Februar 2026

Review Converge – Love Is Not Enough

Lässt man „Bloodmoon: I“ mal außen vor, das als Collaboration mit Chelsea Wolfe ja etwas aus der Reihe tanzt, sind gute acht Jahre verstrichen, seit CONVERGE ihr letztes Album veröffentlicht haben. Schon dieses, „The Dusk In Us“ betitelt, ließ damals fünf Jahre auf sich warten – acht Jahre aber sind dann doch nochmal eine andere Nummer – zumal angesichts der Tatsache, dass die Hardcore-Legende zuvor nie länger als drei, meist sogar nur zwei Jahre still war.

So steht mit „Love Is Not Enough“ nun also das elfte Album in 35 Jahren Bandgeschichte an – und eines zumindest ist schnell klar: Ruhiger oder entspannter sind CONVERGE mit den Jahren nicht geworden. Wie auch, in einer Weltlage wie der aktuellen: „Es gibt immer Hürden in der Welt“, sagt Bannon: „Persönliche, berufliche, wirtschaftliche, was auch immer. Aber ich habe das Gefühl, dass wir uns irgendwo auf unserer Evolutionslinie in einem Schnellkochtopf befinden. Es ist schon eine Menge, in der modernen Welt einfach nur Mensch zu sein, zu versuchen, zu funktionieren, sich zu behaupten, zu wachsen, Empathie und Mitgefühl zu haben. Es erfordert mehr als früher, all diese Dinge zu tun.“

Da ist es ja fast schon rücksichtsvoll von CONVERGE, dass sie ihren Fans mit„Love Is Not Enough“ nicht auch noch mehr als früher abverlangen. Gerade im Vergleich zum eher hektisch veranlagten „The Dusk In Us“ ist „Love Is Not Enough“ richtiggehend eingängig: Schon der Opener und Titeltrack geht mit thrashigen Metal-Riffs und einem herrlich dreckigen, aber zugleich viel volleren Sound als zuletzt direkt ins Ohr. Zugleich begeistert der Track mit viel Dynamik, vielseitigem Gesang und, als Sahnehäubchen, einem lässigen Solo. Damit ist der Grundstein gelegt – und mit dem Geschick und der Routine aus 35 Jahren wissen CONVERGE darauf einen Palast zu errichten.

Das schleppende Groove-Monster „Bad Faith“ etwa, in dem Bannons Gesang an Greg Puciato erinnert, ehe CONVERGE mit „Distract And Divide“ und „To Feel Something“ dann doch einen Zahn zulegen und das große Chaos-Feuerwerk zünden, für das die Truppe aus Boston bekannt ist. Doch auch hier haben die Gitarren einen so unüberhörbaren Thrash-Einschlag, dass man „Love Is Not Enough“ unversehens jedem Fan dieses Genres empfehlen möchte.

Während Thrash Metal jedoch gemeinhin eher nicht mit Abwechslungsreichtum in Verbindung gebracht wird, ist es genau das, was „Love Is Not Enough“ ausmacht: Mit „Beyond Repair“ bieten CONVERGE den Hörenden eine 2:29 Minuten lange, rein instrumental-atmosphärische Verschnaufpause, in „Force Meets Presence“ treffen (frühe) METALLICA auf (langsame) NAILS und mit „Gilded Cage“ zeigen sich CONVERGE gar von ihrer (fast schon) zarten Seite. Das eigentlich Beeindruckende aber ist, dass CONVERGE alles dieses in gerade einmal einer guten halben Stunde unterbringen und das Resultat weder überladen noch zu knapp bemessen klingt – sondern einfach nur rund.

Selten hat sich das Warten auf ein Album so gelohnt wie bei „Love Is Not Enough“: Schon das Cover reiht sich stilistisch so perfekt zwischen „Jane Doe“ und „No Heroes“ ein, dass es einem auf den ersten Blick nicht nur passend, sondern vertraut vorkommt. Das Gleiche gilt für die Musik: CONVERGE haben mit „Love Is Not Enough“ ein Album geschrieben, das man so schnell ins Herz schließt, als sei dort genau zu diesem Zweck seit Jahren ein Plätzchen freigehalten worden. Und Bannon möchte man immer wieder zurufen: „Love is enough!“ Zumindest aber „Love Is Not Enough“ ist genug: Mehr als dieses Album hätte sich wirklich kein CONVERGE-Fan wünschen können.

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Wertung: 9 / 10

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