Interview mit Volk-Man von Die Apokalyptischen Reiter

Im Zuge unseres Reiter-Specials führte unser Redaktuer Alexander ein Interview mit Bassist und Sänger Volk-Man.

Ihr kommt quasi gerade von Eurer ersten Headliner-Tour zurück. Lief alles wie geplant? Wie waren die Reaktionen? Was für Erfahrungen habt Ihr mitgenommen?
Volk-Man: Es hätte nicht besser laufen können. Wir haben uns gesagt, entweder machen wir den Schritt jetzt oder nie. Wir haben bereits 2003 gemerkt, dass kontinuierlich immer mehr Leute zu unseren Shows gekommen sind, so dass sich die Tour förmlich aufgedrängt hat. Wir wollten einfach testen, ob es auch möglich ist, Leute unter der Woche zu einem Konzert zu locken. Das ist natürlich immer ein Risiko, denn man kann es einfach nicht abschätzen, wie so etwas laufen wird, wenn man 8 Jahre lange immer nur Einzelshows an Wochenenden gespielt hat (abgesehen von den großen Touren, die wir mitgefahren sind, wo wir aber nicht Headliner waren). Dass wir im Endeffekt knapp 300 im Durchschnitt bei jeder Show hatten, hätten wir uns selbst nicht träumen lassen. Und dass die Leute so dermaßen abgehen und Party machen schon gleich gar nicht. Es waren einfach 10 Tage wie auf einer Woge der Euphorie. Körperlich war die Sache allerdings ziemlich anstrengend, da wir jeden Tag zwischen 90 und 100 Minuten gespielt haben (teilweise 3-4 Zugabenblöcke), allerdings (aus Kostengründen) gar keinen Platz in unserem kleinen Nightliner für eine Crew hatten. Das war schon schlauchend, nach jeder Show wieder alles einzupacken und in den Bus zu packen (besonders bei den schönen Februar Temperaturen). Vorteil war, dass unsere Kosten minimal war und wir nie über 12 EUR im Vorverkauf gekommen sind. Das war uns aber extrem wichtig, die Sache fanfreundlich zu halten, denn die Preise heutzutage für Konzerte sind oftmals schon über der Schmerzgrenze.

Für den Spätsommer ist Eure erste DVD angekündigt. Was kann man von dem guten Stück denn so alles erwarten?
Volk-Man: Die DVD wird erst im Herbst 2005 zum 10 jährigen Bandjubiläum kommen. Wir arbeiten gerade am neuen Album, machen gerade eine Vorproduktion, damit der Produzent schon im Vorfeld weiß, was auf ihn zukommt. Wir finden es einfach wichtiger, jetzt eine neue CD zu machen, denn DVDs sehen wir eher als Gimmick, bzw. Zusatzgeschäft. Es wäre im Moment einfach unklug, noch länger mit der Platte zu warten, denn zum einen sind die Songs fix und fertig und zum anderen hören wir natürlich aufmerksam das Flehen vieler unserer Fans, doch endlich was neues an den Start zu bringen.

Im Herbst soll es dann mit Album Nummer 5 direkt weitergehen. Kannst du uns schon ein paar Infos bezüglich des aktuellen Entwicklungsstandes und vor allem über die Stücke geben??
Volk-Man: Sicher ist, dass die Scheibe am 1.11.2004 in den Läden stehen soll. Titel steht noch nicht fest, wir werden dieses mal ein anderes Studio testen, weil wir uns nicht wiederholen möchten und einfach den Wunsch verspüren, durch einen neuen Produzenten, neues Arbeitsumfeld wieder etwas frischer zu klingen. Es wird natürlich wieder jede Menge Überraschungen geben, musikalisch werden die Extreme wohl noch weiter auseinander liegen, als bei den letzten Scheiben. Es wird wieder eine Platte werden, die man nicht so einfach an sich vorbeirauschen lassen kann, sondern zu der man Stellung beziehen muss. Wie sagen wir immer so schön: erwarte nichts, aber sei auf alles vorbereitet. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Außer: die Erstauflage kommt mit Bonus DVD, hier wird es einige schräge Sache drauf geben, die wir auf diversen Shows mitgefilmt haben, Home-Material, Interviews und fette Clips, die auf den großen Open Airs im Sommer 2003 mitgeschnitten wurden…

Obwohl Ihr im aller weitesten Sinne zwischen Black und Heavy Metal pendelt, zeigt ihr Euch auch für internationale Rhythmen offen und scheut z.B. beim Song „Das Paradies“ nicht mal den Einsatz von Sprechgesang. Woher kommt diese stilistische Offenheit und verträgt sie sich mit der, gerade im musikalisch etwas extremeren Teil, oftmals vorherrschenden Engstirnigkeit in der Szene?
Volk-Man: Ich denke, die nachgesagte Engstirnigkeit der Szene wird nur von Betonköpfen propagiert. Fakt ist: Bands wie wir, die sich durch enorme Vielfalt auszeichnen, haben trotz härterer Zeiten (Raubkopien, Mp3s etc.) deutlich größere Absätze an Platten und ziehen wesentlich mehr Leute zu Konzerten. Wir stemmen uns damit ganz klar gegen den allgemeinen Trend. In der Metal Szene findet gerade ein Generationswechsel statt. Die old School Hardliner verstehen einfach gar nicht, was wir machen. Die junge Generation sieht das wohl anders. Ich muss sagen, auf unseren Konzerten sieht man viel, viel mehr junge Leute, als bei anderen Bands. Wir müssen ja nicht darüber reden, dass sich die Szene durch permanentes Kopieren von Stilen und Bands selbst das Wasser abgräbt bzw. bereits hat. Viele Leute sind es leid, immer wieder denselben Sound vorgesetzt zu bekommen. Wir sehen uns gewissermaßen als Vor“reiter“, bzw. langsam wird uns bewusst, dass wir mit unserem Sound tatsächlich etwas geschafft haben, was es in dieser Form noch nicht gab. Geplant war das nicht, weswegen wir mit Sicherheit genauso überrascht sind wie viele andere, als „Have A Nice Trip“ mal eben in die deutschen LP-Charts geschossen ist.

Gibt es denn bei aller Offenheit auch Dinge, die Euch musikalisch zu weit gehen würden, oder gilt prinzipiell „alles ist erlaubt?
Volk-Man: Naja EBM, Gothic, Industrial und Trivial-Pop wären dann doch des Guten zuviel. Obwohl man sich das nicht so vorstellen muss, dass wir uns hinsetzten und jetzt sagen: gut, jetzt machen wir einen Folk-Song blabla. Ich hatte zum Beispiel ein Death Metal Riff für die neue Scheibe geschrieben, doch irgendwie klang dasselbe Riff cooler als Akustik-Version mit Latino-Beat. Und andersherum haben wir auch simple Sachen mit Blasts unterlegt und fanden das viel besser. Unsere Proben sind unheimlich kreativ und wir probieren einfach jede Menge aus. Das Ziel ist: Authenzität. „Klingt das echt, spürt man das?“, dass sind eher die Fragen, die uns beschäftigen. Natürlich in Verbindung mit den Texten. Man kann schwerlich einen Black Metal Song schreiben und dazu über Herzschmerz Geschichten schreiben. Das wäre purer Nonsens. Wir verstehen uns als Band mit Anspruch, die sich nicht scheut zu zeigen, dass sie großen Spaß beim musizieren hat, deswegen aber nicht weniger ernsthaft ist, als andere. Ganz im Gegenteil.

Es scheint Euch ein sehr wichtiges Anliegen zu sein, die Leute zu selbständigem Denken und zu einem positiven Umgang mit dem Leben anzuregen, bzw. einen Mangel daran zu beklagen. Auf der anderen Seite stehen dann relativ klischeehafte Heavy Metal Texte. Was ist Euch jetzt wichtiger: den Zuhörer zu einem besseren Umgang mit dem Leben, oder zum Headbangen anzuregen?
Volk-Man: Natürlich beides. Das Leben besteht aus Freude, Trauer, Liebe und Hass und natürlich Heavy Metal. Wir reflektieren einfach unsere eigenen Stimmungen mit unserer Musik, mal sind wir nachdenklich, mal fröhlich, mitunter verbittert. Und manchmal ist uns einfach nur nach Bangen, Fäuste in die Luft schwingen und laut Heavy Metal hören. Ich sehe da keinen Widerspruch.

Geht denn der Wille, Menschen wachzurütteln auf konkrete persönliche Erlebnisse zurück, oder beobachtet Ihr „lediglich“ das Treiben um Euch herum und denkt Euch: „So kanns nicht weitergehen!!“?
Volk-Man: Dass es so nicht weitergehen kann und nicht weitergehen wird ist unserer Meinung nach offensichtlich. Es laufen auf diesem Planeten jede Menge Dinge schief, die Frage ist einfach, wie man selbst damit klarkommt. Wir wollen uns nicht in die Position von Propheten hineindrängen lassen, denn letztendlich muss jeder seine Wahrheit finden und sie auch vor sich selbst verantworten. Wir reflektieren einfach unsere Sichtweise auf bestimmte Dinge, sind dabei zum Teil persönlicher (und damit auch angreifbarer) als andere, aber das stellt für uns kein Problem dar. Die Frage, was du letztendlich von dir preisgibst, würde man wohl täglich neu beantworten. Hier gilt es immer eine Balance zu finden. Früher haben wir die negativen Energien um uns herum in sehr harten, deutlichen Texten verarbeitet. Ich denke, so eine Phase durchlebt jeder, wo ihn alles ankotzt, wo er alles rauslassen muss. Allerdings muss man früher oder später erkennen, dass in jedem Klagen, jedem Schrei auch eine Portion Hilflosigkeit mit drinsteckt. Denn wir sitzen hier ganz sicher nicht an den Hebeln der Macht (ebenso wenig wie ein anderer Musiker), ergo ist es im Grunde völlig egal, wie tolerant, wie weltoffen wir uns geben. Man kann gewiss eine Menge mit Musik und Worten bewegen, der Erkenntnis, dass man letztendlich genauso hilflos wie ich und du bist, wenn es darum geht, irgendwo einen Krieg anzuzetteln, kann sehr ernüchternd sein. Wir haben für uns beschlossen, trotz dieser Dinge, nicht völlig aufzugeben, nicht vollends zu verzweifeln. Auch wenn die Welt am Arsch ist und Dinge passieren, die geradezu unglaublich ungerecht und widerlich sind, wir denken, die Welt hat auch genug Schönes zu bieten, Dinge, die man vor lauter Gram und Groll zu leicht vergisst. Unsere Texte sind ein kleiner Beitrag, die ganze Verbitterung aus den Menschen rauszutreiben. Und sei es nur für die Dauer einer CD oder ein Konzert von uns.

Gibt es auch irgendein Thema, über das Ihr auf keinen Fall einen Song schreiben würdet?
Volk-Man: Ich denke, man kann sich jedem Thema nähern, es kommt eben ganz auf den Standpunkt und die Argumentation an.

Was macht Ihr, wenn Ihr nicht gerade mit den Reitern Euer Unwesen treibt?
Volk-Man: Ach, jede Menge, dass kann ich dir sagen. Ich schreibe viel, studiere ebenfalls, versuche meinen Garten in Schuss zu halten, liebe es, mit meiner Freundin abzuhängen, versuche viel zu reisen. Ständig präsent ist die Musik, ich höre eigentlich permanent irgendwas, ganz nach Stimmungslage. Ich denke, mein Leben unterscheidet sich da nicht von dem der meisten anderen auch. Ich freue mich auf den Sommer und auf das herrliche Gefühl, nackig ins Wasser zu springen…..

Mit welchen Bands würdest du gerne noch(mal?) zusammen auf Tour gehen?
Volk-Man: Eigentlich mit allen, mit denen wir schon mal unterwegs waren mit Ausnahme von Eisregen.

Welche Eurer Ziele habt ihr im Verlauf Eurer Karriere bereits erreicht und was habt Ihr Euch noch für die Zukunft vorgenommen?
Volk-Man: Wir haben bereits jetzt mehr erreicht, als wir uns das je hätten träumen lassen. Immerhin finanzieren wir unser Leben mittlerweile fast ausschließlich mit der Musik, was ein phantastisches Gefühl ist. Ziele gibt es viele: neue Platte, DVD, neue Shows. Wir werden ein Video im Mai drehen, welches zum Start der neuen Platte auf Viva/MTV laufen soll. Wir werden unsere ersten Shows in Norwegen und der Ukraine spielen. Und fern, fern am Horizont ist da ganz klar das Ziel, irgendwann mal Headliner eines großen deutschen Open Airs zu sein. Sprich Wacken, Full Force oder Summer Breeze. Das „oder“ kann man natürlich auch durch ein „und“ ersetzen, hehe. Wird vermutlich noch ein paar Jahre dauern, aber die Reiter werden nicht locker lassen und der Schlachtruf der Reitermaniacs, den besten Fans der Welt, wird uns darin bestärken, den eingeschlagenen Weg beharrlich weiterzugehen.

Zum Schluss gibt es noch ein kleines Spiel: Ich werfe Dir einen Begriff an den Kopf und du schreibst einfach deinen erstbesten Gedanken dazu auf!

Freundschaft: bedeutet, in schweren Zeiten zueinander zu stehen
Glück: kommt und geht und daran wird sich wohl auch nix ändern
Geld: die Wurzel allen Übels
Tod: unvermeidlich
Musik: verrät mehr über dich, als man glauben mag
Subway To Sally: sind jetzt auch auf Nuclear Blast
Napalm Death: erschütterten mit „Scum“ meine Definition von Musik
Manowar: waren mal die Kings Of Metal
Metal1.info: schön gemacht, sehr gute Seitennavi, schnelle Ladezeiten. Leider keine Bandinfo über die Reiter, ein Skandal ;-)