Review Converge – Hum Of Hurt

Acht Jahre mussten CONVERGE-Fans seit „The Dusk In Us“ auf ein neues Album warten. Als hätten Sie etwas gutzumachen, legen CONVERGE direkt nach. Auf die längste kreative Phase ihrer Karriere folgt das kürzeste Intervall zwischen zwei Alben der Bandgeschichte: Rekordverdächtige vier Monate (!) nach „Love Is Not Enough“ erblickt dessen böser Zwilling das Licht der Welt: „Hum Of Hurt“.

Zwillinge sind die Alben insofern, als „Hum Of Hurt“ dem gleichen Kreativprozess entstammt wie „Love Is Not Enough“: „Im Laufe der Arbeit wurde uns klar, dass wir zwei separate Alben erschaffen hatten, und wir haben sie auch so behandelt“, beschreibt Sänger Jacob Bannon den Prozess. Mit 33:33 Minuten ist das Album auch nur unwesentlich länger als der ebenfalls rund eine halbe Stunde währende „Vorgänger“. Musikalisch aber wird schnell klar, warum CONVERGE diese Songs als eigenständiges Album empfunden und separiert haben. War „Love Is Not Enough“ ein überraschend strukturiertes Album, das durch die oft fast thrashigen Riffs und Gitarrensoli eine starke Metal-Schlagseite hatte, huldigen CONVERGE mit „Hum Of Hurt“ ganz klar ihren Wurzeln im Hardcore: Das Album klingt schon vom Sound her deutlich roher und ungeschliffener – ein erster Eindruck, der sich so aber auch im Songmaterial widerspiegelt.

Auf Gitarrensoli oder auch nur Lead-Melodien braucht man sich bei „Hum Of Hurt“ nicht zu freuen. Stattdessen gibt es vom ersten Takt von „Slip The Nose“ an Staub zu fressen. Nach 1:44 Minuten geht es auch schon in „Doom In Bloom“ – etwas ruhiger, durch den leidend herausgekotzten Gesang aber nicht weniger hardcore. Erst in der Mitte des Albums nehmen CONVERGE das Aggressionslevel zurück. Allerdings erst, nachdem sie mit dem grade einmal 2:43 Minuten langen „It’s Not Up To Us“ in Sachen Vielfalt und Wahnwitz THE DILLINGER ESCAPE PLAN Konkurrenz gemacht haben: Über beachtliche sechs Minuten hinweg entwickelt sich „Dream Debris“ vom Schlagzeug-Intro über eine ruhige Bass-Line zum bis dahin wuchtigsten, aber auch ruhigsten Song – sogar etwas Klargesang ist zu hören. Den Faden greift „It Is Used To Matter“ auf und spinnt ihn weiter, ein fast sphärisches Instrumental als letzte Verschnaufpause, ehe CONVERGE nochmal für zwei Songs das Chaos entfesseln.

Wer CONVERGE kennt, weiß, dass die Band aus Boston nichts dem Zufall überlässt. Dass „Hum Of Hurt“ wie dereinst „The Dusk In Us“ in schillernder Metallic-Optik daherkommt und auf der Innenseite fünf Frauenportraits im „Jane Doe“-Style zeigt, kann darum durchaus als Anspielung verstanden werden. In Sachen Aggression, Explosivität und Chaos steht „Hum Of Hurt“ den genannten Alben jedenfalls deutlich näher als seinem Vorgänger. So empfiehlt sich das Album vornehmlich für Fans des Frühwerks – wer CONVERGE erst über „Love Is Not Enough“ kennengelernt hat, sollte sich zumindest darauf einstellen, dass auf diesem überraschend nachgeschobenen Album „andere“ CONVERGE zu hören sind.

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Wertung: 8.5 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

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