Das Cover von "Requiem For A Pipe Dream" von Cyhra

Review Cyhra – Requiem For A Pipe Dream

Zumindest personell sind die skandinavischen Metaller CYHRA hochkarätig aufgestellt: Angeführt vom ehemaligen IN-FLAMES– und aktuellen THE-HALO-EFFECT-Gitarristen Jesper Strömblad versammeln sich in der Band auch Drummer Alex Landenburg (u. a. KAMELOT, MEKONG DELTA), Gitarrist Marcus Sunesson (u. a. THE CROWN und ehemals THE HAUNTED) sowie der in letzter Zeit vor allem auf YouTube zu Ehren gekommene finnische Gitarrist Euge Valovirta. Viele große Namen wecken naturgemäß das Interesse potenzieller Käufer*innen, ergeben aber, wie sich im Falle der neuen CYHRA-Platte „Requiem For A Pipe Dream“ leider zeigen soll, noch lange kein gutes Album.

Das Erbe des CYHRA-Gründers Jesper Strömblad ist auf „Requiem For A Pipe Dream“ ab dem ersten Song nicht zu überhören, denn schon in „Bleed With Pride“ paaren sich das Riffing und die Synthies neuerer IN-FLAMES-Alben mit unaufgeregtem Modern-Rock-Gesang. Dabei drängt sich nicht erst ab den „Ohohoho“-Chören des Boygroup-mäßigen „Superman“ der Gedanke auf, dass man es hier mit einem ziemlich stylischen, auf radiotaugliche Massenverträglichkeit getrimmten Album zu tun hat. CYHRA haken auf ihrem vierten Album so ziemlich alles ab, was derzeit im modernen Rock angesagt ist, weshalb auch die Elektrobeats im an LINKIN PARK erinnernden „Miss Me When I’m Gone“ kaum überraschen können.

Klar, die Truppe richtet sich mit ihrem geschniegelten Sound von vornherein nicht an Underground-Puristen oder Old-School-Fanatiker und setzt das, was sie sich für „Requiem For A Pipe Dream“ vorgenommen hat, auch erfolgreich um. Nur leider fehlt es der Platte ebenso sehr an Gehalt wie an Kantigkeit. Als radiokonforme Modern-Metal-Band bieten CYHRA trotz druckvoller, wuchtiger Präsentation wirklich keinerlei Möglichkeit, sich an ihrem Sound „festzubeißen“. Ganz im Gegenteil: Aalglatte Nummern wie „Ghostbound“ und „In The Center Of A Miracle“ machen es mitunter sogar schwierig, festzustellen wo der eine Song endet und der nächste beginnt.

Das, was „Requiem For A Pipe Dream“ schlussendlich den Garaus macht, ist aber nicht das kalkulierte, durchgestylte (und durchweg generische) Songwriting, sondern die seelenlose Produktion. CYHRA haben für ihre neueste Platte wirklich jedes Merkmal moderner Studioarbeit auf die Spitze getrieben und ihren Songs so jegliches Leben entzogen. Selbst der noch so kleinste Anflug von Dynamik wird auf „Requiem For Pipe Dream“ von Kompression, Lautstärkenangleichung und dergleichen mehr im Keim erstickt, was nicht nur die Aufmerksamkeitsspanne der Hörerschaft auf eine harte Probe stellt, sondern in einem der charakterlosesten Alben des etwa zur Hälfte vergangenen Jahres resultiert.

Nur, weil Musiker schon lange im Geschäft sind, wird nicht alles, was sie berühren, zu Gold – CYHRA sind das bete Beispiel, denn ungeachtet der Individualleistung jedes einzelnen Bandmitgliedes ist „Requiem For A Pipedream“ eines der langweiligsten Alben, die in diesem Jahr bisher erschienen sind. Formal funktionsfähig weil aus den gängigen Genre-Bausteinen zusammengesetzt bieten die zehn enthaltenen Songs nichts, aber auch wirklich gar nichts, was im Ohr bleibt und werden zu allem Überfluss auch noch von einer seelenlosen Kunststoff-Produktion in die vollkommene Belanglosigkeit gestoßen. Es mag Menschen geben, die „Requiem For A Pipe Dream“ bis zum Ende hören können, doch auch sie werden sich 15 Minuten später nicht mehr an irgendeines der vernachlässigbaren Details der Platte erinnern können.

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Wertung: 3.5 / 10

Thomas Meyns

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