CD-Review: Sepultura - Machine Messiah

Besetzung

Derrick Green – Gesang
Andreas Kisser – Gitarre
Paulo Jr. – Bass
Eloy Casagrande – Schlagzeug, Percussion

Tracklist

01. Machine Messiah
02. I Am The Enemy
03. Phantom Self
04. Alethea
05. Iceberg Dances
06. Sworn Oath
07. Resistant Parasites
08. Silent Violence
09. Vandals Nest
10. Cyber God


Seit über zwei Jahrzehnten spaltet kaum ein Name die Thrash-Szene so wie SEPULTURA: Für die einen ist die Band seit dem Ausstieg von Max Cavalera 1996 bildlich gesprochen nurmehr ein ziellos umherirrendes, kopfloses Huhn. Für die anderen die vielleicht abwechslungsreichste Thrash-Metal-Band der Welt. Denn eines muss man ihnen lassen: Bei ihren Bemühungen, den verbliebenen und neu gewonnenen Fans immer wieder anders klingendes Material zu bieten, schrecken SEPULTURA vor kaum einem Experiment zurück.

Auf das mitunter fast in Richtung Grindcore gedriftete „A-Lex“ und das nicht nur dem Namen nach sperrige „The Mediator Between Head and Hands Must Be the Heart“ folgt nun das vergleichsweise simpel betitelte achte Album der Post-Max-Cavalera-Ära, „Machine Messiah“. Und damit das erste, das auch die Aufmerksamkeit der Oldschool-Fans verdient hat. Dass das Cover vom Bildaufbau her subtil an „Arise“ erinnert, dürfte kein Zufall sein – denn auch musikalisch liefern SEPULTURA mit „Machine Messiah“ ihr klassischstes Thrash-Album seit den frühen 90ern ab. Ohne dabei jedoch auf Experimente zu verzichten.

Auf das für ein ordentliches Thrash-Album quasi obligatorische Clean-Gitarren-Intro und den daran hängenden, ruhigen Titeltrack geht die Reise zunächst genretypisch weiter: Schnörkellos und ohne Umwege prügeln SEPULTURA mit „I Am The Enemy“ drauflos. Spannender ist, was danach passiert: Mit Tribal-Percussions und mal orientalisch angehauchten, mal furios solierenden Streichern als Bonus zum groovenden Thrash-Riffing hat „Phantom Self“ einiges zu bieten. Verallgemeinert gilt das auch für die nachfolgenden Songs: Schmissiges Riffing, mit dem SEPULTURA alle Tempozonen vom groovigen Midtempo bis zum flinken Uptempo unsicher machen, und überraschende Elemente wie Hammond-Orgel und Konzertgitarre im packenden Instrumental „Iceberg Dances“ sorgen dafür, dass „Machine Messiah“ vom ersten bis zum letzten Song die sprichwörtliche Wundertüte bleibt. Mit einem breit gefächerten Stimmungs-Spektrum, das von episch bis kernig, von gefühlvoll bis brutal reicht, schießen SEPULTURA sogar weit über alle Erwartungen hinaus. Denn sind wir ehrlich: Ein wirklich packendes, vor allem aber vielseitiges Thrash-Album hätte man nach den letzten Werken nicht mehr unbedingt erwartet.

Eines muss man SEPULTURA lassen: Statt sich auf den von den Cavalera-Brüdern gepflanzten Lorbeeren auszuruhen, erfinden die Herren Kisser, Green und Paulo Jr. die Band seit Abschluss ihrer fünfjährigen Orientierungsphase zwischen „Against“ und „Nation“ mit jedem Album neu. Frei nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert“ folgen SEPULTURA dabei scheinbar nurmehr ihrem Bauchgefühl. Genau diese Herangehensweise, die in den letzten Jahren zu einigen umstrittenen Alben geführt hat, sorgt nun für eine kleine Sensation: Dem ersten SEPULTURA-Album nach 1996, das den Ansprüchen, die immer noch an diesen altehrwürdigen Namen geknüpft sind, wirklich gerecht wird.

Bewertung: 8.5 / 10

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3 Kommentare zu “Sepultura – Machine Messiah”

  1. Yussuf

    Vorallem Sworn Oath und Resistant Parasites sind Knaller vor dem Herrn!
    Die Tribalelemente klingen diesmal total nach NahOst bzw. Indien, was ich absolut ansprechend finde. Die Beste Sepultura seit Dante XXI.

  2. Simon Bodesheim

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich in diesem Leben mal auf ein Sepultura-Album stoße, das mir gefällt. Tja, so kann man sich täuschen.

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