Interview mit Jonathan Hultén von Tribulation

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Mit ihrem dritten Album, „Down Below“ konnten die Schweden TRIBULATION die Unverwechselbarkeit ihres melodisch-düsteren Sounds noch ausbauen. Wie schwer die Band genretechnisch einzuordnen ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sie sich stlistisch gleichermaßen gut wie gar nicht in das Billing der letzten Arch-Enemy-Tour (mit Wintersun) einfügen konnten. Gitarrist Jonathan Hultén berichtet von der Tour, über das Album und die Pläne der Band, bald wieder nach Deutschland zu kommen.

Ihr seid gerade von eurer Tour mit Arch Enemy und Wintersun zurück. Seid ihr mit der Tour zufrieden?
Ja, es war eine gute Erfahrung und eine gute Art, den Tourzyklus für das neue Album zu starten. Das Publikum war neu für uns, das ist immer eine gute Sache.

Es ist eine sehr breite Palette von Musikstilen, die in diesem Billing kombiniert wurde. Wie passen TRIBULATION in diesen Kontext, wie haben die Arch-Enemy-Fans auf eure Musik reagiert?
Wir passen in Sachen Ästhetik nicht sonderlich gut dazu, aber das ist am Ende nicht wirklich wichtig; in Anbetracht der Natur von TRIBULATION können wir uns überall einfügen – oder nirgendwo. So wie das Publikum reagiert hat, denke ich, dass es Leute gab, die es wirklich zu würdigen wussten, aber auch Leute, die es überhaupt nicht mochten. So wie es immer ist, ist nicht alles für jeden etwas. Und das ist völlig in Ordnung.

Gibt es eine lustige Anekdote von dieser Tour?
Nun, wir hatten während dieser Tour viele Busprobleme und wechselten ständig Fahrzeuge und Fahrer. Ich bin mir nicht sicher, ob es sehr lustig ist (und es war sicher nicht zu der Zeit), aber das letzte Fahrzeug war ohne Zweifel der schlechteste Ersatz für einen Nightliner, in dem wir je gefahren sind. Es war so klein, kalt und unangenehm, dass es sich wie eine Parodie anfühlte … als wären wir bei „Versteckte Kamera“ oder so. Das Einzige, was wir tun konnten, war, über die ganze Situation zu lachen.


>> Lest hier unseren Bericht aus Hamburg


Ihr habt eine einzigartige Liveshow, da ihr Gitarristen manchmal mehr zu tanzen scheint als auf einer Bühne zu spielen wie andere Bands Metal spielen. Was war die Idee dahinter, woher kommt das?
Alle Dinge, die wir auf der Bühne tun, haben sich über einen langen Zeitraum entwickelt und sind überhaupt nicht kalkuliert. Im Laufe der Jahre hat die Performance eine Reihe von Veränderungen durchlaufen, die sich spontan ereignet haben und sowohl auf kollektiver Ebene als auch auf individueller Ebene aus unserem Körper und Geist hervorgehen. Wie wir uns ausdrücken, ist mit anderen Worten das Ergebnis eines kontinuierlichen organischen Prozesses halbbewusster künstlerischer Entwicklung.

Euer neues Album „Down Below“ ist vor kurzem erschienen – was steckt hinter diesem Titel?
Es war ursprünglich der Arbeitstitel einer Reihe von Songs auf dem Album und hat viel mit dem Inhalt des Textes und der Gesamtatmosphäre des Materials zu tun. Zuerst war es schwer einen Titel für das Album als solches zu finden – bis wir gemerkt haben, dass wir den Titel schon die ganze Zeit vor unseren Augen hatten. „Down Below“ fasst den roten Faden zusammen, der das Album als Ganzes verbindet.

Das Artwork sieht sehr dunkel aus, aber ohne Klischee-Black-Metal zu sein. Wie hängen Artwork und Musik/Lyrics zusammen?
Wie der Titel selbst fasst auch das Cover die Stimmung der Texte und der Musik sehr gut zusammen. Wir wollten etwas, das ein Gefühl von jenseitigem, verzerrtem Grusel und Verworfenheit hatte … ominös und grüblerisch, mit einem Gefühl von tiefer Trauer. Die Wasserspeier und Grotesken von Notre Dame waren die Vorbilder für das Motiv. Das schließlich entstandene Cover strahlt aber auch die heftige Aggression aus, die sich auch in der Musik widerspiegelt und durch die Wahl der Farbe noch verstärkt wird.

Musikalisch klingt das Album sehr charakteristisch – ihr habt wirklich einen sehr eigenen Stil. War das Absicht oder hat es sich einfach so entwickelt?
Wir erschaffen die Musik immer so frei wie möglich, aber mit einer grundsätzlichen Vorstellung davon, was wir erreichen wollen. Irgendwann kommt es dann meist ganz anders als ursprünglich geplant, aber solange es sich richtig anfühlt, sollte man sich von der Arbeit selbst leiten lassen. Die Schreib- und Aufnahmeprozesse beginnen irgendwann, ihr eigenes Leben zu leben und dann müssen wir einfach folgen, wohin sie uns führen.

Ihr habt auch ein Musikvideo für einen der Songs, „The Lament“, gemacht. Warum habt ihr genau diesen Song gewählt?
Wie beim Albumtitel und dem Artwork hatten wir bei dem Stück das Gefühl, dass es die Gesamtatmosphäre des Albums zusammenfasst und dem Hörer eine gute Einführung in die musikalische Reise gibt, die „Down Below“ ist. Deshalb ist es auch der erste Track des Albums.

Was hältst du von Musikvideos im Allgemeinen – sind sie eher ein Werbemittel oder ein Kunstwerk?
Praktisch haben sie die Funktion, beides zu sein, aber ich persönlich sehe das Videoformat viel lieber als hervorragende Plattform, um Kunst zu erschaffen.

Seit 2017 ist Oscar Leander, der ehemalige Deathstar-Schlagzeuger, Teil von TRIBULATION. Warum war er der perfekte Mann für diesen Job? Gibt es eine Parallele zwischen TRIBULATION und den Deathstars?
Die Deathstars haben nicht viel mit TRIBULATION gemeinsam, außer vielleicht den Gebrauch von Make-up. Aber auch das machen wir auf eine ganz andere Weise. Was uns zusammengebracht hat, sind eher zufällige Faktoren: Dass wir Oscar im richtigen Moment getroffen haben beispielsweise, und Überschneidungen hinsichtlich unserer auf Freunde, Gemeinsamkeiten dahingehend, wo wir aufgewachsen sind. Und zu guter letzt ist er ein exzellenter Schlagzeuger und teilt diese Begierde, die uns dazu treibt, weiterhin Musik zu machen und zu spielen.

Wird es auch eine (Co)Headliner-Tour zur Promotion von „Down Below“ geben, oder war die Tour mit Arch Enemy Ihre einzige geplante Tour zu dem Album?
Wir haben gerade im März eine Tour mit Insomnium gespielt … und weitere Termine und Touren werden in Kürze bekannt gegeben!

Vielen Dank für die Antworten – zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Donald Trump: Lasst uns einfach hoffen, dass er nicht aus einer Laune heraus den 3. Weltkrieg beginnt.
Deutschland: Eines der besten Länder, in dem man touren kann.
Black Metal: Ein Genre, das eine breite Palette an außergewöhnlicher, aber auch langweiliger Musik beherbergt.
Ballett: Schöne Kunstform.
TRIBULATION in 10 Jahren: Völlige künstlerische Freiheit.

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten! Die letzten Worte gehören dir:
Ich hoffe, wir sehen uns auf Tour! Vielen Dank für das Interview!