Konzertbericht: Crippled Black Phoenix w/ Temple Fang

11.05.2026 München, Backstage (Halle)

In keinem Land der Welt spielen CRIPPLED BLACK PHOENIX lieber als in Deutschland – zumindest könnte man zu diesem Eindruck kommen. Denn obwohl in dem international besetzten Projekt nicht ein Deutscher mitwirkt, stand die Band hierzulande öfter zu sehen als in jedem anderen Land der Welt – und zwar gleich dreimal so wie in ihrer zweitplatzierten (Teil-)Heimat England. Doch auch hier hatten sich CRIPPLED BLACK PHOENIX zuletzt rar gemacht: Seit ihrer letzten Tour 2022 hat die band insgesamt nur 13 Shows gespielt, drei davon hierzulande. Mit ihrem neuen Album „Sceaduhelm“ sowie TEMPLE FANG aus den Niederlanden als Support kehren Justin Storms und seine Mitstreiter:innen nun wieder mit einer richtigen Tour auf die Bühne zurück.

Nachdem die Band bei ihrem letzten Gastspiel in München vor einer vergleichsweise kleinen Publikumsschar spielen musste, füllt sich die Backstage Halle heute erfreulich gut – und das bereits zur Vorband. Doch nicht nur die Zahl der Fans, sondern auch ihre spürbare Vorfreude auf den Opener zeigt, dass TEMPLE FANG die richtige Wahl für den Slot waren: Die Niederländer haben nicht nur Die-Hard-Fans aus ihrer Heimat mitgebracht, sondern begeistern auch das restliche Publikum im Handumdrehen mit ihrem energiegeladenen Mix aus Stoner und 70’s-Rock: Der ist mit den entsprechenden Klamotten, Räucherstäbchen und einem herrlich warm-weichen Gitarrensound nicht nur stimmungsvoll umgesetzt, sondern überzeugt vor allem durch die lebendige Interpretation, die im besten Sinne an eine Jam-Session erinnert. So fällt rasch nicht nur die Band in eine fast meditative Trance, sondern zieht das Publikum in ihre technisch herausragend dargebotenen Songs. Um von dieser Show begeistert zu sein, muss man kein Fan des Genres sein – dieses Quartett begeistert durch Authentizität und Können gleichermaßen, sodass die ihnen zugestandenen 50 Minuten auch ohne viel stilistische Abwechslung wie im Fluge.

Deutlich düsterer wird es bei CRIPPLED BLACK PHOENIX: Angeführt von Gitarrist und Bandleader Justin Greaves sowie Sängerin Belinda Kordic startet das Sextett mit „444“ von „The Resurrectionists“ (2009) und „Wyches And Basterdz“ von „Banefyre“ (2022) ins Set, ehe sie mit einem ganzen Block aus fünf Songs das neue Werk „Sceaduhelm“ vorstellen. Die musikalische Vielfalt der extrem veröffentlichungsfreudigen Band ist damit bereits gut umrissen: Der Bogen reicht von düsterem Rock, über Post-Metal bis hin zu Hardcore (!) in der finalen Zugabe nach gut 100 Minuten, dem CRO-MAGS-Cover „Hard Times“, für das sich CRIPPLED BLACK PHOENIX ein Crewmitglied als Sänger auf die Bühne holen.

Die Sängerthematik ist bei CRIPPLED BLACK PHOENIX aber ganz generell ein wiederkehrendes (oder sollte man sagen: kontinuierliches Problem): Mit dem Amerikaner Justin Storms haben CRIPPLED BLACK PHOENIX nach dem überraschenden Ausstieg von Joel Segerstedt eher einen Interims-Sänger als einen neuen Fronter gefunden. Zwar tut der alles, seiner Rolle gerecht zu werden, so richtig eingegroovt wirkt die Formation aber noch nicht, und auch stimmlich kann Storms die Lücke bei aller Bemühung nicht ganz füllen.

Auch sonst haben CRIPPLED BLACK PHOENIX einmal mehr eine umfassende Neu-Formierung hinter sich: Mit Timo Kosi sitzt seit diesem Jahr ein neuer Schlagzeuger hinter den Kesseln (nachdem Jordi Farré zu THE OCEAN abgewandert ist), Bass spielt seit 2025 Wesley J Wasley und am Keyboard und Saxophon ist nach zweijähriger Pause Georg Paco Nitschke zurückgekehrt. Initial 2021 dazugestoßen, ist der nunmehr neben dem Führungsduo das dienstälteste Mitglied – denn auch Gitarrist René Misje ist erst seit 2023 dabei. Insbesondere in diesem Lichte betrachtet, ist es beeindruckend, wie CRIPPLED BLACK PHOENIX auch heute als Band funktionieren: Ob altes oder neues Material – die Performance groovt und begeistert.

  1. 444
  2. Wyches And Basterdz
  3. Ravenettes
  4. Things Start Falling Apart
  5. Hollows End
  6. Vampire Grave
  7. Colder And Colder
  8. The Reckoning
  9. Spider Island
  10. Dead Is Dead
  11. We Forgotten Who We Are
  12. Hold On (So Goodbye To All Of That)
  13. Song For The Unloved
  14. Rise Up And Fight
  15. Hard Times (CRO-MAGS-Cover)

CRIPPLED BLACK PHOENIX bleiben auch 2026 eine besondere Band – stilistisch sowieso, aber auch durch ihre Art der Performance, die stetig zwischen impulsiv rockig und gefühlvoll ruhig changiert. Ob Justin Storms eine Dauerlösung bleibt, darf bezweifelt werden – schon allein aufgrund der beträchtlichen Zusatzkosten, um ihn für jede Show aus den USA einzufliegen. Eines ist also gewiss: Es bleibt spannend bei CRIPPLED BLACK PHOENIX.

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Moritz Grütz

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