Status Quo w/ Uriah Heep, Das Kubinat

  • Schlossgarten, Schwetzingen
  • 04. August 2017

Nach über 45 Jahren aktiven Dienst am Rock n´ Roll haben STATUS QUO – nachdem man im Dezember des vergangenen Jahres den Tod von Sänger und Gitarrist Rick Parfitt beklagen musste – bekannt gegeben, dass man nun die letzte Tour im elektrischen Gewand zu spielen gedenkt. Das Alter fordert seinen Tribut. Im Schlossgarten des nordbadischen Örtchens Schwetzingen lädt die Band mit Unterstützung durch die Landsmänner von Uriah Heep ein zur „Last Night Of The Electrics.“

Der räumliche Rahmen, in dem das frühabendliche Konzert stattfindet, hat zwar eingestandenermaßen etwas Beeindruckendes, die feudale Kulisse des Schwetzinger Barockschlosses wirkt hinsichtlich des Umstandes, dass man sich ja im Kontext eines Rock-Konzertes bewegt, auch ein wenig befremdlich. Passend zur den Besucher umflorenden monarchistischen Bausubstanz kostet der Becher Wasser dann aristokratische vier Euro; selten man hat mit ähnlicher Leichtigkeit zur Gerstensaftkonkurrenz gegriffen.
Obwohl sich der Platz vor der Bühne langsam füllt, wird es auch zur besten Zeit nicht wirklich voll. Am Ende sind es circa 3000 Menschen eher gehobenen Alters, die noch einmal die Gelegenheit wahrnehmen, die Briten um Francis Rossi im gewohnten Elektro-Setting anzuhören. Angesichts des Umstandes, dass das Publikum konsequent mit seiner Band gealtert und die Dichte an künstlichen Gelenken ergo überdurchschnittlich hoch ist,  wundert es einen dann doch, dass das Mitbringen selbst kleinster Sitzgelegenheiten aufgrund von Sicherheitsbedenken verboten ist. Ob dergleichen Rigorismus wirklich nötig gewesen wäre? Das Publikum nahm es mit Ausnahme einzelner Murrender mit Humor – respektive demütiger Ergebenheit.
Den Anfang machen sodann bei strahlendem Sonnenschein aber nicht die Alt-Rocker von Uriah Heep, sondern eine bayerische Band mit dem Namen DAS KUBINAT. Die sichtlich gut gelaunte Gruppe spielt eine glatte und gefällige Mischung aus Rock und Pop in bayerischer Mundart, die sicherlich nicht nur bei mir Vergleiche mit der Spider Murphy Gang provozieren und bekundet mehrmals, welche Ehre es sei, hier auf der Bühne zu stehen. Zwar geht die Musik der Band gut ins Ohr, aber ein unbedingt glückliches Händchen hat man mit der Wahl dieser Gruppe als Opener nicht unbedingt bewiesen, die dargebotene Dahoam-Dahoam-Romantik fügt sich nur mühsam ins Gesamtbild des Abends. Einen schlechten Job macht DAS KUBINAT allerdings nicht und wird nach einer guten halben Stunde mit mehr als nur wohlwollendem Applaus und dem mittlerweile obligatorischen Selfie verabschiedet.
Obwohl ich mich seit Jahren zu den Fans der britischen Rocker zähle und vor allem die Alben mit Bernie Shaw am Mikro sehr schätze, hat es bis heute Abend gedauert, um die Band einmal live zu sehen. Was auch immer die Gründe dafür gewesen sind, der heutige Auftritt sollte den makellosen Eindruck der Gruppe, den ich seit Jahren mit mir herumtrage, vollauf bestätigen. URIAH HEEP betreten die in gleißendes Sonnenlicht getauchte Bühne, um mit dem Klassiker „Gypsy“ ihr gut einstündiges Konzert zu eröffnen. Die Wahl des Openers macht von Beginn an klar, dass der Auftritt sich auf die Hits der 70er-Jahre konzentriert und so folgen, lediglich von kurzen, amüsanten Ansprachen an das Publikum unterbrochen, Songs wie „Look At Yourself“, „Stealin'“ oder das Gänsehaut garantierende „July Morning“, die für anhaltende Hochstimmung sorgen. Die Band spielt sich tight durch ihre allseits bekannten Rock-Hymnen und Shaw singt singt streckenweise geradezu herausragend gut. Der Sound ist transparent und satt, wobei die mehrstimmigen Gesangsparts hier und da hätten etwas klarer ausgesteuert werden können. Mit „Between Two Worlds“ vom grandiosen „Sonic Origami“-Album gibt es dann genau einen Song aus der Shaw-Ära, bevor mit dem von vielen Kehlen gesungenen „Lady in Black“ und dem unvermeidlichen Gassenhauer „Easy Livin'“ URIAH HEEP ihr Konzert ohne weitere Zugabe beenden. Schade, ich hätte den Herren gerne noch länger zugehört. Super Auftritt!

Setlist Uriah Heep

  1. Gypsy
  2. Look At Yourself
  3. Sunrise
  4. Stealin'
  5. One Minute
  6. Between Two Worlds
  7. July Morning
  8. Lady In Black
  9. Easy Livin'



Dass STATUS QUO am heutigen Abend nichts anbrennen lassen und ein Set an Klassikern auffahren würden, stand zu erwarten und die Band startet auch gleich mit einer ordentlich druckvollen Version von „Caroline“ in einen gut eineinhalbstündigen Auftritt, der einen umfassenden Querschnitt durch das musikalische Repertoire von knapp fünf Jahrzehnten bietet. Francis Rossi bietet das gewohnte Bild des entspannt lächelnden Rock-Senioren, der lässig Riff um Riff ins Publikum schleudert und Bassist John Edwards spielt dermaßen energiegeladen, dass man den Eindruck bekommt, die Band könnte in dieser Besetzung durchaus noch einige Jahre die großen Bühnen bespielen. Auch Richie Malone, der die Position des verstorbenen Rick Parfitt übernommen hat, fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Und doch: Parfitt fehlt, sein markanter Gesang fehlt und vor allem fehlt seine holzfällerartige Rhythmusarbeit. Dass eine solche Lücke kaum zu schließen ist, ist klar; dass Parfitt den ganzen Abend durch keine Erwähnung findet, hat mich aber insgeheim doch etwas irritiert. STATUS QUO rocken sich jedenfalls routiniert durch ihr Set und wenn es bei weniger bekannten Nummern etwas stiller wird im Publikum, so singt man bei Songs wie „In The Army Now“, dem krachenden „Down Down“ oder „Whatever You Want“ umso lauter mit. Mit dem Welt-Hit „Rockin‘ All Over The World“ und zwei Cover-Songs der Rock-n-Roll-Ikone Chuck Berry verabschieden sich STATUS QUO schließlich in eine warme Nacht und hinterlassen eine weitestgehend zufriedene und müde getanzte Menge.

Setlist Status Quo

  1. Caroline
  2. Something 'bout You Baby I Like
  3. Rain
  4. Softer Ride
  5. Beginning Of The End
  6. Hold You Back
  7. What You're Proposing / Down the Dustpipe / Wild Side Of Life / Railroad / Again And Again
  8. Paper Plane
  9. In The Army Now
  10. Roll Over Lay Down
  11. Down Down
  12. Whatever You Want
  13. Rockin' All Over The World
  14. Rock And Roll Music / Bye Bye Johnny


Fazit: Der Abend hat gezeigt, dass man niemals zu alt ist für Rock n‘ Roll. URIAH HEEP und STATUS QUO haben einen äußerst unterhaltsamen und Hits-gesättigten Abend geboten, der den satten Eintrittspreis von knapp 65 Euro sowie die teils lächerlichen Getränkepreise zumindest verkraften lässt. Wer die Gelegenheit genutzt hat, einer der dienstältesten Rock-Institutionen der Welt farewell zu sagen, dürfte voll auf seine Kosten gekommen sein.

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