Asking Alexandria /w August Burns Red, Memphis May Fire, In Hearts Wake

  • Hamburg, Markthalle
  • 16. Oktober 2015 - 16. Oktober 2015

In enervierender Langsamkeit schiebt sich eine Schlange, die bis zum Horizont zu reichen scheint, in die Hamburger Markthalle. Dass bei Konzertbeginn noch bei weitem nicht alle Ticketbesitzer im arenahaften Saal sind, grenzt an eine planerische Unverschämtheit des Veranstaltungsorts. Doch die überwiegend recht jungen Metalcore-Fans lassen sich die Vorfreude nicht verderben.

IMG_9421Halbvoll ist die Markthalle, als IN HEARTS WAKE pünktlich beginnen, ihren absolut metalcorigen Metalcore vorzutragen. In überwiegend astreiner Klangqualität paaren sie Shouts, cleanen Gesang, ein paar gefällige Elektro-Elemente und Breakdowns, die in ihrer Intensität eine sehr gemeinverträgliche Durchschnittlichkeit erfüllen. Dass man auch beim Cleangesang am Mikro bleiben muss, um gehört zu werden, darf noch gelernt werden und auch die Ansagen könnten hier und da wenigstens etwas vom Lehrbuchtext abweichen. Die unsicher, aber dennoch IMG_9234selbstherrlich erscheinende Lässigkeit von Sänger Jake Taylor schafft Distanz, die im Song „Healer“ durch gemeinsame „No hate! No fear!“-Rufe wenigstens etwas abgebaut wird. Das Publikum, das immer vollständiger im Saal ankommt, fühlt sich zum Glück von der Musik angesprochen, was sich durch einen kleinen Aufwärm-Moshpit zeigt. Schnell noch das aktuelle Album „Skydancer“ erwähnen, bevor sich die australischen IN HEARTS WAKE mit „Devine“ von der Bühne verabschieden. Die letzten Lyrics: „We are alive!“ Passend, denn am Leben klingen sie auch – ein bisschen mehr als das wäre attraktiver.

MEMPHIS MAY FIRE starten wenig später mit einem recht gewöhnlichen Metalcore-Intro und den Worten: „We are the youth! We are the future!“ Der mittlerweile gut gefüllte Saal fühlt sich angesprochen und zeigt das durch Springen IMG_9487und Moshen. Im direkten Vergleich mit ihren Vorgängern auf der Bühne haben die Amerikaner von MEMPHIS MAY FIRE einen rockigeren Sound mit mehr Ecken und Kanten, was sich in die Breakdowns hineinzieht. Die gehen durch den ganzen Körper und an ihnen wird zum Glück auch nicht gespart. Abgesehen davon werden sie den Eindruck der Austauschbarkeit leider kaum los, aber natürlich braucht jedes Genre auch Bands in seiner Mitte, die eben nicht durch aufregenden Stilmix, sondern durch volle Erfüllung des Erwartbaren ihre musikökologische Nische rechtfertigen. Partiell ragen MEMPHIS MAY FIRE daraus hervor, erfinden allerdings auch auf ihrem aktuellen Album „Unconditional“ den Metalcore nicht neu, auch wenn die Gitarre vor allem gegen Auftrittsende interessantere Parts beizusteuern versucht. Die Stärken der Band liegen in den tiefen Tönen, was sie zuletzt mit „Legacy“ noch einmal bassbebend beweisen.

Mit AUGUST BURNS RED wird der musikalische Anspruch dann etwas angehoben. Die Menge der Teencore-Cleanparts ist reduziert und dennoch bleibt der Gesang stimmfarblich vielseitig. Der eigene Shoutingstil von Jake Luhrs kann begeistern, auch wenn er – durch die Technik oder die Mikrohandhabung – nicht in IMG_9750voller Stärke beginnt. Zu „Provision“ folgen die Fans der Aufforderung „Everybody bounce!“ und sonst findet irgendwas zwischen Moshpit und Gedrängel statt, dass von regem Interesse zeugt. Jake schwingt mit Vorliebe das Mikrofon und liefert merkwürdige, aber witzige Tanzeinlagen, deren offensichtliche Selbstironie nicht durchgehend zu fruchten scheint. Im Laufe des Konzerts etabliert sich ein Non-Stop-Moshpit mit Rücksicht auf die gelegentlichen Crowdsurfer. Songs vom neuen Album „Found in Far Away Places“ werden eingerahmt von Perlen aus der vorangegangenen Bandgeschichte von AUGUST BURNS RED: z. B. „White Washed“ und „Empire“ werden mitunter zum gern ertragen Doublebass-Belastungstest für die Gäste. Als musikalisch qualitativer Höhepunkt können die fünf Amerikaner sich jedoch auch nicht weit abheben aus dem Metalcore-Einerlei des Abends.

IMG_9886Lange lassen ASKING ALEXANDRIA auf sich warten und zelebrieren die gesteigerte Vorfreude durch ein ausgedehntes Intro, das darin mündet, dass die Fans einen Chor anstimmen: ein irgendwie selbstherrlicher, aber durchaus beeindruckender erster Eindruck. Als ersten Song jedoch einen großteils sehr ruhigen und emotionalen Titel wie „I Won’t Give In“ zu wählen, schafft eine merkwürdige Stimmungskurve. ASKING ALEXANDRIA bauen auf ein recht unkompliziertes, emotionales Fundament mit vielen Singalongs zu Musik vom Band. Den Kontrast dazu stellen die harten, aber leicht unrund klingenden Shouting-Parts von Denis Stoff dar, der erst seit diesem Jahr Danny Worsnop an der Spitze der Band ersetzt – was vielerorts weniger als Verlust, denn als Aufwertung der Konzerte angesehen wird.
Ein wenig bezeichnend ist die initiierte Wall of Death, die kaum beeindrucken kann. Unter übertriebenem Scheinwerfer-Dauerfeuer fragt man sich, wo Beleuchtung aufhört und Stroboskop-Folter anfängt. Da sie mit dem Album „From Death To Destiny“ 2013 gute Chartplatzierungen erreichen konnten, ist diese Superstar-Selbstinszenierung nicht völlig unberechtigt, schafft aber doch ein hierarchisches Gefälle zu den Fans, wo sonst im Core-Segment doch eher Gleichheit herrscht. In der Menge scheint das hier jedoch niemanden zu stören: ASKING ALEXANDRIA werden mitsingend und moshend gefeiert.

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Dieses Konzert im Mittelpunkt des Metalcore hat nicht so recht einen Spannungsbogen finden können. Variantenarm reihten sich cleaner und geshouteter Gesang an Breakdowns und Singalongs. Während sich technisch AUGUST BURNS RED ein wenig hervorheben konnten, waren natürlich ASKING ALEXANDRIA als Mainact der Liebling des jungen Publikums an einem eher innovationsfreien Bore-Core-Abend.


Geschrieben am

Fotos von: Jan Termath

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