Interview mit Torsten Reichert von Vanden Plas

Vanden Plas sind derzeit das dt. Flagschiff was Progressive Metal angeht. Bereitwillig stellte sich Bassist Torsten Reichert unseren Fragen und was als Antwort kam war teilweise doch sehr überraschend….

Anders als andere Metal-Band seid Ihr ja nicht in Spanien, Japan oder Südamerika am erfolgreichsten, sondern in Frankreich. Habt Ihr eine Erklärung für Euren enormen Erfolg dort?
– Unsere erste Platte ist in Frankreich schon gleich bei einem Majorlabel erschienen, während in Deutschland und Resteuropa die platte erstmal auf einem kleinern Label herausgekommen ist. Demzufolge ist in Frankreich besonders in den ersten Jahren wesentlich mehr passiert was Werbung und solche Sachen betrifft. Ich glaube nicht das es speziell etwas mit dem Musikgeschmack dort zu tun hat – die Promotion war einfach besser und hat einfach dort schon ein bis zwei Jahre früher angefangen.

Ihr kommt ja nicht gerade aus einer der größten Städte Deutschlands. Seid Ihr in Kaiserslautern mittlerweile Berühmtheiten, werdet Ihr auf der Straße angesprochen etc.?
– Berühmtheiten sind wir sicherlich nicht aber mit dem Namen Vanden Plas können viele etwas anfangen – nicht nur Metalfans. Das liegt wohl daran das es die band erstens schon sehr lange gibt und zweitens wir uns in vielen Musikbereichen betätigen – unsere Arbeit im Theater in Kaiserslautern oder mit dem 1.FCK um nur 2 Beispiele zu nennen.

Wie schätzt Ihr die Zukunft der einheimischen Prog Metal-Szene ein? Noch seid ihr ja fast die einzige Fahne im Wind…
– Ich muss ehrlich zu geben das ich mich zu wenig in der Prog Metal Szene auskenne. Aber selbst ich stoße oft auf sehr gute Prog-Bands aus Deutschland – ich denke da ist ein breites Potenzial vorhanden.

Habt ihr nach der \’96 Tour mit Dream Theater noch Kontakt mit denen?
– Man trifft sich doch eher zufällig mal bei Festivals oder Konzerten – aber von ständigem Kontakt kann man nicht sprechen.

Vor allem auf Beyond Daylight hat z.B. Andys Stimme ja nen riesen Schritt nach vorne gemacht. Wie seht ihr eure weitere musikalische Entwicklung. gibt es irgendwann Grenzen?
– Im Moment arbeiten wir auch wieder am Theater – spielen mit Orchester zusammen, Andy singt wieder die Hauptrolle. Es wird ein Projekt mit Ballet geplant, wir schreiben ein Musical … eine musikalische Weiterentwicklung wird es immer geben solange man sich darum bemüht.

Beim Lesen der Kurzbiografien auf Eurer Website ist uns aufgefallen, dass Eure Lieblingssongs (Fire Blossom, Rainmaker, Garden of Stones, You Fly) alle auf dem zweiten Vanden Plas-Album The God Thing zu finden sind. Was macht dieses Album Eurer Meinung nach besser als seine beiden Nachfolger?
– Das denke es liegt daran das diese Kurzbiografie direkt nach der “The God Thing“ – CD geschrieben wurde. Ich bin der Meinung das sollte so sein – denn wenn man nicht der Meinung ist das die neuen Songs die besten sind die man gemacht hat – sollte man sich Gedanken machen.

Wie seid ihr als Musiker und Fans zu Prog Metal gekommen? Es ist ja nicht gerade die „einfachste“ Musikrichtung.
– Um ganz ehrlich zu sein ist und war von uns keiner ein ausgesprochener Prog Metal Fan – wir hören alle sehr unterschiedliche Arten von Musik. Zu unserer Schande muss man leider gestehen dass wir uns auch in der Prog-Szene nicht so gut auskennen wie man das vielleicht erwarten sollte. Bei uns hat sich das einfach aus unseren unterschiedlichen musikalischen Vorlieben und Vorleben entwickelt – die Arbeit in Musical und Orchester hat auch sehr zu dem Stil beigetragen den wir heute haben. Erst als ich das erste Mal von Prog in einem Review von unserer Platte gelesen habe hatte ich angefangen mich mal damit zu beschäftigen.Geplant war das mit dem Prog Metal nicht – wir haben uns auch anfänglich gegen diese Stielbezeichnung gewehrt.

Rush, King Crimson, Transatlantic, Dream Theater – diese Bands haben noch mal eine Stufe mehr „Gefrickel“ (Komplexität) in ihren Songs. Mögt ihr diese teilweise schon sehr anspruchsvolle Komplexität nicht oder wollt ihr einfach nur nicht soweit gehen?
– Bei uns steht der Song im Mittelpunkt. Bei uns entstehen die die Lieder einfach – und sie müssen uns gefallen – ob da “gefrickelt“ wird oder nicht kann man nicht planen. Wenn es passt ist “Gefrickel“ ok – wenn der Song darunter leidet sollte man es lieber lassen. Komplexität gibt es bei uns auch reichlich – aber gut verpackt.

Mit Dream Theater seid ihr schon getourt – mit wem würdet ihr noch gerne touren?
– Ich persönlich habe da keine Lieblinge mit denen es von der Musik her Sinn machen würde eine Tour zusammen zu machen. Natürlich mit einer Band die Stadien füllt ist es immer O.K. – da kannst du deine Musik einem großen Publikum vorstellen.

Ich weiß, ist eine Standartfrage, aber: Wie seid ihr auf den Namen Vanden Plas gekommen?
– Es ist der Name eines belgischen Autodesigners der z.B. Jaguars veredelt hat. Andy unser Sänger war auf der IAA und hat das einfach dort gelesen und der Name hat gefallen. Das ist schon 20 Jahren her – ich weiß es auch nur durch Erzählungen denn ich bin kein Gründungsmitglied.

Habt ihr Nebenprojekte am laufen? Wenn ja, wie laufen die?
– Da läuft viel – jeder hat so seine Projekte bzw. Jobs die er neben Vanden Plas laufen hat. Wenn ich aber jetzt über die Projekte meiner Bandkollegen sprechen soll vergesse ich bestimmt die wichtigsten Sachen und bei anderen habe ich nicht genug Infos und erzähle was Falsches.

Hier noch ein kleines Wortspiel, schreibt einfach was euch als erstes zu folgenden Begriffen einfällt:

Essen – im Sommer jeden Tag grillen
Politik – leider ein negativ besetzter Begriff – vielleicht sollte man ein anderes Wort finden ?!
Schule – gehe seit 2 Wochen wieder hin (Musikschule – klassisches Streichinstrument)
Sport – Im Fernsehen langweilig
Internet – ohne geht nicht mehr
Kinder – nervig
Fans – wichtig
Sünden – Man sollte daraus lernen
Idole – Können enttäuschen
Autos – Unwichtig
Marotten – Unpünktlichkeit ist eine der schlimmsten
Metal1.info – Metalszene im Internet ist groß – leider zu wenig Zeit dafür