CD-Review: Die Apokalyptischen Reiter - Der rote Reiter

Besetzung

Fuchs - Gesang
Ady - Gitarre
Volk-Man - Bass
Sir G. - Schlagzeug, Programming
Dr. Pest - Keyboard

Tracklist

01. Wir sind zurück
02. Der rote Reiter
03. Auf und nieder
04. Folgt uns
05. Hört mich an
06. The Great Experience Of Ecstasy
07. Franz Weiss
08. Die Freiheit ist eine Pflicht
09. Herz in Flammen
10. Brüder auf Leben und Tod
11. Ich bin weg
12. Ich nehm' dir deine Welt
13. Ich werd' bleiben


(Heavy Metal/Folk/Death Metal/Hard Rock) Führt man sich die gängigen Werke von DIE APOKALYPTISCHEN REITER zu Gemüte, ist es kaum vorstellbar, dass die Thüringer anno 1995 als fast lupenreine Melodic-Death-Metal-Band begonnen haben. Bekannt ist die Gruppe jedoch für ihren sich mir der Zeit entwickelten Stil, den einer bestimmten Genre-Schublade zuzuordnen praktisch unmöglich erscheint. Melodische Epik hier, Neue-Deutsche-Härte-Attitüde da, exotische Folk-Einlagen sowie das eine oder andere todesmetallische Versatzstück aus Anfangszeiten dazwischen und dabei stets organisch klingend – so kennt man DIE APOKALYPTISCHEN REITER, und unter dieser Prämisse veröffentlicht die Band mit „Der rote Reiter“ nun ihr zehntes Album.

Diesem fällt die Aufgabe zu, verlorenen Boden wieder gut zu machen, war der Vorgänger „Tief.Tiefer“ doch ein eher durchwachsenes Reiter-Werk, das bei den Hörern entsprechend ambivalent ankam. Aber keine Sorge: Mit „Der rote Reiter“ schöpft die Band wieder aus den Vollen, sodass der Name des Openers „Wir sind zurück“ kaum besser gewählt sein könnte. Dieser präsentiert sich sodann auch als stimmungsvoller Einstieg in die Platte, der an den Einstiegs-Song „Die Boten“ vom Album „Moral & Wahnsinn“ erinnert – beide Songs haben sowohl das irrsinnige Ohrwurmpotenzial als auch die textliche Selbstbeweihräucherung gemein. Wo wir gerade beim Thema Texte sind: Diese sind bei einem DIE-APOKALYPTISCHEN-REITER-Album kein unwichtiges Thema und in dieser Disziplin liefert die Band gewohnte Kost aus amüsanten Erzählungen, Mutmachern sowie Weltuntergangsszenarien. Obgleich man sich hier den einen oder anderen lyrisch durchaus etwas unbeholfenen Moment gefallen lassen muss („Auf und nieder, immer wieder, so singt das Leben seine Lieder“), bleiben die Reiter auch mit diesem Album eine der Bands, die über diese Themen größtenteils ansprechend berichten können, ohne Fremdscham auszulösen.

Für die größte und angenehmste Überraschung in musikalischer Hinsicht dürfte der Titeltrack sorgen, der nämlich größtenteils mit waschechten Growls ausgestattet ist. Eine sehr schöne Rückbesinnung auf alte Zeiten, die jedoch durchaus noch etwas konsequenter hätte durchgesetzt werden können. Wenig später wartet der tonnenschwere, doomig angehauchte Koloss „Hört mich an“ nochmals mit einem kraftvollen, guttural vorgetragenen Refrain auf, dann war es das jedoch im Wesentlichen auch schon wieder. Ein paar mehr Songs mit Growl-Parts hätten, wenn man schon dabei ist, definitiv nicht geschadet. So wirken diese Momente weniger wie ein fester Bestandteil des Albums als ein Zugeständnis an Fans der ersten Stunde – wenngleich es sich auch um ein sehr willkommenes handelt.

Ansonsten knüpft „Der Rote Reiter“ stilistisch etwa da an, wo beispielsweise „Licht“ oder das schon erwähnte „Moral & Wahnsinn“ aufgehört haben. Auch wenn fairerweise gesagt werden muss, dass die Platte unter dem Strich nicht ganz an eben diese großartigen Werke heranreicht, sind das wieder genau DIE APOKALYPTISCHEN REITER, die wir hören wollen und die sich auf „Tief.Tiefer“ ein wenig verritten hatten. Das macht spätestens jetzt aber nichts mehr, denn auch wenn „Der rote Reiter“ seine Hitdichte zwischendurch mal etwas einreißen lässt, bietet er größtenteils hochklassige neue Songs in altem und bisweilen sogar old-schoolig angehauchtem Gewand. Ein vollauf gelungener Höllenritt!

Bewertung: 8 / 10

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