet ihr schon Pläne und Songmaterial für das nächste Album zusammen?
Ja, eigentlich schon. Jeder arbeitet ständig an Ideen, und das ist eigentlich alles, was wir tun, Musik schreiben. Jeder hat irgendwelche Ideen und hoffentlich kommen wir bald zusammen, um das neue Material zu arrangieren und zu proben.

Manche finden, dass eure Alben immer gleich klingen. Hattest du selbst selbst jemals das Gefühl, dass dies der Fall ist, kein Geist mehr da ist und die Band am besten dran wäre, wenn man sie auflösen würde oder hattet ihr immer diese gewisse Insipiration?
Ja, weißt du, Insipriation ist wirklich immer da. Eine große Quelle der Inspiration ist einfach die Herausforderung, Musik auf verschiedene Arten und Weisen zu komponieren und das ist eine niemals erschöpfte Quelle. Ich selbst hatte nie Probleme damit und ich denke auch nicht, dass einer der anderen das hatte. Wir sind gerade motivierter als je zuvor, also…

Und wie denkst du, wird die Band in rund zehn Jahren aussehen, immer noch genauso?
Ich hoffe natürlich, dass alles irgendwie anders aussehen wird, genauso wie ich schon hoffe, dass die Leute das neue Album auch als etwas anderes als die vorigen Alben betrachten. Aber das wichtigste ist einfach, sich nicht zu wiederholen, immer geradeaus zu schauen und trotzdem dem typischen NAGLFAR-Feeling treu zu bleiben.

Werdet ihr eines Tages DVD veröffentlichen? Und wenn ja, was soll dann darauf enthalten sein?
Ja, DVD-Pläne wurden natürlich schon diskutiert, aber ich würde gerne etwas besonderes machen, mit vielen Live-Auftritten und viel Extramaterial, interessantes Zeug, das die Leute sonst nicht zu sehen kriegen würden. Aber schon die Limitierte Edition von „Harvest“ enthält eine DVD mit vier Songs vom Party.San, einem sehr langen Interview und das Video zu „The Perpetual Horrors“. Das ist unser erster Schritt in Richtung der finalen DVD.

Vor einigen Jahren war es (mal abgesehen von Gruppen wie Cannibal Corpse) noch nahezu undenkbar, dass die Mitglieder einer extremen Metal Band von dem Geld, das sie mit der Band einnehmen, leben können. Aber in letzter Zeit sagten mehr und mehr Musiker, dass sie keinen Job mehr ausüben müssen, sogar die Mitglieder von eher unbekannten Bands. Wie denkst du hat sich die Situation mit all den riesigen Labels, Festivals und so weiter und die Popularität des Metal geändert?
Hm, ich weiß nicht, denn wir machen überhaupt kein Geld damit. Das sind glückliche Ärsche, die das von sich behaupten können! (lacht) Klar, vieles hat sich geändert, aber … Ich weiß es nicht, denn es ist noch immer unmöglich, von der Band zu leben, so wie es gerade aussieht. Und die einzige Möglichkeit, damit überhaupt Geld zu machen, sind Touren, neue Merchandiseartikel und so weiter.

Also habt ihr vermutlich neben der Band genug zu tun.
Klar, die meisten von uns sind gerade arbeitslos, also suchen wir meistens nach irgendwelchen Jobs. Aber wenn du touren willst, ist es ziemlich schwierig, eine feste Arbeitsstelle zu bekommen. Das ist ein ständiges Problem.

Habt ihr das Video aus der österreichischen Castingshow gesehen, wo der Kerl in Corpsepaint auf die Bühne kommt und „The Brimstone Gate“ singt?
Oh, wie hätten wir es auch verpassen können! Die Leute haben uns den Link mehrmals geschickt, wir haben es gesehen und ich finde es sehr unterhaltsam! (lacht)

Keine sehr gute Performance, aber definitiv lustig!
Der Typ verdient wirklich meine Anerkennung, weil er was Neues ausprobiert hat! (lacht)

Schade ist allerdings, dass hierzulande in jeder Castingshow irgendwer aufkreuzt und versucht, einen Cannibal Corpse Song zu performen, was dem ganzen irgendwie den Witz nimmt.
Also hat er wohl einen Trend gestartet. (lacht) Naja, es war sehr unerwartet. Ich wusste zuerst nicht, was ich davon halten soll… Aber es ist unterhaltsam!

Okay, danke dir nochmal für das Interview und wünsche viel Erfolg mit dem Album! Wenn es noch etwas gibt, das du loswerden willst, kannst du das nun tun!
Danke, dass du die Band supportest! Ich hoffe, dass sich die Leute das neue Album mal anhören und nach Touraktivitäten Ausschau halten!