Brutal Assault Open Air 2018 – Teil 2

  • Festung Josefov, Jaroměř (CZ)
  • 10. August 2018 - 11. August 2018
Konzertfotos: Brutal Assault Open Air 2018 - Freitag und Samstag

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… unter anderem mit SUICIDAL TENDENCIES (Dienstag), CANNIBAL CORPSE, GOJIRA, PARADISE LOST und TORMENTOR (Mittwoch), MOONSPELL, LAIBACH, CONVERGE und MARDUK (Donnerstag) sowie unserem Zwischenfazit!

Schon mehr als die Hälfte des BRUTAL ASSAULT OPEN AIR 2018 ist rum: Nachdem das Festival inklusive der Warmup-Show nunmehr an fünf Tagen Bands zu bieten hat, stehen den Besuchern nach zweieinhalb Konzerttagen noch zwei weitere bevor. Nach den sommerlich-heißen Temperaturen der ersten beiden Tage hat es unterdessen etwas abgekühlt – sehr zur Freude der Fans, aber gewiss auch der Bands mit Slots um die Mittagszeit.

Freitag, 11.08.17

Für die ganz Harten geht es auch heute bereits um 10:30 Uhr mit lokalem Geknüppel in Form der tschechischen Brutal-Deather CUTTERED FLESH und ihren Kollegen DEPRESY (Slowakei) los. Auch die Thrasher sind bei dem etwas kühleren Wetter zur Mittagszeit schon fit: Mit den kanadischen E-FORCE, vor allem aber den unterhaltsamen Österreichern INSANITY ALERT gibt es nicht nur bei der Maiden-Persiflage „Run To The Pit“ schon ordentlich Stoff für einen gepflegten Circlepit. Die schon überraschend zahlreich vor den Bühnen versammelten Fans lassen sich da nicht zweimal bitten. Düsterer wird es bei der tschechischen Death-Metal-Instanz HYPNOS, die ihr Album „The Whitecrow“ gelungen in Szene setzen und dafür mit reichlich Applaus bedacht werden, ehe es bei INHUME und SADISTIC INTENT wieder im Uptempo kräftig auf die Mütze gibt. [MG]

Kaum eine Band scheint in den letzten Jahren so viel durch Europa zu touren, wie HARAKIRI FOR THE SKY. Und der Einsatz macht sich bezahlt: Bei ihrem Auftritt am frühen Nachmittag ist das Infield  beeindruckend gut gefüllt. Die Österreicher gehen ganz in ihrer Show auf und beweisen, dass durch viele Live-Auftritte gewonnene Routine nicht zu einer glatten und seelenlosen Performence führen muss. [AG]

Bevor am Abend ihre Genre- und Landeskollegen von Behemoth ihre Headlinershow spielen, dürfen erst einmal HATE ran. Warum sie es im Gegensatz zu den ein Jahr später gegründeten Behemoth nie zu großer Bekanntheit schafften, ist schwer begreifbar. Die Polen beweisen nämlich heute einmal mehr, dass ihre Version von Blackened Death Metal kompositorisch und technisch durchaus mithalten kann. Dass sie für ihren Auftritt nicht über vergleichbare Mittel verfügen, resultiert natürlich in einer weniger spektakulären Show – rein musikalisch wissen HATE aber zu überzeugen.

Komplett anders geht es anschließend mit der HENTAI CORPORATION weiter. Die abgedrehte Musik der Tschechen lässt sich kaum adäquat beschreiben und kann wohl noch am ehesten mit einer experimentelleren Version von System Of A Down verglichen werden. Schade ist, dass der herumblödelnde Fronter Radek Škarohlíd nur auf tschechisch mit der Menge kommuniziert, denn anhand des schallenden Gelächters vieler der Zuschauer müssen die Ansagen und Songtexte wohl ziemlich amüsant sein. Doch auch abseits der Sprachbarriere ist es problemlos möglich, sich vom durchgedrehten Stilmix und den kreativen Ideen begeistern zu lassen. [SB]

Während die belgischen Hardcoreler NASTY eher Standardkost abliefern, kann man selbiges von PESTILENCE aus den benachbarten Niederlanden nicht behaupten: Die Tech-Deather wissen mit einer astreinen Show, die sehr vom perfekten Sound profitiert, ein weiteres Highlight des Tages zu setzen. [MG] Zeitgleich bekommen die Post-Punker GRAVE PLEASURES, die ihre packende Show am Vortrag aufgrund des Stromausfalls frühzeitig abbrechen mussten, auf der Oriental-Stage eine zweite Chance. Mit leicht geändertem Set wissen die Finnen in der ganz besonderen Atmosphäre der Innenhofbühne erneut (und diesmal in voller Länge) zu begeistern.

Auf der Jägermeister-Stage sind nun MISERY INDEX an der Reihe. Die Deathgrind-Band aus Baltimore zeigt sich motiviert und legt einen soliden Auftritt hin. Vom in absehbarer Zeit erscheinenden nächsten Album präsentiert die Band heute keinen Song, dafür aber ihre Anfang des Jahres veröffentlichte Single „I Disavow“. Fans, die sich einen kleinen Vorgeschmack erhofft hatten, müssen sich also weiterhin noch etwas gedulden. [SB]

Auch anschließend geht es hart zur Sache: Mit TERROR steht nach den Suicidal Tendencies, H2O, Converge und Comeback Kid die nächste Hardcore-Instanz im Billing des diesjährigen BRUTAL ASSAULT auf der Bühne. Wenngleich die Begeisterung des Publikums für dieses Genre traditionell generell etwas schwächer ausfällt als etwa das für Death oder Black Metal, kann die 2002 gegründete Band aus Los Angeles mit der Resonanz auf ihren einstündigen Gig doch mehr als zufrieden sein – die Mischung mit Metal-Elementen im Stil sowie die Spielfreude der Band um die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder Scott Vogel und Nick Jett scheint beim hiesigen Publikum anzukommen.

Eine echte Legende, allerdings in Sachen Melodeath, steht anschließend mit AT THE GATES auf der Jägermeister-Stage: Mit ihrem aktuellen Meisterwerk „To Drink From The Night Itself“, vor allem aber ihrem Evergreen „Slaughter Of The Soul“ im Gepäck kann bei den Schweden gar nichts schief gehen. Der schlichtweg perfekte Sound, den man wie gehört auch auf CD hätte brennen können, rundet das Live-Erlebnis ab: Hier kommt, wer auf Melo-Death der alten Schule steht, voll auf seine Kosten.

Setlist AT THE GATES

  1. To Drink From The Night Itself
  2. Slaughter Of The Soul
  3. At War With Reality
  4. A Stare Bound In Stone
  5. Cold
  6. The Circular RuinsDeath
  7. And The Labyrinth
  8. Under A Serpent Sun
  9. The Chasm
  10. Heroes And Tombs
  11. Nausea
  12. Suicide Nation
  13. The Book Of Sand (The Abomination)
  14. Blinded By Fear
  15. The Night Eternal


Irgendwie modern und „alte Schule“ zugleich sind MINISTRY: 1981 gegründet, unzählige Male aufgelöst und wiedervereint und trotzdem noch so wütend und politisch wie eh und je sind die Mitbegründer des Industrial Metal auch (oder gerade) 2018 in Bestform: Wie schon bei den vorangegangenen Indoor-Konzerten bewiesen, sind Mastermind Al und seine Mitstreiter topfit. Mit bei glasklarem Sound auf elf von zehn aufgerissenen Lautstärkereglern, einer packenden Lichtshow sowie rasant geschnittenen Videos mit viel Kritik an Patriotismus und Trump-Politik sorgen MINISTRY heute im besten Sinne für eine audivisuelle Reizüberflutung.

Setlist MINISTRY

  1. Twilight Zone
  2. Victims Of A Clown
  3. TV5/4Chan
  4. Punch In The Face
  5. Señor Peligro
  6. Rio Grande Blood
  7. LiesLiesLies
  8. We’re Tired Of It
  9. Wargasm
  10. Antifa
  11. Just One Fix
  12. N.W.O.
  13. Thieves
  14. So What


Auch BEHEMOTH gelten eigentlich als Garant für quasi perfekte Live-Inszenierung – doch ausgerechnet die polnischen Perfektionisten wissen heute nicht in vollem Umfang zu punkten: Vielleicht ist es das Karma, das heute zurückschlägt und BEHEMOTH, die sonst jede Band an die Wand spielen, nach dem ohrenbetäubenden Spektakel bei Ministry so blass erscheinen lässt. Fakt ist: Deutlich zu leise abgemischt und leider auch nicht mit dem besten Sound gesegnet, springt der Funke trotz ansonsten bis ins Detail durchchoreographiert wirkendem Stageacting und einer starken Setlist inklusive der zwei neuen Stücke „God = Dog“ und „Wolves Ov Siberia“ nicht über: Waren BEHEMOTH 2016 und 2013 noch das Highlight des BRUTAL ASSAULT, das sich wirklich niemand entgehen lassen wollte, ist es heute nicht voller als bei den anderen Konzerten des Abends – die Magie des Kollektivs, das jede Zeile mitsingt, kommt so heute leider nicht auf. Wenngleich keine schlechte Show, doch irgendwie die Enttäuschung des Festivals.

Setlist BEHEMOTH

  1. Ov Fire and the Void
  2. Demigod
  3. Ora Pro Nobis Lucifer
  4. Conquer All
  5. God = Dog
  6. Messe Noire
  7. Alas, Lord Is Upon Me
  8. Wolves Ov Siberia
  9. Blow Your Trumpets Gabriel
  10. Decade Of Therion
  11. At The Left Hand Ov God
  12. Slaves Shall Serve
  13. Chant for Eschaton 2000
  14. O Father O Satan O Sun!


Auf der Oriental-Stage bekommen im Anschluss OBSCURE SPHINX eine zweite Chance auf ihr Special-Ambient-Set, welches am Vortag dem Stromausfall zum Opfer gefallen war. Dass die Show nun mit über einer halben Stunde Verzögerung beginnt, ist das eine – was OBSCURE SPHINX hier anstellen, jedoch das andere: In weiße Jesusgewänder gehüllt, liefern die Polen uninspirierten Ambient, der nicht einmal von Wielebnas großartiger Stimme profitieren kann, da diese als einzigen „Effekt“ via Vocoder in der Höhe verschoben wird. Stumpfe Trommeln und ein Didgeridoo runden das Fiasko ab. Schade, bei der mitreißenden Atmosphäre der Band auf Album und bei gewöhnlichen Shows wäre hier mehr zu erwarten gewesen.

Genau das, was man erwartet hatte, bekommt man unterdessen bei CARPATHIAN FOREST geboten: Die Truppe um Black-Metal-Legende Nattefrost liefert den Fans rockig-schwarzer Klänge eine solide, wenn auch nicht wirklich spektakuläre Show, der es allerdings nicht an Unterhaltungswert mangelt – nicht zuletzt, da Nattefrost selbst immer wieder durchblicken lässt, dass es ihm nicht ganz so ernst ist mit der Sache wie vielen Genrekollegen. [MG]

DEAD CONGREGATION beweisen im Anschluss einmal mehr, weshalb sie als eine der – wenn nicht die – besten neuen Death-Metal-Bands der letzten Dekade gelten. Die Griechen spielen ein tightes Set, während dessen sie sich quer durch ihre beiden Alben „Graves Of The Archangels“ (2008) und „Promulgation Of The Fall“ (2014) sowie je einen Song von den beiden EPs zocken. Dabei gelingt es ihnen, brutalsten Death Metal in Songstrukturen zu gießen, sodass das Resultat eben mehr ist, als bloße Gewalt. Das Ergebnis beschreibt sich am besten mit einem Songtitel der Band: „Only Ashes Remain“. [CE]

Abseits des Hauptbühnenprogramms stehen auch heute auf der Metalgate-Stage im Zelt wieder einige Bands auf dem Programm. Eine großartige Show bieten dabei PRVNÍ HOŘE, die ihre Musik selbst als Futuristic Punk-Jazz Cabaret bezeichnen. Genau so ungewöhnlich wie diese Genrebezeichnung ist tatsächlich auch die Musik. Mitsamt Akkordeon- und Keyboardunterstützung zelebrieren die begabten Musiker eine gefällige und stimmige Mischung aus Prog-Rock und Avantgarde-Metal, die man in dieser Art sonst nicht zu Gehör bekommt. Sogar noch stärker präsentiert sich die Post-Black/-Death/-Sludge-Metal Band ULSECT. Die noch recht neue, aus Dodecahedron– und (ex-)Textures-Mitgliedern bestehende Formation schafft es bei absolut perfektem Sound mit einer massiven Wucht einen absoluten Abrissauftritt hinzulegen, sodass man von einem klaren Highlight des diesjährigen BRUTAL ASSAULT sprechen kann. [SB]

Samstag, 12.08.17

Wen nach dreieinhalb Festivaltagen mit üblicherweise nicht allzu viel Schlaf nicht einmal Kaffee richtig wach bekommt, der kann sich stattdessen von den italienischen Goregrindern GUINEAPIG wachprügeln lassen. Nach dem Death-/Doom-Metal von COFFINS und dem Deathcore von ANGELMAKER wird es dann wieder etwas anspruchsvoller.

Mit AKERCOCKE steht die nach zehn Jahren mit einem neuen Studioalbum zurückgekehrte Progressive-Death/Black-Metal-Größe wieder auf der Bühne. So richtig zu begeistern schaffen die Londoner heute aber leider nicht. Vielleicht ist es für diese Art von Musik einfach noch zu hell und zu früh. NORTHLANE liefern anschließend mit ihrem modernen Djent lediglich Standardkost ab, ehe der australische Gitarrist PLINI die Anwesenden mit seiner Instrumentalkunst verzaubert. Obgleich er merklich von seinen Fähigkeiten überzeugt ist und daraus auch in Ansagen kein Geheimnis macht, zeigt sich der 26-Jährige dennoch sehr sympathisch. Wesentlich rasanter geht es anschließend bei den Hardcore-Punkern von INTEGRITY zu, bevor ORIGIN mit ihrem Technical Death Metal den Geschwindigkeitsregler auf das Maximum aufdrehen. Obgleich die Show wie immer technisch beeindruckend ist, ist es unter Live-Sound-Bedingungen schwer möglich, das Skalengesweepe und -geshredde wirklich wahrzunehmen. Was bleibt ist eine enttäuschende, mäßig spannende Blastbeat-Show. [SB]

UNLEASHED bereits um 15:45 Uhr auf der Metalshop-Stage anzutreffen, verwundert etwas – typischerweise sind die Schweden auf Festivals meist an prominenterer Stelle vertreten. Johnny Hedlund und sein „Hammer Battalion“ lassen sich davon aber nicht beirren und servieren gewohnt soliden Oldschool-Death.

Wer diesen Sound schätzt, kann einfach gleich stehen bleiben: MESSIAH mögen sich durch ihre antireligiöse Thematik abheben, doch stilistisch knüpfen die Eidgenossen nahtlos bei Unleashed an und gönnen den kreisenden Mähnen vor der Bühne keine Pause. Ganz anders DOG EAT DOG: In den durchweg hüpfbaren Songs der Band aus New Jersey finden sich jede Menge HipHop-Einflüsse und ein Saxophon als Markenzeichen. Dieses Crossover-Intermezzo mitten in einen Nachmittag voller Death Metal zu booken war sicher ein gewagter Schritt, funktioniert aber angesichts der feiernden Menge erstaunlich gut. Mit NOCTURNUS AD folgt dann wieder eine Band aus der extremeren Fraktion, doch ihr um Samples und rhythmische Spielereien erweiterter Prog-Death ist trotz technisch überzeugender Umsetzung nicht immer gut nachzuvollziehen und wirkt so streckenweise etwas richtungslos.

Im Vergleich dazu machen es die Salzburger von BELPHEGOR den Zuhörern leichter: Hier wird einfach kompromisslos drauflos geknüppelt. Im Abendlicht und mithilfe allerhand Bühnenrequisiten ergibt sich ein Setting, vor dem die Brutalität der blastbeatlastigen Songs irgendwo zwischen rasend schnellem Black- und Death Metal optimal zur Geltung kommt. Instrumental lassen die Österreicher nichts anbrennen, und Helmuths bösartig gezischte Monologe runden das Ganze stimmig ab. Somit dürfte heute kein Fan Grund zur Klage haben.

Setlist BELPHEGOR

  1. Sanctus Diaboli Confidimus
  2. Totenkult – Exegesis of Deterioration
  3. The Devil’s Son
  4. Belphegor – Hell’s Ambassador
  5. Swinefever – Regent of Pigs
  6. Stigma Diabolicum
  7. Conjuring the Dead / Pactum in Aeternum
  8. Lucifer Incestus
  9. Baphomet


An ein gänzlich anderes Zielpublikum richten sich indes PAIN OF SALVATION: Die Schweden stimmen auch durchaus sanfte Töne an, als sie auf der Jägermeister-Stage einen eklektischen Abriss diverser Spielarten von radiotauglichem Rock über Prog- bis hin zu Nu Metal bieten. Glaubt man Bandkopf Daniel Gildenlöw, werden dabei unter anderem auch Songwünsche vom Meet&Greet berücksichtigt. Die Darbietung der Songs überzeugt bis auf ein paar kleinere Einzelheiten: So sitzen etwa die Falsett-Einlagen, die Gildenlöw und Johan Hallgren zweistimmig vortragen, nicht immer hundertprozentig, und in manchen Passagen drängen sich unschmeichelhafte Vergleiche zum Songwriting eines gewissen Herrn Åkerfeldt auf. Doch oft genug können PAIN OF SALVATION für sich selbst stehen und sorgen immer dann für äußerst stimmungsvolle Momente. [FI]

Setlist PAIN OF SALVATION

  1. Full Throttle Tribe
  2. Reasons
  3. Meaningless
  4. Inside Out
  5. Used
  6. Ashes
  7. On a Tuesday


Egal, wie man zu dem ewigen Streitthema steht, ob nun die Cavaleras oder Andreas Kisser, Derrick Green und Konsorten die „wahren“ SEPULTURA sind: Auch letzteren kann man ihren großen Unterhaltungswert nicht absprechen. So entfesseln die Brasilianer im Innenhof der Festung auch heute schier unfassbare Energie. Doch das Set hält auch einige Überraschungen bereit: Neben vier Songs vom Album „Machine Messiah“ rutschen auch drei Nummern vom eher selten bedachten „Against“ ins Set. Dazu die Klassiker wie „Desperate Cry“, „Refuse, Resist“ oder (natürlich) „Roots“ und fertig ist das Thrash-Fest. [AG]

Setlist SEPULTURA

  1. I Am The Enemy
  2. Phantom Self
  3. Kairos
  4. Territory
  5. Sworn Oath
  6. Against
  7. Choke
  8. Boycott
  9. Refuse/Resist
  10. Machine Messiah
  11. Desperate Cry
  12. Arise
  13. Ratamahatta
  14. Roots Bloody Roots


Etwas unglücklich ist leider die Überschneidung der beiden gleichermaßen selten zu sehenden Formationen Celeste (Metalgate-Stage) und CLAUDIO SIMONETTI’S GOBLIN (Oriental-Stage). Letztere entsprechen Keyboarder und Komponist Claudio Simonettis Progressive-Metal-Band Daemonia, die eine Auswahl an Werken Simonettis legendärer Band Goblin neu interpretieren. Vor allem die Filmmusikarbeiten für Horrorfilmregisseure wie Dario Argento (dessen Filme „Tenebre“ und „Suspiria“ passenderweise am gleichen Tag im Horror Cinema des BRUTAL ASSAULT gezeigt werden) oder George A. Romero („Dawn of the Dead“) finden großen Anklang bei den Zuschauern, die ihren Synthesizer-Meister enthusiastisch für seinen Auftritt feiern. Auch Simonetti selbst scheint überwältigt von der pausenlos tobenden Menge, sodass er immer wieder während des Auftritts sein Smartphone zückt und freudestrahlend die glücklichen Zuschauer filmt. Das ist zwar niedlich, wird nach einer Zeit aber leider auch etwas anstrengend. Letztlich gelingt ihm und seiner Band aber einer der denkwürdigsten und außergewöhnlichsten Auftritte des diesjährigen BRUTAL ASSAULT.

Kaum ist diese fantastische Show vorbei, folgt mit DODECAHEDRON auch schon das nächste Highlight. Lieferten ein paar der Mitglieder bereits am Vortag mit Ulsect eine meisterliche Performance ab, zeigen sich die ultrafinsteren Chaos-Black-Metaller nicht weniger stark: Bei druckvollem Sound und beeindruckender Präzision entfalten sie auf der Oriental-Stage unter dem klaren Nachthimmel eine dichte, fiese Atmosphäre. Obwohl die anstrengend dissonanten Kompositionen um diese Uhrzeit viel Ausdauer erfordern und die Truppe sich zwischendurch in zu langen Instrumentalpassagen verliert, kann man den Niederländern einen begeisternden Auftritt attestieren. [SB]

Als erste Headliner am letzten Abend haben DANZIG nach Sepulturas kraftvoller Vorlage durchaus hohe Erwartungen zu erfüllen. Allerdings wirken die Amerikaner wenig souverän: So wird die inhaltlich nachvollziehbare Aufforderung, das Mitfilmen zu unterlassen, mit der präventiven Androhung eines Showabbruchs verknüpft, und auch sonst leistet man sich diverse Allüren wie Prahlereien zur Authentizität der eigenen Musik oder unfreiwillig komische Rockstar-Posen. Dass der ansonsten standardmäßige Hard Rock der Truppe um Ex-Misfits-Sänger Glenn Danzig ganz von dessen stimmlichen Qualitäten lebt, erweist sich ebenfalls mehr als Fluch denn als Segen, haben diese doch in 30 Jahren Bandhistorie schon deutlich bessere Tage gesehen. So kann man dem Publikum nicht verübeln, dem ersten Tschechien-Gastspiel der Band eher überschaubares Interesse entgegenzubringen. Wer jemals einen Fuß in eine Rock- oder Metalkneipe gesetzt hat, könnte am Schluss zwar noch bei „Mother“ mitsingen, doch selbst diese Trumpfkarte verstehen Danzig nicht wirkungsvoll einzusetzen – eine Zugabe gibt es noch, dann ist endlich Schluss. [FI]

Setlist DANZIG

  1. SkinCarver
  2. Eyes Ripping Fire
  3. Devil on Hwy 9
  4. Twist of Cain
  5. Not of This World
  6. Am I Demon
  7. Her Black Wings
  8. Tired of Being Alive
  9. How the Gods Kill
  10. Left Hand Black
  11. Dirty Black Summer
  12. Do You Wear the Mark
  13. Bringer of Death
  14. Mother
  15. She Rides


Nach diesem Desaster kann es eigentlich mit jeder Band nur besser werden. Da jedoch niemand geringeres als Einar „Kvitrafn“ Selvik und seine WARDRUNA folgen, ist „besser“ mehr als untertrieben. Bereits das Interesse an der Show ist beachtlich: Obwohl die Norweger außer der Wikinger-Thematik nichts mit „Metal“ zu tun haben, ist der Festungshof mehr als gut gefüllt. Doch mehr noch: Ab dem ersten Stoß ins Horn ist das Publikum – ob vorne, hinten, unten oder oben auf der Naturtribüne im Bann der Band: Andächtiges Schweigen und ekstatischer Applaus wechseln sich hier ab. Der rundum perfekte Sound, der jedes einzelne der unzähligen extravaganten Instrumente durchklingen lässt, vollendet die grandiose Atmosphäre der stimmungsvollen Musik WARDRUNAs. Ein Auftritt, den man eigentlich erst einmal wirken lassen muss, anstatt ihn direkt hinter den nächsten Konzerteindrücken verblassen zu lassen.

Da trifft es sich gut, dass es auf der Jägermeister-Stage im Anschluss mit PERTURBATOR weitergeht. Der Sound des DJs James Kent hat mit Metal ähnlich wenig zu tun wie die Musik von Wardruna – mit dem Unterschied, dass der Party-Disko-Sound des Franzosen nicht im Ansatz Metal-assoziiert ist und durch seine Stumpfen Beats auch keine Atmosphäre aufkommen lässt. Unerklärlich, warum das BRUTAL ASSAULT den Act, der sonst eher Party-People auf Festivals wie Rock am Ring beglückt, nach der desaströsen Show 2016 nochmals eingeladen hat. [MG]

Insofern stehen ESOTERIC als letzte Open-Air-Band vor einer doppelt undankbaren Aufgabe, denn auch ohne den vorangegangenen Stilbruch hätten die Briten es schwer genug gehabt, die Zuhörer mit ihrem ultra-langsamen Funeral Doom bei der Stange zu halten. Auch ist die Außentemperatur stark gesunken, und so kann sich nur eine überschaubare Anzahl Hartgesottener auf die mindestens ebenso kalte Atmosphäre einlassen, die Greg Chandler und seine vier Mitstreiter auf der Bühne heraufbeschwören. Wer durchhält, erlebt noch einmal eine starke Darbietung der Genrepioniere bei einwandfreiem Sound, ehe auf der Metalshop-Stage als vorletztem Veranstaltungsort die Lautsprecher verstummen. [FI]

Wie auch schon in den Tagen zuvor steht auf der Metalgate-Zeltbühne in diesem Jahr eher wenig Bekanntes oder Reizvolles auf dem Programm. Eine Ausnahme stellt heute die vielgelobte Mathcore- und Post-Metal-Formation ROLO TOMASSI dar, die einen kreativen und energiegeladenen Auftritt abliefert. Einzig Sängerin Eva Spences Cleangesang schallt heute sehr kraftlos und leider auch nicht sonderlich tonsicher durch die Boxen, was der ohnehin suboptimalen Live-Abmischung des Gesangs nicht gerade zugutekommt. [SB]
Kraftlosigkeit kann man CELESTE dagegen nicht unterstellen: Dank Last-Minute-Änderung der Running-Order können die Franzosen ihren aggressiven Mix aus Black Metal und Post-Hardcore statt am Nachmittag im Abendprogramm zelebrieren. Ein Glück, lebt die Show doch vor allem von der „Lightshow“ der roten Stirnlampen der Musiker. In diesem perfekten Setting bekommen die Fans im vollen Zelt eine der packendsten Shows des Festivals zu sehen.  [MG]

Während draußen Perturbator auflegt, muss, wer kurz vor 1 Uhr noch Lust auf Metal hat, AURA NOIR einen Besuch abstatten. Doch das norwegische Allstar-Trio mit Ex-Mitgliedern etwa von Immortal oder Mayhem taugt beileibe nicht nur zur Verlegenheitslösung: So launig wie selbstironisch feuert „the ugliest band in the world“ (Ansage) ein flottes Black-Thrash-Brett nach dem anderen ab und profitiert dabei merklich von ihrer beachtlichen Bühnenerfahrung sowie einer überdurchschnittlichen Soundmischung im Zelt. Als vorletzte Band ein klarer Glücksgriff für alle, die es auch gegen Ende des Festivals gern fetzig mögen. [FI]
Die Rolle der letzten Band wurde den momentan gehypeten Black-Metallern von WIEGEDOOD zugeteilt, die zuletzt einen der begehrten Slots auf dem Roadburn-Festival ergattern konnten. Das zum Church-of-Ra-Kollektiv gehörende Trio beweist, dass es auch ohne Bassisten live einen wuchtigen Black Metal zustande bekommt. Mag die Musik auch kein Stück neuartig sein, so beeindrucken die Musiker doch mit ihrer Erfahrung in stimmigen schwarzmetallischen Kompositionen und bekommen zu später Stunde einen absolut würdigen Festivalabschluss gebacken.

Fazit

Auch 2018 präsentiert sich das BRUTAL ASSAULT OPEN AIR als ein Festival der ganz besonderen Art: Ein Festival, bei dem es nahezu ausschließlich um Metal und Metal-Kultur geht: Auf „Attraktionen“ wie man sie auf den deutschen Mega-Events findet, verzichtet das BRUTAL ASSAULT zum Glück (quasi) völlig: Der in diesem Jahr erstmalig vertretene Autoscooter ist für alle, denen Musik nicht ausreicht, schon das höchste der Gefühle – dürfte im kommenden Jahr aber auch gerne wieder verschwinden.

Wer nach Jaroměř kommt, kommt nach wie vor der Musik wegen. Während etwa das Wacken Open Air völlig unabhängig vom Billing nach drei Tagen ausverkauft ist, hat das im Vergleich zu den letzten Jahren etwas schwächere Billing hier direkt zur Folge, dass das Festival 2018 nicht ausverkauft ist. Für die Veranstalter natürlich suboptimal, ist es genau das, was das Event und seine Besucher so sympathisch macht: Dauerbetrunkenes Partyvolk, das in Spaßkostümen das auf dem Campingplatz mit Ballermannhits die Nacht zum Tage macht, gibt es hier trotz zunehmender Internationalisierung nach wie vor nicht:

Dabei kann man jedoch nicht behaupten, das BRUTAL ASSAULT würde sich gegen Neuerungen sperren. Ganz im Gegenteil: Die kontinuierliche Bemühung um Verbesserung ist omnipräsent. Das mittlerweile reibungslos etablierte Cashless-Pay-System auf dem gesamten Festivalgelände, mehr Bändchenausgaben, Topup-Möglichkeiten zum Aufladen des Guthabens und Toiletten sowie das immer wieder liebevoll um weitere Areale erweiterte Gelände lassen keine Wünsche offen. Einzig der Metalmarkt verliert zumindest für aus dem Metal-Schlaraffenland Deutschland angereiste Gäste von Jahr zu Jahr an Relevanz: Anders als in früheren Jahren wird hier nurmehr wenig qualitativ Hochwertiges geboten – wohingegen sich die Preise dem deutschen Niveau angepasst haben.

Ansonsten bleibt das BRUTAL ASSAULT weiterhin der Freund des Geldbeutels: Zwar ist der Bierpreis erneut geringfügig gestiegen. Je nach Sorte (diverse Kozel-Varianten sowie Pilsner) zahlt man jedoch auch 2018 kaum 2€ für den halben Liter. Im internationalen Vergleich schneidet das Festival damit jedoch immer noch sensationell ab. Gleiches gilt für das Essensangebot: Zwar sind die Preise hier mitunter etwas höher – die gebotene Qualität und Vielfalt kennt jedoch auch 2018 keine Konkurrenz.

Abgerundet durch die nahezu immer perfekte Inszenierung der Bands, was Sound und Licht angeht, sowie die immer wieder eindrucksvolle Kulisse der Festung Josefov bleibt das BRUTAL ASSAULT OPEN AIR ein absolutes Highlight der Open-Air-Saison, das man sich besser gleich im Festivalkalender für 2019 eintragen sollte.

Zur Bebilderung des Artikels wurde zum Teil auf Archivaufnahmen zurückgegriffen:
Aura Noir: Party-San Open Air 2017 (Nico Schwappacher)
Wardruna: Heidelberg 2017 (Uta A.)
Ministry, Grave Pleasures: München 2018 (Afra Gethöffer)
Konzertfotos: Brutal Assault Open Air 2018 - Freitag und Samstag

3 Kommentare zu “Brutal Assault Open Air 2018 – Teil 2”

  1. Peter

    Die Österreicher gehen ganz in ihrer Show auf und beweisen, dass durch viele Live-Auftritte gewonnene Routine nicht zu einer glatten und seelenlosen Performence führen muss. [AG]
    Bevor am Abend ihre Genre- und Landeskollegen von Behemoth ihre Headlinershow spielen,

    Behemoth sind mal sicher nicht die Landeskollegen von Harakiri. Zumindest gehört Polen schon seit längerer Zeit nicht mehr zu Österreich, nicht?

    Im Vergleich dazu machen die Oberösterreicher von BELPHEGOR es den Zuhörern leichter:

    Belphegor sind mal FIX keine Oberösterreicher sondern Salzburger.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Solange nicht unsere musikalische oder sprachliche, sondern nur die geografische Kompetenz in Frage zu stellen ist, bin ich eigentlich ganz zufrieden ;) Danke trotzdem für das Feedback!

  2. Simon Bodesheim

    „Bevor am Abend ihre Genre- und Landeskollegen von Behemoth ihre Headlinershow spielen, dürfen erst einmal HATE ran. “

    „ihre“ bezieht sich auf Hate, nicht auf Harakiri for the Sky im Absatz davor.

    Bei Belphegor ist’s wohl an den Geographiekenntnissen gescheitert. ;) Ist ausgebessert, danke für den Hinweis.

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