Interview mit Josh Rand von The L.I.F.E. Project

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STONE SOUR machen Pause, die Zeit der Nebenprojekte ist gekommen. Nach Corey Taylor legt nun auch Josh Rand Solomaterial vor. Warum er bei seinem THE L.I.F.E. PROJECT alle Instrumente selbst eingespielt hat, wer seine Gitarrenhelden sind und warum er am liebsten für jede Show ein eigenes Plektrum designt, verrät uns der Gitarrist im Interview.

Hallo Josh, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst! Wie geht es dir, wie läuft es bei euch mit Corona?
Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Die Zahlen sind hier in Iowa jetzt so ziemlich auf Null gesunken. Alles öffnet wieder, also werden die Dinge langsam wieder normal.

In den USA fangen Bands ja auch wieder an zu touren – denkst du, dass die Zeit im Hinblick auf die Pandemie-Situation schon richtig ist?
Ich kann nur für mich sprechen: THE L.I.F.E. PROJECT wird bis 2022 nicht touren.

Bekommen Künstler in den USA eigentlich finanzielle Unterstützung vom Staat, um die Verluste durch ausgefallene Tourneen zu kompensieren?
Ich habe keine finanzielle Unterstützung von unserer Regierung erhalten.

Was vermisst du am meisten am Tourleben – und was vermisst du am wenigsten?
Das ist wirklich einfach zu beantworten: Ich vermisse es, an verschiedene Orte auf der Welt zu kommen, dort neue Leute zu treffen und ihre Geschichten zu hören. Das Reisen selbst vermisse ich nicht … ich hasse nämlich Fliegen.

Der eigentliche Grund für dieses Interview ist dein neues Projekt, THE L.I.F.E.-PROJEKT. Ist „L.I.F.E.“ nur eine spezielle Schreibweise, oder ist es eine Abkürzung?
Es ist ein Akronym für etwas, aber ich verrate noch nicht, wofür es steht.

Wann wurde die Idee für das Projekt geboren, wann hast du angefangen, Musik zu schreiben?
Anfang 2020, nachdem ich mein Heimstudio gebaut hatte und nachdem Corey mir mitgeteilt hatte, dass er dieses Mal ein Soloalbum zwischen den Slipknot-Platten machen würde.

Du betreibst das Projekt zusammen mit Casandra Carson. Woher kennt ihr euch – seid ihr über das Projekt zusammengekommen, weil du auf der Suche nach einer Sängerin warst, oder hattet ihr die Idee für das Projekt gemeinsam?
Ein gemeinsamer Freund hat uns im März 2020 zusammen gebracht. Ich wusste, dass die neue Band von einer Sängerin angeführt werden sollte, und nachdem ich sie bei ein paar Coversongs singen gehört hatte, wusste ich, dass sie die Richtige ist.

Wie verlief die Zusammenarbeit – ist es musikalisch ein Soloalbum von dir mit ihrem Gesang, oder hat sie auch zum Songwriting beigetragen?
Musikalisch stammt es komplett von mir, textlich ist es größtenteils von Casandra. Ich finde es wichtig, dass die Sänger die Texte schreiben, dann sind sie mehr mit ihnen verbunden und sie wirken lebendiger, wenn sie sie singen.

Eure erste Veröffentlichung wird „nur“ eine EP sein – warum habt ihr euch dagegen entschieden, gleich ein ganzes Album zu machen?
Wir haben 13 Songs geschrieben, aber diese fünf fühlten sich stark an und ich wollte einfach lieber früher als später etwas Musik herausbringen.

Wird es bei dieser EP bleiben oder arbeitet ihr schon an weiterem Material für ein Album?
Es wird eine weitere EP oder ein komplettes Album geben, das hoffentlich im ersten Quartal 2022 erscheint.

Ist eine EP im Zeitalter des Streamings ein sehr veraltetes Format oder ein sehr modernes?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Für mich ist es wirklich egal, ob es eine EP, eine Single oder ein ganzes Album ist – es geht darum, deine Musik zu veröffentlichen.

Im Video zu „The Nothingness“ sieht man dich auch am Schlagzeug – und tatsächlich hast du alle Instrumente selbst aufgenommen. Warum war dir das wichtig, anstatt mit befreundeten Musikern zu arbeiten?
Es war eigentlich nicht geplant, dass ich alles selbst einspiele, aber die Pandemie hat mich dazu gezwungen, es so zu machen. THE L.I.F.E. PROJECT wird später eine komplette Band werden, wenn wir bereit sind zu touren.

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Wie lange spielst du schon Schlagzeug – und warum hast du dann als Jugendlicher die Gitarre als dein „Hauptinstrument“ gewählt?
Ich bin zunächst zwischen Schlagzeug, Bass und Gitarre hin und her gependelt, bevor ich mich als Teenager dann für die Gitarre entschieden habe. Der Grund dafür war, dass ich an der Gitarre viel leichter Musik schreiben konnte als am Schlagzeug oder Bass.

Deine Signature-Gitarren lassen vermuten, dass du ein großer Fan von Steve Vai bist, während dein Bühnenstil eher an Joe Satriani erinnert. Wer ist dein „Gitarrenheld“?
Die Jungs sind der Hammer! Ich glaube aber, dass James Hetfield, Dave Mustaine und Paul Gilbert meine größten Einflüsse sind.

Hast du die Musik zu Hause oder in einem Studio aufgenommen? Und wo siehst du die Vor-/Nachteile der jeweiligen Vorgehensweise?
Wir haben fast alles bei mir zu Hause aufgenommen. Ich habe das Glück, eine Menge gutes Equipment zu haben, also ist es wie in einem Studio. In diesem Stadium meiner Karriere ist es für mich mehr als in Ordnung, von jetzt an alles bei mir zu Hause aufzunehmen.

Soweit ich weiß, hast du die EP auch selbst gemischt. Was ich bis jetzt gehört habe, klingt verdammt gut! War das eher ein Experiment, oder hast du schon anderweitig Erfahrungen gesammelt?
Ich habe die EP geschrieben, gespielt, produziert und aufgenommen, aber Josh Wilbur hat sie gemischt – er hat alles gerockt! Und Paul Logus hat es beim Mastering auf ein anderes Level gebracht. Ich bin glücklich darüber, wie es geworden ist.

Du hast für den Release sogar dein eigenes Label gegründet – wo liegen die Vorteile? Du hättest doch sicher auch einen Deal bekommen?
Ich habe mich bei ein paar Labels umgehört, aber niemand schien so richtig interessiert zu sein, wegen Corona, und weil niemand wusste, wie es mit weitergeht. Ich wollte aber nicht länger auf einen Deal warten, also habe ich beschlossen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Es war eine Menge Arbeit, aber ich muss niemandem Rechenschaft ablegen, und es liegt an mir, wenn das Ergebnis nicht so ist, wie ich es will. Dieser Aspekt der Sache war sehr befreiend.

Die EP kommt signiert und mit einem Gitarrenplektrum. Generell scheinst du ein Faible für Signature-Plektren zu haben – es gab buchstäblich Dutzende von verschiedenen Varianten für Stone Sour. Was treibt dich an, immer wieder neue Signature-Plektren zu kreieren?
Ich wollte einfach lustige und einzigartige Sachen mit meinen Gitarrenplektren machen. Ich mag es, für jede Show ein anderes Gitarrenplektrum zu entwerfen, das macht es für diejenigen, die sie bei den Shows erwischen, besonders. Ich glaube, es zeigt, wie sehr ich es schätze, für sie zu spielen, wenn auf der einen Seite des Plektrums ihr Land, Staat oder ihre Stadt zu sehen ist und auf der anderen Seite das Bandlogo.

Interessanterweise haben die Plektren auch unterschiedliche Formen. Hast du einen Lieblingstyp zum Spielen?
Das Jumbo Jazz ist mein Hauptpick. Fürs Durchstreichen aller Saiten benutze ich aber die Standardform, allerdings in einer etwas dünneren Ausführung.

Du verkaufst sie manchmal auch als komplette Pick-Sammlungen auf eBay. Ist es nicht irgendwie cheaten, Signature-Picks auf eBay zu kaufen?
Nicht, wenn man das komplette Set haben will. Ich hatte auf dem „Hydrograd“-Tourzyklus von 2017 bis 2018 insgesamt 188 verschiedene Plektren. Und es gibt wahrscheinlich nur vier komplette Sets auf der Welt.

Letzte Frage: Wie sieht es mit STONE SOUR aus – gibt es Neuigkeiten, die sich auf neues Material beziehen oder wie es hier läuft?
Wir machen gerade Pause. Wir haben bis jetzt nicht darüber gesprochen, etwas Neues zu machen.

Vielen Dank für das Interview. Lass uns mit unserem traditionellen Brainstorming abschließen:
Das letzte Album, das du dir angehört hast: Machine Head – „Arrows In Words From The Sky“.
Gojira: Gojira sind fantastisch! Ich freue mich, dass sie endlich die Anerkennung bekommen, die sie verdient haben. Mario ist einfach ein Biest am Schlagzeug.
Black Metal: Ich höre nicht sehr viel Black Metal. Ich respektiere die Musikalität, aber es ist einfach nicht wirklich mein Ding.
Ein Essen, das dich immer glücklich macht: Sushi und Ramen.
THE L.I.F.E. PROJEKT in zehn Jahren: Ich weiß wirklich nicht, wo wir in zehn Jahren stehen werden. Ich würde gerne glauben, dass wir immer noch dabei sind, aber ich versuche, in der Gegenwart zu leben und nicht mehr zu weit in die Zukunft zu schauen.

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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