CD-Review: Die Apokalyptischen Reiter - The Divine Horsemen

Besetzung

Fuchs – Gesang, Gitarre
Ady - Gitarre
Volk-Man – Bass
Dr. Pest – Keyboard
Sir G. – Schlagzeug

Tracklist

CD 1
01. Tiki
02. Salus
03. Amma Guru
04. Inka
05. Nachtblume
06. Aletheia
07. Duir
08. Children Of Mother Night

CD 2
01. Uelewa
02. Haka
03. Simbi Makya
04. Wa He Gu Ru
05. Akhi
06. Ymir
07. Eg On Kar


(Black Metal / Death Metal / Folk / Avantgarde / Jazz) Voodoo. Wut. Urzeitriese. Rituelle Tänze. Bestimmung. Die göttliche Wahrheit. Die große Eiche. Trance. Schweigefuchs. Geist des Wassers. Bruder. Verständnis. Aus der Dunkelheit ins Licht. Universelle Seele. Sicherheit. Ursprünglichkeit. Wahnsinn. DIE APOKALYPTISCHEN REITER.

„The Divine Horsemen“ ist ein ganz anderes, ganz besonderes Werk und nicht als direkter Nachfolger zu „Der rote Reiter“ zu verstehen. Zum 25-jährigen Bandjubiläum haben sich DIE APOKALYPTISCHEN REITER einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Seit gut zehn Jahren hatten sie die Idee eines „Zwei-Tages-Albums“, das sie sich nun selbst zum Geburtstag geschenkt haben. An zwei Tagen haben die Thüringer knapp 500 Minuten Material aufgenommen – ohne Proben, ohne Vorbereitung, ohne genauen Plan. 80 dieser Minuten finden sich auf den beiden CDs. „Divine Horsemen: The Living Gods Of Haiti“ – ein Dokumentarfilm aus den 50er Jahren über den Voodoo in Haiti – leiht der Scheibe übrigens ihren Namen.

Das Geburtstagsgeschenk an sie selbst ist ein sehr spezielles Experiment und Experimentierfreude war den APOKALYPTISCHEN REITERN noch nie fremd. „The Divine Horsemen“ allerdings geht nun noch einen Schritt weiter. Die einprägsamen Gesangslinien von Fuchs, die schmissigen Ohrwürmer, die spaßigen sowie gesellschaftskritischen Texte, die epischen Melodien und folkigen Einschübe – das alles sucht man auf „The Divine Horsemen“ vergebens. Gewöhnliche Strophen oder Refrains fehlen ebenfalls völlig. Der inzwischen ausgereifte Reiter-Sound mit seiner perfekten Produktion wird auf diesem Release einmal auf links gedreht.

Kurze, brachiale Wutausbrüche wie „Nachtblume“ oder „Haka“ und die finsteren Tracks „Aletheia“ und „Ymir“ dürften vor allem Fans der ersten Stunden erfreuen und erinnern an die schwarz- und todesmetallischen Wurzeln. Solchen Hass und solche Melancholie hat man von den APOKALYPTISCHEN REITERN lange nicht gehört und es ist eine wahre Wohltat. Demgegenüber stehen die um die zehnminütigen Jam-Sessions „Inka“, „Duir“ und „Uelewa“, die über den Großteil der Laufzeit ohne Gesang und wirkliche Harmonien auskommen. Die Melodien sind oft sehr bedächtig, gar meditativ und bewegen sich atmosphärisch zwischen beruhigend und bedrohlich. Kommt dann doch noch ein Ausbruch, schlägt dieser umso intensiver und packender ein. Nur selten, wie etwa bei „Wa He Gu Ru“, hellt sich die Stimmung etwas auf und positive, fröhliche Noten erklingen.

Noch seltener gibt es richtige Texte, mehr als kurze Textstellen oder sich häufig wiederholende Worte gibt es kaum. Die musikalische, in den Songtiteln schon erkennbare Reise durch verschiedene Kulturen wird in den mehrsprachigen Gesängen deutlich. Darüber hinaus wurden diverse exotische Instrumente eingesetzt: Mit Djembe, Doumbek und Bongo sind mehrere Trommeln zu hören, auch Maultrommel und Digeridoo sorgen neben Effektgeräten für die Erweiterung des Klangspektrums. „The Divine Horsemen“ wirkt einerseits wie ein Querschnitt durch die gesamte Schaffensphase der Band, gleichzeitig aber auch wie etwas völlig anderes – als ob sich fünf Männer in Trance spielen und in der ihnen altbekannten Gesellschaft einfach geschehen lassen, was geschieht.

Am Ende bleibt die klassische Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Böse Zungen könnten behaupten, DIE APOKALYPTISCHEN REITER haben sich bei dieser Veröffentlichung den langwierigen Prozess des Songwritings gespart, um in möglichst kurzer Zeit möglichst großen Profit zu generieren. Das hat eine Band dieser Größenordnung aber kaum nötig, außerdem könnte man sicher locker mehr als die auf 3000 limitierte CD- und auf 1000 limitierte Vinyl-Auflage verkaufen. „The Divine Horsemen“ ist in jedem Fall das experimentellste, ungewöhnlichste, jazzigste, anstrengendste und sperrigste Album der Band, es strotzt nur so vor Kreativität und Energie und strahlt seine ganz eigene Stimmung aus. DIE APOKALYPTISCHEN REITER machen mal wieder das, was sie wollen und werden damit definitiv die Lager spalten.

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Bewertung: 8 / 10

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3 Kommentare zu “Die Apokalyptischen Reiter – The Divine Horsemen”

  1. Cactusmunkee

    Liebe die Reiter! Aber „Divine Horsemen“ ist das Beste was die Reiter seit „Allegro Barbaro“ auf den Markt geworfen haben! Ich bin hin und weg! UNBEDINGT MEHR DAVON!

  2. Phil

    „ohne Proben, ohne Vorbereitung, ohne genauen Plan.“

    Besser kann man es nicht beschreiben. Diesen Output halte ich für unhörbar.

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