Mayhem w/ Nuctemeron, Malsain

  • München, Backstage Halle
  • 12. März 2008
Konzertfotos: Mayhem

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Stell dir vor, es ist MAYHEM, und keiner geht hin. So ungefähr lässt sich das Bild beschreiben, das sich zum Einlass pünktlich um 19.30 Uhr bietet: Keine zwei Dutzend Fans stehen vor der Halle.

NuctemeronDaran hat sich bis NUCTEMERON die Bühne betreten, wenig geändert und so ist die Stimmung dann auch eher verhalten. Doch auch in einer vollen Halle hätte die Band wohl wenig Anklang gefunden: Mäßig kreative Riffs, unsauber gespielt, begleitet von primitivem Drumming und das ganze mit größeren Timing-Schwächen. So hat man nicht nur einmal das Gefühl, dass sich Drummer und Bassist beide am Tempo des Gitarristen/Sängers orientieren, da dieser ihnen schlicht davonläuft. Viel mehr ist nicht zu sagen: Das Resultat, eine wenig ansehnliche Mischung aus Black und Thrash, rockt nur mäßig, so dass NUCTEMERON nach ihrem halbstündigen Set keiner nachtrauert.

Nach ungefähr 20 Minuten Umbaupause ist es Zeit für MALSAIN, eine eher progressive Black-Metal-Band, die besonders dadurch auffällt, dass eine Frau für die doch recht harschen Vocals zuständig ist und dass der Bass zentraler eingebaut ist als die Gitarre. Auch diese Band findet allerdings nicht besonders viel Anklang beim Publikum, obwohl man merkt, dass die Musiker, die hier am Werke sind, ihre Sache wirklich gut machen. So spielen sich MALSAIN mit viel Elan durch das Set und bedanken sich zwischen den Songs artig beim Publikum. Doch der Hauptact wirft seine Schatten vorraus: Chancen, das wartende Publikum zu begeisternt, hat heute wohl nur eine Band.

Und dann beginnt das Warten. Ein Bühnenvorhang wird vorgezogen, man achtet penibel darauf, dass dieser auch geschlossen bleibt, und lässt sich Zeit. Eine geschlagene Stunde, um genau zu sein. Doch dann, nach einer schier endlos erscheinenden Zeit des Harrens, Erwartens und Gespannt seins, ist der Augenblick gekommen. MAYHEM. Eine Legende. Im halb leeren Backstage.

Mayhem 2008Intro, Vorhang auf, und da sind sie, leibhaftig und tatsächlich: Necrobutcher, Blasphemer, Hellhammer. MAYHEM. Deren Anwesenheit jedoch verkommt zur Nebensache. Die Blicke zieht ein Konstrukt in der Bühnenmitte auf sich: ein an ein Ölfass gebundenes, mit drei Schweine- köpfen verziertes Holzkreuz auf sich, an dem ein zersägter Metalljesus hängt. Hängt im wahrsten Sinne des Wortes, da man ihm noch einen Galgenknoten um den Hals gelegt hat.

Los geht es mit „Deathcrush“. Erster Gedanke: Gitarre zu leise. Der zweite Gedanke jedoch ist der interessantere, dreht er sich doch um die Gestalt, die nun die Bühne betritt: Attila. Dieser Gedanke jedoch befasst sich weniger mit Attila als Person, Attila als Sänger, Attila als Legende. Der Gedanke dreht sich vielmehr darum, wie, genauer wie gekleidet Attila die Bühne betritt. Skurril wäre einer der Termini, die der Situation angemessen wären.

Mayhem 2008Der Fronter steckt nämlich in einem aus Jutesäcken und Kopfkissen genähten Kostüm, das über und über mit tierischen Innereien an Fleischerhaken behängt ist, während sein Gesicht gänzlich mit einer aus Silikon gespritzten Maske bedeckt ist.
So weit, so gut, man ist schließlich nicht auf einem Kindergeburtstag, und was erwartet man von einer Band wie MAYHEM. Attilas Gesang, zuerst ebenfalls noch zu leise, später in angemessener Lautstärke gemischt, ist, wie erwartet beeindruckend: Der Ungar röchelt, würgt und brüllt sich die Seele aus dem Leib. Vor allem „View From Nihil“, viel kraftvoller und agressiver herausgeschrieen, als bei der von Maniac eingesungenen Album-Version, weiß zu überzeugen. Die Gitarre hingegen bietet, des diesbezüglich katastrophalen Sounds wegen, nicht immer einen Anhaltspunkt bei der Lösung des Rätsels, in welchem Song man sich wohl grade befindet. Eher schon das Schlagzeug: Hellhammer trommelt gnadenlos, wie man es sich vorgestellt hat, wie man es sich wünscht.

Mayhem 2008All dies jedoch scheint der Band eher nebensächlich zu sein. Die Instrumentalisten wirken wie Statisten in einem Theaterstück: Sie sind da, machen ihren Job, und der ist dann besonders gut erfüllt, wenn keinem etwas auffällt. Das einzige, was neben der konstant zu leisen Gitarre über knappe 60 Minuten hinweg durchgehend auffällt, ist Attila, der passioniert herumsaut.
Unter herumsauen ist zu verstehen, dass der gute Mann sich über die komplette Spielzeit als Aktionskünstler versucht, indem er das blasphemische Konstrukt in der Bühnenmitte mit diversen Flüssigkeiten, Schleim, Erde, Gestrüpp, einem Schweinefuß sowie einer Machete bearbeitet. Nette Idee, leider etwas unausgereift, bietet doch das beschmutzen eines Jesus zwar eine kurzweilige Beschäftigung, jedoch nicht den Plot für eine einstündige Show.

Mayhem 2008So erklärt sich von selbst, dass die Geste „Zerteilung des geteilten Jesus mit einer Machete“ oder das Besudeln des gesamten Gebildes mit Siff und Schlonz nach mehrmaliger Wiederholung keine besondere Spannung mehr zu erzeugen weiß. Vielmehr wendet sich der zu Beginn noch als passend empfundene Effekt mit jeder Wiederholung immer weiter ins Peinliche bis hin zum Lächerlichen. Die Musik scheint Beiwerk einer Inszenierung zu sein, in deren Mittelpunkt ein stark bewusstseinserweiterter Attila steht, der leidenschaftlich, beinahe liebevoll Jesus und Schweinekopf mit Flüssigkeiten einreibt. Dass es sich bei diesen nicht einmal um echtes Blut, sondern um ein Ketchup-Bratfett-Gemisch handelt, trägt sein übriges dazu bei, die Show ins absolut Lächerliche abdriften zu lassen.

Nach zehn Liedern setzt das unausweichliche „Pure Fucking Armageddon“ ein, showtechnisch mäßig gelungen durch das Umschmeißen der Skulptur zum Ausdruck gebracht, bevor die Band die Bühne grußlos verlässt.

Mayhem 2008


Setlist MAYHEM:

01. Deathcrush
02. Ancient Scin
03. Illuminate
04. View From Nihil
05. Freezing Moon
06. Symbols
07. To Daimonium
08. Time To Die
09. My Death
10. Anti
11. Pure Fucking Armageddon

 

Was bleibt, ist eine Mischung aus der Freude, MAYHEM gesehen zu haben, und der Enttäuschung über eine schlicht überflüssige Show: MAYHEM hätten sich ebenso gut darauf beschränken können, mit ihrer Musik zu überzeugen – dabei wäre gewiss mehr Atmosphäre aufgekommen als bei dieser klischeeerfüllenden, stupiden B-Klasse Splatter-Show.

Mayhem 2008

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