Interview mit Ole Walaunet von Gaahls Wyrd

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Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 21 der Serie unterhalten wir uns mit Ole Walaunet alias Lust Kilman, Gitarrist von GAAHLS WYRD, SAHG und THE BATALLION.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Nun, ich habe angefangen, als ich etwa 14 Jahre alt war. Davor hat sich bei mir alles um Fußball gedreht. Mein Vater hat im Keller gejammt und dadurch habe ich eine Menge Inspiration von ihm bekommen.

Was hat dich damals dazu gebracht, dass du Gitarre lernen willst?
Ich war ein riesiger Black-Sabbath-Fan, ich habe „Sabbath Bloody Sabbath“ in der Schallplattensammlung meines Vaters entdeckt und war sofort Feuer und Flamme! Ich saß einfach stundenlang mit Kopfhörern mit dieser Platte da. Die Rohheit und der kraftvolle Klang von Iommi haben mich wirklich voll mitgenommen. Auch Ronni von TNT hatte einen großen Einfluss auf mich.

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt bzw. erlernen müssen?
Nein, ich habe tatsächlich mit der Gitarre angefangen. Dieser verzerrte Klang hat mir ein herrlich kitzelndes Gefühl in den Backenzähnen beschert, das ich bis heute immer noch habe, wenn ich einen Sound höre, den ich wirklich genieße.

Weißt du noch, welches Modell deine erste Gitarre war?
Ich habe mit einer japanischen Stratocaster angefangen, die ich modifiziert habe. Ich habe sogar versucht, Ronnis Schachbrettgitarre zu kopieren. (lacht)

Wie viele Gitarren besitzt du?
Das ändert sich ständig, weil ich viel Freude an Ebay habe. Derzeit besitze ich eine 1979er Strat, eine 68er Japan Strat, eine 1979er Gibson Flying V, eine 1981er Gibson Flying V, eine 1977er Gibson Les Paul Custom, eine Taylor GS Mini und ein Godin ACS Slim-Modell. Die werde ich aber alle behalten, glaube ich.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für verschiedene Bands oder Anlässe, etwa Studio, Live-Auftritte und den Urlaub?
Für Live-Auftritte habe ich meistens die V’s benutzt, sie passen optisch und klanglich meist gut zusammen. In letzter Zeit habe ich die Strat-Form wieder lieb gewonnen. Ich habe das Gefühl, dass ich irgendwie noch härter arbeiten muss, damit sie wirklich brillieren, wenn du weißt, was ich meine. Wer weiß, vielleicht teste ich die mit GAAHLS WYRD. Die Taylor benutze ich in meiner Hütte und nudle darauf herum, während ich Vögel beobachte. Die anderen sind im Grunde genommen für Studio-/Aufnahmezwecke bestimmt sind.  All diese Instrumente klingen wirklich gut, aber anders. Ich mag es, klanglich viele Möglichkeiten zu haben, besonders bei Aufnahmen.

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Zunächst einmal muss es akustisch richtig gut klingen, mit einem soliden, eigenen Ton. Dann kommt es auf die Haptik, die Tonabnehmer und so weiter an. Es hat keinen Sinn zu versuchen, den Klang einer Les Paul auf einer Strat zu reproduzieren, da es sich um völlig unterschiedliche Instrumente handelt. Aber ich bevorzuge bei all meinen E-Gitarren Humbucker in der Steg-Position. Ich übe gerne auf verschiedenen Gitarrenmodellen, da ich das Gefühl habe, dass mein Spiel dadurch irgendwie tighter wird. Für mich ist es viel schwieriger, von V’s auf Strats zu wechseln. Aber wenn ich zu den V’s zurückkehre, ist es so viel einfacher, dass es flüssig klingt. Ich versuche einfach, mich selbst herauszufordern und mich mit allen Möglichkeiten zu beschäftigen.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Für mich waren es die Vintage V’s, ich liebe einfach das Aussehen, den Klang und das Gefühl dieser Schönheiten. Ich würde wirklich gerne noch ein paar Modelle kaufen, aber die werden mittlerweile bei Ebay absurd teuer! Außerdem liebe ich die gute alte Stratocaster! Ich schätze, ich bin einer dieser V/Strat-Typen!

Hast du daran spezielle Modifikationen vorgenommen, oder ist es sowieso ein Custom-Modell? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Bei den V’s und der LPC sind es die Pickups. In einer verwende ich derzeit Lollars, in der anderen Black Winters. Die LPC hat einen Duncan 78 und einen Pearly Gate in der Halsposition. Die Strats sind meiner Meinung nach klanglich etwas komplizierter. Bei der japanischen benutze ich den Perpetual Burn an der Brücke und Texas Specials in der Mitte und am Hals. Meine 1979er Strat, die derzeit in Polen ein Facelifting erhält, wird einen Duncan SH-5 an der Brücke und Duncans in der Mittel- und Halsposition bekommen. Außerdem ein Vega Tremolo, das meiner Meinung nach hervorragend ist. Die Möglichkeiten sind endlos, wenn es um Tonabnehmer geht. Ich schalte die ganze Zeit hin und her, auch das Ausprobieren neuer Sachen macht einfach Spaß.

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Nicht wirklich, ich ziehe es nur vor, Kombinationen und Dinge selbst herauszufinden.

Welche Plektren spielst du und warum genau diese?
Derzeit verwende ich Dunlop Ultex XL Jazz III. Ich kann mich nicht an die Dicke erinnern. Ich genieße einfach das Gefühl und den Attack, den ich mit ihnen hinbekomme.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Ich erinnere mich, dass ich früher von Framus gesponsert wurde und live verpflichtet war, den Cobra zu nutzen. Ein Killer-Amp übrigens. Das wurde aber etwas problematisch, da wir auch viele Fly-In-Shows auf Festivals spielen. Ich konnte ihn einfach nicht überall hin mit hinnehmen. Also habe ich mich im Grunde genommen entschieden, mich zu verkleinern, und jetzt benutze ich nur noch ein kleines Pedalboard, das direkt in den Clean-Kanal eines Verstärkers geht. Einfacher geht es kaum, und es klingt klasse.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Ich bin kein Typ für große Effekte und halte die Dinge gerne einfach, um einen rauheren, „in your face“-Sound zu bekommen.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Ich nutze die Effektschleife gar nicht … ha! Zumindest derzeit nicht. Das könnte sich ändern, ich weiß nicht. Aber das Signal geht derzeit vom Clean-Kanal in einen Revv G3, ein Gate und dann in ein Pedal mit einer Kombination aus Delay und Reverb. Wie einfach ist das! Oh, und außerdem ein Wireless-System mit eingebautem Stimmgerät.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Ein gut klingendes Verzerrungspedal, das ist alles. Wenn man weiß, wie man die Saiten anschlägt, wird es auch hervorragend klingen.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt, als eigentlich vorgesehen, oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Nein! Da gibt es bei mir nichts Besonderes.

Benutzt du ein Noise-Gate – warum (nicht)?
Die G3 ist ein bisschen laut, also brauche ich ein Noisegate. Ich überlege gerade, ob ich mir einen Zuul-Mini kaufen soll, über den habe ich viel Gutes gehört.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Ich probiere gerne verschiedene Pedale aus, besonders Verzerrer. Es ist ein Dschungel da draußen, es gibt so viele Qualitätspedale zur Auswahl. Man muss einfach herausfinden, wo man hin will und was für einen funktioniert.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Verfolge deinen Weg und bleibe dem treu, woran du glaubst. Habe starke Visionen im Leben. Arbeite hart, und sei nicht mittelmäßig.


Im nächsten Teil der Serie kommt Patrick Sperling, von ORDEN OGAN zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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Fotos von: Afra Gethöffer-Grütz

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