Konzertbericht: ASP

17.03.2017 München, Backstage

„Rar und pur“ präsentieren sich ASP auf ihrer aktuellen Semi-Akustik-Tour. Unter dem Namen „Intimus“ ziehen die fünf Musiker gerade durch die Lande und spielen im reduzierten Soundgewand einige Perlen aus der Bandhistorie. Dazu gibt der Fünfer einen ersten musikalischen Ausblick auf den Herbst. Dann packen die Frankfurter erneut ihre synthesizergeschwängerten Rockklänge aus. Bis dahin zeigt sich der Schwarze Schmetterling selbst ebenso wie seine Musik, ungeschminkt und ohne viel Tamtam.

Bereits bei der 15-Jahres-Jubiläumstour 2014 stellten ASP ihr „Rar und pur“-Konzept als Teil einer Doppelshow in München und anderen Großstädten vor. Das Konzept kam derart gut an, dass die Band nach der gesellschaftskritischen „Ich bin ein wahrer … GeistErfahrer„-Tournee erneut sich selbst und ihre Instrumente in den Vordergrund rückt. Eben jenen Umstand betont der Frontmann während der Show, die wie 2014 stimmungsvoll mit „De Profundis“ beginnt, mehrfach. „Nackt“ kam als Titel nicht in Frage, wie der Sänger  (in Anspielung auf die Subway to Sally-Konzertreise) mit einem Augenzwinkern berichtet. Allerdings käme er sich genau so vor. Dass er sowohl vom Unterhaltungsfaktor als auch stimmlich an diesem Abend zu Höchstform aufläuft, liegt unter anderem auch am Münchner Publikum, das ihm bedingungslos folgt. Zwar ist das schwarze Kollektiv nicht ganz so zahlreich wie die letzten Male, doch die Anwesenden entschädigen dafür umso lauter. „Du bist nie allein“ stimmen ASP passenderweise an, ein Song mit beinahe 15 Jahre Historie, und nur eines der Highlights einer famosen ersten Konzerthälfte, genau wie die Live-Premiere von „Die vielen Jahre“.

Nein, an diesem Abend wird nicht gebrannt und auch kein „Schwarzes Blut“ vergossen. Ungeschickte Liebesbriefe gab es ebenfalls schon an anderer Stelle in ausreichender Form und die Frage nach dem „Wer sonst?“ stellt sich gerade im puren ASP-Sound nicht. Selbst der Krabat-Liederzyklus bleibt komplett auf der Strecke, obwohl einige Songs wie gemacht für das aktuelle Tourkonzept sind. Dennoch wirkt es nicht so, als ob der Menge in den über zwei Stunden etwas fehlt. „Hunger“, „Aufbruchstimmung“ und „Me“ funktionieren exemplarisch, ebenso wie das neue „Strom“ und Teile der Geschichte aus dem Leipziger Hotel Astoria. Nach den beiden Zyklen „Schwarzer Schmetterling“ und „Fremd“ kehren ASP im Herbst zu diesem Ort zurück. Mit „20.000 Meilen“ spielen die Szeneveteranen den Titeltrack des neuen Studiowerks vorab. Die Ankündigung und Preview sind gleichzeitig mit einem kleinen Wermutstropfen verbunden: Nach der Herbsttour werden sich ASP für ein halbes Jahr komplett zurückziehen. Im Vergleich zu anderen Kapellen wie den Inchtabokatables ein zu verschmerzender Zeitraum, selbst für die eingefleischtesten Fans.

Bevor es allerdings soweit ist, überführen ASP „Finger weg! Finger“ in ein akustisch-schwunghaftes Gewand und leiten durch das „Varieté Obscur“. Es fällt auf, dass die Show nicht von der Menge der Lieder lebt, sondern wahlweise von deren Intensität oder Kreativität. So ganz ohne seine Klassiker kommt der Schwarze Schmetterling allerdings nicht aus, ein kurzes „Werben“ mündet in „Fortsetzung folgt“, ehe die überzeugende Show mit „Nie mehr“ ihr Ende findet. Wer bei ASP keinen Wert auf Synthie-Rock im Goth-Gewand legt, der findet bei der aktuellen Tour viele musikalische Kleinode, die stimmungsvoll intoniert und überaus unterhaltsam präsentiert werden. Im krassen Gegensatz dazu dürfte dann die zweite Jahreshälfte mit neuem Rockmaterial stehen. Ein Glück für die Anhänger, ASP denken an sie alle.

 

 

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