Albumcover Caliban

Review Caliban – Dystopia

Seit der Veröffentlichung ihres achten Studioalbums „I Am Nemesis“ (2012) sind bei den Mitbegründern der deutschen Interpretation des Metalcores, CALIBAN, die Bewertungen für die Folgealben gemischt bis schwach ausgefallen. Man kopiere sich selbst und bediene sich kaum bis gar nicht an neuen kreativen Ansätzen, sondern gehe den Weg des geringsten Widerstandes, sprich, man liefert durchschnittlichen Standard-Metalcore.

Nun veröffentlichen CALBIAN im Jubiläumsjahr ihres 25. Geburtstages ein neues, mittlerweile das zwölfte Album. Wenn man sich das letzte Drittel seiner Karriere zu einem Garanten für eine durchwachsene Metalcore-Platte gemausert hat, ist die Erwartungshaltung an das neue (leider unkreativ, um nicht zu sagen: platt betitelte) Album „Dystopia“ hoch  – oder eben niedrig, wenn man fest an dem Trend glaubt, den die Kurve nach unten seit 2012 zeigt.

Ein schlechtes Omen, das besagte Entwicklung bereits vor dem Hören der Platte bestätigt, ist einerseits die illustre Liste an Gesangsunterstützern (Unterstützung ist wortwörtlich gemeint) und andererseits das von CALIBAN immer wieder gerne genutzte Mittel der vermeintlich kreativen Songbezeichnung. Was auf „I Am Nemesis“ mit „Dein R31ch“ begann, sich auf „Ghost Empire“ mit „nebeL“ und auf „Gravity“ mit „brOKen“ fortsetzte, wird auf „Dystopia“ penetrant weitergesponnen – fraglich ist, ob man mit diesen pseudointellektuellen Wortspielereien den inhaltlich nur bedingt gehaltvollen Texten einen Tiefgang vermitteln möchte, an den CALIBAN auch auf ihrem aktuellen Album erneut (weit) vorbeiziehen.

CALIBAN beginnen die Platte mit dem Titeltrack und zugleich der ersten Kollaboration am Mikrofon. Dass Christoph Wieczorek von AnnIsOkay hierbei unterstützt, ist logisch, schließlich bietet der Track den CALIBAN-typischen Klargesang im Refrain, den der bandeigene Shouter Andreas Dörner so nicht hätte schaffen können. An anderer Stelle umgeht man die Peinlichkeit, dass ein Gastsänger fehlt, der Clean-Vocal-Refrain aber (selbstverständlich) vorhanden ist, übrigens mit unterlegtem Hall und Mehrstimmigkeit – I see what you did there, CALIBAN.

Da die elf Tracks erneut von Gitarrist Marc Görtz geschrieben wurden, entspricht die Qualität des Songwritings dem der letzten Platten. Das bedeutet, dass der Songaufbau von beispielsweise „The Awakening“ dem von „Dystopia“ gleicht – ein Armutszeugnis für die Kreativität der Band, schließlich liegen zwischen beiden Alben schlappe 15 Jahre. Selbst die zaghaft eingesetzten modernen Anleihen wie Sprachverzerrungen („Dystopia“) und Electronica („Ascant Of The Blessed“) sind keine Neuerung, denn das muss man CALIBAN lassen: Sie haben frühzeitig begonnen, ihre Musik mit innovativen Elementen zu bereichern. Bedeutet aber eben auch, dass sie diese Kniffe auf „Dystopia“ zum x-ten Mal aufwärmen.

Besonders unterhaltungsarm wird es, wenn CALIBAN weder ein treibendes Riff noch einen eingängigen Refrain in einen Song packen und somit etwa drei Minuten Lebenszeit des Hörers rauben; weswegen es so fade Tracks wie „Darkness I Became“ oder „Hibernate“, dass mit einem erstaunlich uninspirierten Gitarren-Solo aufwartet, auf das Album geschafft haben, ist ein Rätsel. Zumal man sich Gedanken über die Qualität von Songs macht, die CALIBAN selbst als zu schwach bewerten, um ihnen einen Platz in der Tracklist zu sichern.

Selbst die Features mit Marcus Bischoff (Heaven Shall Burn) und Jonny Davy (Job For A Cowboy) resultieren unterm Strich in nur mittelmäßige Tracks, die allerdings genau das hervorheben, was Görtz als Songwriter tunlichst zu kaschieren versucht: Erstens, Dörner ist keine gute Wahl für Klargesang und zweitens, ein facettenreicher Sänger könnte ein schwaches Songwriting (zumindest stellenweise) ausgleichen. Wird in zwei Jahren dennoch ein neues Album auf den Markt kommen, dass exakt an diesem Dilemma krankt? Selbstverständlich. Und werden die Tracks den gleichen Aufbau mit einer ähnlichen Menge an Gastsängern und Wortspielen haben? Natürlich.

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Wertung: 5 / 10

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