
Nach über zehn Jahren kommen FROM ASHES TO NEW zum ersten Mal überhaupt mit ihrem derzeitigen Line-up nach Deutschland, ins SO36 in Berlin. Das passiert nicht ganz ohne Grund, denn sie sind auf Promotour zu ihrem Album „Reflections“. Bereits vor Beginn sieht man, wie hungrig die Berliner nach so langer Zeit sind. Es bildet sich gut 30 Minuten vor Einlass eine lange Schlange, die fast bis zur nächsten Kreuzung reicht. Die Schlangen setzten sich im ausverkauften und somit bis auf den letzten Platz gefüllten SO36 an der Bar und am Merch fort. Als Support ist das Schweizer Alternativ-Rock-Duo COMASTATIC dabei, um die erwartungsvolle Meute vorzubereiten.
Ein gerapptes Intro kündigt COMASTATIC an und der Opener „Back4blood“ bringt bereits einige Köpfe zum Mitwippen. Animationen stehen derzeit grundsätzlich hoch im Kurs: Kurzerhand lässt Sänger Mattia Di Paolo bereits mit dem zweiten Song die Willigen im Publikum auf- und abspringen. Seine Ansagen lockern das Set immer wieder auf und bieten eine schöne Möglichkeit zur Interaktion mit den Besuchern des SO36. Während der Songs ist im Publikum eher weniger Bewegung drin, es braucht schon mal eine Aufforderung, damit die Arme nach oben gehen oder mitgeklatscht wird.

Mit „Halo“ wird es freizügiger und Mattia Di Paolo entledigt sich seiner Jacke, dem einzigen Kleidungsstück, das er am gestählten Oberkörper bis dahin getragen hat. Entsprechend härter geht es weiter und er versucht, zu „Zorro“ mehr Bewegung vor die Bühne zu bringen, was aber bisher nicht so richtig gelingen will. Berlin lässt sich noch bitten. Das könnte unter anderem daran liegen, dass Autotune den Gesang oft verzerrt. Das ist für ein Metal-Konzert doch eher ungewöhnlich. Die härtere Gangart in den Songs wird beibehalten, was mit vereinzelten frenetischen Schreien belohnt wird.
Mattia Di Paolo weist darauf hin, dass COMASTATIC nach dem Set am Merch zu treffen sind und mit „Self Sabotage“ wird das Set abgeschlossen. Der Song bringt an den Instrumenten noch mal eine Schippe an Härte mit sich. Auch kommen Screams, bei dem sonst vordergründigen Klargesang, zum Einsatz. Die Crowd bleibt bis zum Schluss zurückhaltend. Möchte man sich eventuell die Energie für den Hauptact aufheben? Die Stimmung ist auf jeden Fall hervorragend, die Hütte voll bis unters Dach und es wird kontinuierlich wärmer im SO36.
- back4blood
- American Nightmare
- Sway[ed]
- Heavy Glow
- Halo
- ZORRO
- 24seven
- Primitive
- Self Sabotage
Mit ihrem Intro haben FROM ASHES TO NEW genau den richtigen Riecher gehabt. Denn bei „Everybody“ von den BACKSTREET BOYS ist das Publikum direkt dabei. Vom ersten Song an ist deutlich mehr Druck und Power als zuvor da. Das merkt man vor allem daran, dass niemand mehr animieren muss, denn das SO36 macht schon zu den ersten Takten geschlossen mit. Sieht man zu „New Disease“ zuerst nur Danny Case am Mikro auf der Bühne, kommt Matt Brandyberry zu „Nightmare“ dazu. Dazu beweist das Publikum bereits eine respektable Textsicherheit, der Jubel ist beinahe ohrenbetäubend.

Die Jungs bringen eine super Energie rüber und das kommt entsprechend an. Es wird schon alles richtiggemacht, nur der Pit fehlt noch. Gitarrist Lance Dowdie fällt durch abwechselnde Maskierungen auf, die gut zur Atmosphäre der jeweiligen Songs passen. Bei „Drag Me“ darf auch mal die erste Reihe mitsingen. Matt Brandyberry hält das Mikro dafür gern rein, eine wirklich schöne Geste. Auch FROM ASHES TO NEW wissen es mit ihren Ansagen und Interaktionen zu überzeugen, während es im SO36 immer heißer wird. Zu „Monster In Me“ taucht das Licht die Bühne in ein tiefes Grün, generell setzt die Produktion die Lichtstimmung gut. Die Rap-Passagen kommen dabei gut rüber, lockern zwischendurch auf und ermöglichen es dem Publikum, zum ersten Mal ein wenig Luft zu holen.
Zu „Scars That I’m Hiding“ schaffen es FROM ASHES TO NEW, das gesamte SO36 zum Singen zu bewegen. Nach über 10 Jahren muss hier viel und laut raus. „Barely Breathing“ kündigt sich mit einer emotionalen Ansage gegen alle Menschen an, die einen herunterziehen, mit „Villain“ geht es in einer ganz ähnlichen Stimmung weiter. Endlich fordert Danny Case das Publikum auf, einen Pit zu starten. Dieser wird umgehend geöffnet und es kommt endlich die mehr als verdiente Bewegung vor die Bühne. Diese dehnt sich über die Zeit bestimmt auf die dreifache Größe aus, die ersten circa 15 Reihen sind gut beschäftigt.
In „Dead To Me“ wandelt sich das unkoordinierte Geschubse in einen rotierenden Circle-Pit, dabei erinnert der Song passagenweise an LINKIN PARK. Danach wird es wieder etwas ruhiger bis zum letzten Song des Sets, „Panic“. Zu diesem wird der Fotograf kurzerhand auf Händen der Besucher quer durch das SO36 getragen. Dieser schafft es bis zur Bar, was bei der schlauchförmigen Location eine durchaus beachtliche Strecke ist. Mit großem Jubel werden FROM ASHES TO NEW vom Publikum verabschiedet, bevor sie die Bühne an diesem Abend verlassen.
01. Everybody (Backstreet’s Back)
02. New Disease
03. Nightmare
04. Heartache
05. Drag Me
06. Monster In Me
07. Scars That I’m Hiding
08. Hate Me Too
09. My Name
10. Barely Breathing
11. Villain
12. Dead To Me
13. Nothing
14. Through It All
15. Die For You
16. Panic
17. Higher (Creed)
An diesem Abend und nach so langer Zeit haben FROM ASHES TO NEW in Berlin definitiv alles richtig gemacht. Das Publikum im SO36 war ausgehungert und hat sich an diesem Abend sattsehen und -hören können. Die ausgelassene Stimmung hat man über die gesamte Dauer gespürt und sie hat angesteckt. Auf die kommenden Auftritte der fünf Jungs aus Pennsylvania darf man sich auf jeden Fall freuen.
Facebook Instagram Bandcamp
