CD-Review: Agrypnie - F51.4

Besetzung

Torsten - Gesang, alle Instrumente

Tracklist

01. Intro
02. Und führet mich nicht in Versuchung
03. Auf den nackten Korridoren
04. Cogito Ergo Sum
05. Kerkerseelenwanderung
06. Spiegel?
07. Masken
08. Glas
09. Outro


Nachdem es in den letzten Jahren um Nocte Obducta immer stiller wurde, rief 2004 Sänger Torsten sein Soloprojekt AGRYPNIE ins Leben. Als Songwriter holte er sich seinen langjährigen Bandkollegen Marcel Traumschänder mit an Bord und gemeinsam setzte man dort an, wo man mit „Galgendämmerung“ und „Still“ bei Nocte Obducta aufgehört hatte. Nach einer durchschnittlichen Split mit Fated erschien 2006 die erste offizielle Langrille. Die ständigen Vergleiche mit der „Vorgängerband“ sind bei diesem Stil, dieser Besetzung und diesem Sound leider nicht zu vermeiden. Denn AGRYPNIE verleugnen ihre Wurzeln keineswegs.

So begrüßt das Album „F51.4“ mit den gewohnt ruhigen Tönen den Hörer. Der ungewöhnliche Albumtitel lässt sich vermutlich auf den medizinischen Code für „Pavor Nocturnis“, die Nachtangst, zurückführen. Thematisch wird die Nachtangst bei den kommenden 9 Songs zwar nur bedingt aufgefasst, der aufkommenden Atmosphäre nach ist dieser Titel allerdings recht treffend.Ab der Mitte des Intros setzen verzerrte Gitarren und Schlagzeug ein und leiten zum ersten Song des Albums „Und führet mich nicht in Versuchung“ über. Hier legen AGRYPNIE auch direkt los und verdeutlichen mit treibenden Riffs und einem hämmernden Drumcomputerworan man mit dieser Band ist.
Das folgende „Auf den nackten Korridoren“ drückt Tempomäßig stark auf die Bremse und überzeugt durch einen kräftigen Gesang der bei so manchem Gänsehaut erzeugt. Kombiniert mit einer wunderschönen melancholischen Melodie liefern ARGYPNIE hier einen sehr schönen Midtempo Song.„Cogito Ergo Sum“ und „Kerkerseelenwanderung“ liefern beide, neben ruhigen Akustikparts, treibende Gitarrenriffs, Keyboard Melodien und eine gute Soundabmischung. Hier werden ohne große Spielereien und Effekte zwei schöne Black Metal Songs geboten.Die Zeile „Spieglein, Spieglein an der Wand, wohin das Licht im ganzen Land… ?“ erinnert bei dem Song „Spieglein?“ nur sehr kurz an das bekannte Märchen. Denn märchenhaft ist an diesem Song reichlich wenig. In konstantem Up-Tempo peitschen die Gitarren und das Schlagzeug den Song nach vorne und lassen geballte Energie frei. Neben „Und führet mich nicht in Versuchung“ der stärkste Song auf diesem Album. „Masken“ kann dieses Niveau leider nicht halten, da hier die gute Gitarrenarbeit dem Drumcomputer zum Opfer fällt. Nach meinem Gefühl wirkt hier der „Schlagzeugsound“ etwas zu dominierend und zu laut. Vor allem gegen Ende fällt das maschinenartige Arbeiten des Drumcomputers negativ auf und verdeutlicht den Unterschied zwischen Computer und einem Schlagzeuger aus Fleisch und Blut.Das durchschnittliche „Glas“ bringt das Album ohne noch einmal von der gewohnten Struktur abzuweichen zum Ende.

Bei „F51.4“ handelt es sich um ein gutes Black Metal Album, das ohne die genrentypischen, klischeebehafteten Texte auskommt. Jedoch fehlt bei den komplett in Deutsch verfassten Texten bei genauerer Betrachtung der düstere, romantische und fantasievolle Feinschliff den man von Traumschänder gewohnt ist. Es scheint, als konzentrierten sich AGRYPNIE mehr auf die „weltlichten“ Differenzen zwischen Schein und Sein. Die Band setzt dort an, wo Nocte Obducta aufgehört haben und hört dort auf wo die Vorgängerband beginnt. Jedoch ist AGRYPNIE keineswegs als eine Art Ergänzung zu sehen. Denn um ergänzend zu wirken, fehlen hier einfach die vielen Gänsehaut-Momente, die zwar vorhanden sind, allerdings nicht so zahlreich wie man beim Lesen der beteiligten Künstlernamen erwartet.
Als wirklichen Kritikpunkt ist eigentlich nur der Drumcomputer zu nennen. Er wirkt über Teile des Albums einfach zu penetrant und spielt den Rhythmus zu künstlich und steril ab. Zwar wurde hier seit der Split mit Fated einiges getan, starke Verbesserungsmöglichkeiten bestehen aber leider noch immer. Das ist schade, denn bei solchen Songs, sollte man nicht an der falschen Stelle sparen. Hier verspielen AGRYNPIE im wahrsten Sinne des Wortes einige Bewertungspunkte.Für alle jene, die über die Schlagzeugarbeit hinweg sehen können, spreche ich hier meine Empfehlung aus. Ganz egal welches Genre oder welche Band man favorisiert, an einem Probehören kommt man bei diesem starken Album nicht vorbei.

Bewertung: 8 / 10

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