Review Caliban – Say Hello To Tragedy

CALIBAN dürften neben ihren Kollegen von Heaven Shall Burn zu den einflussreichsten und bekanntesten deutschen Metalcore-Bands zählen und haben es auch über die Landesgrenzen hinaus zu Rang und Namen gebracht. Nun veröffentlichten die Mannen aus dem Ruhrgebiet ihre neue Scheibe „Say Hello To Tragedy“. Das mittlerweile siebte Studioalbum der Band erschien bei der neuen Labelheimat Century Media Records, nachdem man sich vom vorherigen Partner Roadrunner Records aufgrund einer Umstellung in deren Label-Politik trennte. Eine Sorge kann aber gleich genommen werden: an der Musik an sich hat sich deshalb nichts geändert; auch weil „Say Hello To Tragedy“ ohnehin schon fertiggestellt war, als man bei Century Media unterschrieb.

So hübsch wie es sich CALIBAN in ihrem neuen Zuhause bei Century Media gemacht haben, geht es auf dem Albumcover nicht zu. Begrüßt wird der geneigte Hörer nämlich von einer weit aufgerissenen, irren und surrealen Fratze, die perfekt den Wahnsinn widerspiegelt, den auch der Titel „Say Hello To Tragedy“ mit seinen insgesamt 12 Songs verkörpert. Denn genau als CALIBAN die Songs aufnahmen, machten die Schreckensmeldungen vom Inzestfall in Amstetten ihre Runden um die Welt. Keine große Überraschung also, dass auch die Ruhrpottler die Augen davor nicht verschließen konnten und den Fall zum Inhalt einiger ihrer neuen Songs machten.

Um einen eben solchen Titel handelt es sich auch gleich beim Opener „24 Years“, der mit greifbarer Aggressivität von der ersten Sekunde an ordentlich Gas gibt. Es macht sich nicht nur der Eindruck breit, als hätte Andreas Dörner nochmal ordentlich an seiner Stimme gearbeitet (derart voluminös hab ich ihn noch nicht growlen und schreien hören), sondern auch schnell die Gewissheit: CALIBAN sind immer noch zu 100% CALIBAN. In Sachen Songwriting wurde ein beachtlicher Schritt nach vorne gemacht, auch die Breakdowns wirken – im Gegensatz zum Vorgänger-Album „The Awakening“ – nicht mehr deplatziert, tragen stattdessen maßgeblich zur Dynamik bei.
Mit dem sehr rhythmischen „Love Song“ (ein Paradebeispiel für die perfekte Symbiose der Gitarrenfraktion Schmidt/Goertz und Dörner vor dem Mikrofon) geht es weiter zum Nackenbrecher „Caliban’s Revenge“. Der Anteil an cleanem Gesang steigt nochmal (stellvertretend für den gesamten Silberling), wirkt aber zu keiner Zeit weichgespült oder angebidert. Viel mehr werden durch disharmonische Gitarrenklänge in Verbindung mit dem Klargesang besonders melancholisch anmutende Stimmungen erzeugt, die von aggressiven Growls auf die Spitze getrieben werden. Selbiges gilt auch für „End This Sickness“ und das sehr melodische „Walk Like The Dead“. Auf die Lebenshilfe a lá CALIBAN („No One Is Safe“) muss der Hörer von „Say Hello To Tragedy“ also genau so wenig verzichten wie auf weitere aggressive Dauerbrenner, wie sie mit „The Degeneration Of Humanity“ und „Unleash Your Voice“ (als klare Aufforderung zu verstehen) dargeboten werden.

Worin das alles endet? In einem 47:01 Minuten langen Feuerwerk an verdammt aggressiven Metalcore der Marke CALIBAN. Hinzu kommt noch eine kleine Portion mehr Melancholie, die aber nie die Überhand gewinnt und trotz allen dargestellten Übels immer noch einen kleinen Hoffnungsschimmer übrig lässt. Fans der vorherigen Scheiben werden an „Say Hello To Tragedy“ mit Sicherheit ihren Gefallen finden und sich am Langzeitspaß erfreuen. So liefern CALIBAN ein Mal mehr den Beweis, dass sie nicht zu Unrecht an der Speerspitze des deutschen Metalcores stehen und noch für einige Überraschungen gut sind. Kurzum: reinhören!

Wertung: 8 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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