CD-Review: Die Apokalyptischen Reiter - Tief.Tiefer

Besetzung

Fuchs – Gesang
Ady – Gitarre
Volk-Man – Bass, Synthesizer
Sir G. – Schlagzeug, Synthesizer
Dr. Pest - Keyboards, Synthesizer

Tracklist

Tief:
01. Freihheit Gleichheit Brüderlichkeit
02. Wir
03. Wo es dich gibt
04. Was bleibt bin ich
05. Ein leichtes Mädchen
06. Ein Vöglein
07. Es wird Nacht
08. Die Wahrheit
09. 2 Teufel
10. Die Welt ist tief
11. So fern
Tiefer:
01. Die Zeit
02. Der Weg
03. Friede sei mit dir
04. Flieg mein Herz
05. Das Paradies
06. Die Leidenschaft
07. Auf die Liebe
08. Der Wahnsinn
09. Terra Nola


(Heavy Metal/Folk/Death Metal/Hard Rock) „Falls wir je einem Genre angehört haben, so sind dessen Barrieren endgültig überwunden. Stillstand, Stagnation und Regeln langweilen uns. Alles ist in Bewegung. Die Welt. Das Leben. Die Gedanken.“ So ein Zitat der Band aus dem Promotext, die im nächsten Jahr ihr 20jähriges Jubiläum feiern wird. Große Worte also, die wir hier mit dem Doppelalbum „Tief.Tiefer“ der APOKALYPTISCHEN REITER überprüfen möchten.

Mit 20 Songs und über 75 Minuten wird eine ordentliche Spielzeit abgeliefert. Über 1000 Tage hat die Formation an dem Nachfolger von „Moral & Wahnsinn“ aus dem Jahr 2011 gearbeitet. Der Opener „Gleichheit Freiheit Brüderlichkeit“ besticht mit aktuellen Politikthemen, die kritisch beleuchtet werden. Dazu kommen gedämpft-verzerrte Shouts und ein mitreißender Refrain. Dann legt man mal den Fokus auf das Tastenspiel von Dr. Pest („Wo es dich gibt“), wirft funkige Gitarren in den harten Sound ein („Was bleibt bin ich“), kommt komplett ohne Saitenfraktion bzw. Drumarbeit in Form einer Ballade daher („Ein Vöglein“) oder wildert in Indie-Gefilden („2 Teufel“). Die erste CD dieses Doppelwerks mit dem Titel „Tief“ besticht durch den bekannten Abwechslungsreichtum und der Experimentierfreudigkeit der Weimaraner. Das große Plus dieser Scheibe sind das nach so vielen Jahren perfektionierte Zusammenspiel der einzelnen Musiker, die Power der Kompositionen und der Stimme von Fuchs, die auch bei (Halb-) Balladen den Hörer erbarmungslos packen können und eine ziemlich perfekte Produktion, die den Songs absolut gerecht wird. Anspieltipps sind „Freihheit Gleichheit Brüderlichkeit“, „Es wird Nacht“ und „Die Wahrheit“.

Die zweite CD ist eine Mischung aus bereits bekannten Stücken und neuen Songs im akustischen Gewand. Wie so oft kann man hier sicher diskutieren, ob es das wirklich gebraucht hätte. Als nettes Gimmick für Fans oder im Sinne einer Band, die sich einen Wunsch erfüllt, kann man diese Neuaufmachungen aber gut und gerne stehen lassen. Vor allem deshalb, weil sie die Bandbreite von DIE APOKALYPTISCHEN REITER um ein weiteres Merkmal erweitern und da sie allesamt mit großem Feingefühl und Finesse umgesetzt wurden. Die Stücke haben einen entspannten Drive und dienen gerne auch mal zum Nebenbei-Hören mit Fußwippen. Die vorhandenen Artworks sind relativ schlicht und doch wirkungsvoll gehalten. Manchmal darf es eben gerne etwas weniger sein. Die beiden Releases kann man nach Belieben einzeln oder im Paket erwerben.

DIE APOKALYPTISCHEN REITER machen sich 2014 auf, den Weg von „Riders On The Storm“ und seinen Nachfolgern würdig weiterzutragen. Mit Hang zur Perfektion bezüglich der Produktion und ein Händchen für kraftvolle Ohrwürmer und experimentelle Einwürfe im Stilspektrum der Band gehen sie mit diesem achten Studioalbum wieder ein bisschen „Tiefer“. Maßlos ist das alles mit Sicherheit in einigen Bereichen, aber die Herren haben sich mittlerweile einen Status erarbeitet, der ihnen dies zugestehen kann. Die Anhänger der letzten Studioalben werden auch mit „Tief“ und seinem Ableger ihre Freude finden. Die üblichen Freunde der älteren Machwerke müssen die Band wohl endgültig für sich abschreiben. Trotzdem bleibt es unverkennbar der typische REITER-Stil und mit Sicherheit eines der stärksten Alben im deutschsprachigen Metal-Sektor 2014, das aber auch noch in ein paar Jahren zu funktionieren vermag.

Bewertung: 9 / 10

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