Interview mit Jack Owen von Six Feet Under

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Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 31 der Serie unterhalten wir uns mit Jack Owen, Gitarrist von SIX FEET UNDER, sowie ehemals von CANNIBAL CORPSE und DEICIDE.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Ich habe mit 16 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen, auf der alten Gibson-Akustik meines Vaters aus den 1950er-Jahren.

Was hat dich damals dazu gebracht, Gitarre lernen zu wollen?
Ich habe mir von meinem Bruder eine überspielte Kassette von „Kiss Alive!“ ausgeliehen. Ich wusste nicht, wie die Band aussah, aber ich liebte die Musik und die Energie. Ich liebte die Gitarrensolos. Also war Ace Frehley mein erster Einfluss und mein Vater, der eine Gitarre hatte, war die Inspiration, es selbst zu lernen.

Hast du schon einmal ein anderes Instrument erlernt (oder erlernen müssen)?
Ich habe Klavier ausprobiert, da meine Mutter Klavier spielte, aber mir gefiel die Spielweise der Gitarre besser. Etwas später besaß ich einen Bass und habe in meinem Schlafzimmer versucht, Feedback und verrückte Sounds wie Cronos von Venom zu erzeugen. Aber ich habe mich hauptsächlich auf die Gitarre konzentriert …

Erinnerst du dich, welches Modell deine erste Gitarre war?
Da mir viele Saiten auf der Gitarre meines Vaters rissen, besorgte er mir eine Hagstrom Double-Cutaway-Gitarre und einen Bass bei einer Auktion. Dann besorgte er mir einen Peavey Butcher Verstärker und eine P.A. für den Gesang.

Wie viele Gitarren besitzt du?
Ich glaube, ich habe sieben elektrische Gitarren und eine akustische Gitarre. Nur etwa drei meiner elektrischen Gitarren funktionieren richtig. Ich müsste einige von ihnen reparieren und/oder neu aufbauen lassen …

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für unterschiedliche Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Ich brauche nur eine 6-saitige und eine 7-saitige in funktionstüchtigem Zustand, um den Job zu erledigen und das reicht mir. Nur zwei Blakhart-Gitarren …

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Ich habe nicht viele Ansprüche an eine Gitarre. Solange sie den Frachtraum eines Flugzeugs übersteht. Wenn nicht, nehme ich sie in einem Gigbag mit ins Flugzeug. Was den Klang angeht, kann ich mit Standard-Tonabnehmern umgehen, da ich ein Line 6-Pedal habe, das alles gut klingen lässt.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so?
Ich habe nicht wirklich eine besondere Verbindung zu einem Instrument. Ich mag sie, wenn sie neu sind und starre sie eine Weile an, aber es ist für mich wirklich nur Holz und Stahl.

Hast du ein Lieblingsinstrument?
Nicht wirklich. Ich kann aus jeder Gitarre, die ich besitze, das Beste herausholen, egal ob es eine Standard- oder eine Custom-Gitarre ist. Ich passe mich an die Musik an, die ich in einer bestimmten Umgebung spiele.

Hast du an deinen Gitarren spezielle Modifikationen vorgenommen oder handelt es sich sowieso um Custom-Modelle? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Da gibt es nicht viele technische Details zu nennen. Ich spiele so gut wie immer direkt in einen Verstärker, wann immer es möglich ist, mit einer Standardgitarre: Ich habe meine Gitarren nicht in großem Umfang individualisiert. Ich habe einen Dean 7-String-Pickup in meine Blakhart 7-String eingebaut, weil er mir in der originalen Dean-Gitarre gefiel, aber das war’s auch schon. Ich hatte Railhammer-Tonabnehmer in einer anderen Blakhart-Gitarre verbaut, aber die wurde von einer Fluggesellschaft gestohlen oder ging verloren. Zum Glück haben sie sie bezahlt. Aber die Gitarre ist weg!

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Jeder möchte eines Tages eine Vintage Gibson Les Paul haben – das gilt auch für mich!

Jack Owen (rechts) mit Deicide; © Promofoto

Welche Plektren spielst du und warum genau diese?
Nur Tortex m3 Plektren, customized von InTune. Sie sind klein und sehr gut zu greifen. Sie haben eine scharfe Kante, die ich auch mag.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Ich habe nichts gegen einen geleasten Verstärker. Unser Booking-Agent in Europa besitzt eine Backline, also benutze ich seit ein paar Jahren einen Marshall JCM 800. Sie haben auch einen Marshall 900, den ich nicht sonderlich mag, und einen Peavey-Amp, den ich noch nie benutzt habe. Aber solange ein Verstärker eine Effektschleife für mein Line 6-Pedal hat, bin ich zufrieden.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Nutzt du einzelne Pedale, ein Multi-Effekt-Board oder eine Kombination?
Ich verwende einen Line 6 HD Floor Pod Plus. Ich programmiere ihn einmal und dann ist er einsatzbereit, egal wo ich hingehe. Das ist alles. Keine anderen Pedale.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Nur die Effekte und Sounds des Line 6-Pedals. Das Wah ist gut, das Delay und der Reverb sind toll und das ist alles, was ich brauche.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Das Univibe-Pedal, berühmt geworden durch Hendrix, Trower und Waylon Jennings.

Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Das Insane-Tone-Settong des Line 6-Pedals, das Delay für Leads und Reverb für ein wenig Spaß.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt als eigentlich vorgesehen oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Das glaube ich wirklich nicht. Ich habe vor Jahren bei einigen Cannibal Corpse-Sachen einen Envelope-Filter für diesen anschwellenden Sound in meinen Leads verwendet.

Benutzt du ein Noise-Gate – und wenn ja, warum?
Oh ja. Ich kann nicht ohne mein Noise Gate leben. In allen Bands, in denen ich gespielt habe, gibt es immer wieder Stop-Parts. Und es ist gut, die Lautstärke zwischen den Songs einfach aufgedreht zu lassen und bereit zu sein, in den nächsten Song zu springen …

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Ich ändere es nicht oft, es sei denn, ich spiele mit einer anderen Band und brauche sauberere Klänge oder weniger Gate.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
In deinem Schlafzimmer kannst du mit deinem Lieblingssound spielen, aber bedenke, wenn du mit anderen spielst, wirst du einen größeren Sound brauchen, um herauszustechen. Und spiele zu deinen Lieblingssongs und -künstlern, um dein Interesse wach zu halten. Und das erste, was du dir nach der Gitarre kaufen solltest – ist ein Stimmgerät.


Im nächsten Teil der Serie kommt V. Santura von TRIPTYKON/DARK FORTRESS zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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Fotos von: Afra Gethöffer-Grütz

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